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29.04.2012

14:03 Uhr

Kapitalspritze

Japans Regierung verstaatlicht Fukushima-Betreiber Tepco

VonMartin Kölling

Kapitalspritze gegen Mehrheitsbeteiligung: So lautet der Deal zwischen Japans Regierung und dem Energiekonzern Tepco. Der Fukushima-Betreiber wird verstaatlich. Doch einen sofortigen Atomausstieg wird es nicht geben.

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TokioMonatelang haben Japans Regierung und Tepco, der Betreiber des havarierten Atomkraftwerks Fukushima 1, gefeilscht. Jetzt steht das Ergebnis offiziell fest: Tepco wird verstaatlicht. Gemeinsam mit dem Hilfsfonds für die Entschädigung der Atomkatastrophe hat Tepco am Freitag (Ortszeit) dem zuständigen Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (Meti) seinen Sanierungsplan vorgelegt.

Darin erklärt Tepco sich bereit, dem Staat als Gegenleistung für eine Kapitalspritze von zehn Milliarden Euro im Juli eine Mehrheitsbeteiligung am Unternehmen einzuräumen. Außerdem will Tepco über zehn Jahre etwa 30 Milliarden Euro an Kosten einsparen, um den finanziellen Fallout des Atomunfalls abzutragen. Die Regierung kann die staatliche Beteiligung auf 66 Prozent erhöhen, falls Tepco nicht radikal genug saniert.

Mit dem lange erwarteten Tauschhandel ist Tepcos Zukunft endlich gesichert. Ohne die Kapitalinjektion wäre der Konzern pleite gegangen. Denn aus eigener Kraft kann er die Folgen des Atomunfalls nicht bewältigen. Allein für das Ende März abgelaufenen Bilanzjahr erwartet Tepco mehr als sechs Milliarden Euro Verlust.

Denn Tepco muss nicht nur alte konventionelle Kraftwerke reaktivieren und neue bauen, um die Stromlücke zu schließen, die durch die Abschaltung all seiner Atomkraftwerke entstanden ist. Sondern es muss auch auch mehr fossile Brennstoffe für den Betrieb der konventionellen Kraftwerke kaufen, ohne dass der Staat Tepco sofort die Anhebung der Strompreise erlaubt hätte.

Die Mehrkosten haben nicht nur Tepco in die Verlustzone gedrückt. Nur zwei der neun Stromkonzerne, die bereits Zahlen vorgelegt haben, machen Gewinn. Die Defizite der anderen summieren sich inklusive Tepcos auf rund 15 Milliarden Euro.

Wie schnell sie in die Gewinnzone zurückkehren können, steht dabei noch nicht fest. Denn die Zukunft von Japans Atomkraft ist noch unklar. Meti-Minister Yukio Edano hat zwar persönlich erklärt, dass er sich einen schrittweisen Ausstieg aus der Atomkraft über höchstens 40 Jahre wünschen würde. Aber ob er sich damit durchsetzt, wird erst im Frühsommer feststehen, wenn die Regierung Japans neue Energiepolitik vorstellt.

Kommentare (2)

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Gut_gemacht

29.04.2012, 22:31 Uhr

Schau einer an: Wieder so ein Fall, wo der Staat einen Konzern übernimmt, um die Inhaber zu retten und die Schulden dem Steuerzahler aufzubürden.

Account gelöscht!

27.06.2012, 04:02 Uhr

Ach, jetzt wo die Kiste nur Schulden produziert wird sie verstaatlicht und die Gewinne aus den Jahren davor können die Betreiber behalten? Betrüger, einfach widerlich!



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