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24.07.2017

09:10 Uhr

Kartell-Vorwurf gegen VW, Daimler, BMW

Schlägt jetzt die Stunde der Kläger?

Nach dem Kartell-Vorwürfen müssen sich die deutschen Autobauer auf eine Welle von Klagen einstellen. Verbraucherschützer rechnen mit zehntausenden Verfahren. Die zuständige EU-Kommissarin will Sammelklagen ermöglichen.

Dieselgate und Autokartell

Wie die deutschen Autobauer unter Druck geraten

Dieselgate und Autokartell: Wie die deutschen Autobauer unter Druck geraten

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München, BerlinDen großen deutschen Autobauern droht wegen des möglichen Kartells eine Klagewelle. Deutschlands oberster Verbraucherschützer Klaus Müller geht von Zehntausenden Verfahren aus, in denen Autokäufer Schadenersatz für überteuerte Fahrzeuge verlangen könnten. Wegen der im Raum stehenden Absprachen der Hersteller hätten viele Kunden einen „möglicherweise viel zu hohen Preis“ für ihre Fahrzeuge gezahlt, sagte der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv) der „Süddeutschen Zeitung“.

Müller wies auf die angeblichen Selbstanzeigen von Daimler und Volkswagen bei den Wettbewerbsbehörden hin, über die der „Spiegel“ erstmals berichtet hatte. Darin sollen die beiden Konzerne schildern, wie sich Automanager von VW, Audi, Porsche, BMW und Daimler jahrelang in geheimen Zirkeln über ihre Fahrzeuge, Kosten, Zulieferer und auch den Umgang mit dem Thema Diesel-Abgase abgesprochen haben.

Das Kartell: Deutsche Autoindustrie in der Krise

Das Kartell

Premium Deutsche Autoindustrie in der Krise

Die mächtigsten Automobilkonzerne Deutschlands sollen sich illegal abgesprochen haben. Nun liefern sie sich ein Rennen um die Gunst der Behörden. Das Ende des Kartells hat eine ehemalige Vorständin vorangetrieben.

EU-Kommission und Bundeskartellamt prüfen, ob die Autohersteller gegen das Kartellverbot verstoßen haben. Es drohen Milliardenstrafen. Die Branche, deren Vertreter zu den Vorwürfen bislang schweigen, steht bereits wegen der Abgasaffäre unter Druck. Die Verbraucherzentrale dringt nun darauf, per Gesetz eine Musterklage möglich zu machen, damit mutmaßlich betrogene Kunden nicht einzeln vor Gericht gehen müssen, sondern sich zusammentun können. Das gehöre zu den ersten Aufgaben der künftigen Regierung nach der Bundestagswahl im September, sagte Müller.

Auch EU-Verbraucherschutzkommissarin Vera Jourova hat sich für eine Stärkung der Rechte von Käufern in Europa ausgesprochen. „Der VW-Skandal hat uns eine harte Lektion erteilt“, sagte Jourova der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Als Lehre daraus wolle sie die Möglichkeit europaweiter Sammelklagen einführen. „Ich will, dass die europäischen Verbraucher ihre Kräfte bündeln und ihre Klagen koordinieren können.“

Welche Schadstoffe im Abgas stecken

Stickoxide

Stickoxide (allgemein NOx) gelangen aus Verbrennungsprozessen zunächst meist in Form von Stickstoffmonoxid (NO) in die Atmosphäre. Dort reagieren sie mit dem Luftsauerstoff auch zum giftigeren Stickstoffdioxid (NO2). Die Verbindungen kommen in der Natur selbst nur in Kleinstmengen vor, sie stammen vor allem aus Autos und Kraftwerken. Die Stoffe können Schleimhäute angreifen, zu Atemproblemen oder Augenreizungen führen sowie Herz und Kreislauf beeinträchtigen. Pflanzen werden dreifach geschädigt: NOx sind giftig für Blätter und sie überdüngen und versauern die Böden. Außerdem tragen Stickoxide zur Bildung von Feinstaub und bodennahem Ozon bei.

Kohlenstoffdioxid

Kohlendioxid (CO2) ist in nicht zu großen Mengen unschädlich für den Menschen, aber zugleich das bedeutendste Klimagas und zu 76 Prozent für die menschengemachte Erderwärmung verantwortlich. Der Straßenverkehr verursacht laut Umweltbundesamt rund 17 Prozent aller Treibhausgas-Emissionen in Deutschland – hier spielt CO2 die größte Rolle. Es gibt immer sparsamere Motoren, zugleich aber immer größere Autos und mehr Lkw-Transporte. Außerdem mehren sich Hinweise darauf, dass Autobauer nicht nur bei NOx-, sondern auch bei CO2-Angaben jahrelang getrickst haben könnten.

Schwefeldioxid

Bei der Treibstoff-Verbrennung in vielen Schiffsmotoren fällt auch giftiges Schwefeldioxid (SO2) an. In Autos und Lkws entsteht dieser Schadstoff aber nicht, was am Kraftstoff selbst liegt: Schiffsdiesel ist deutlich weniger raffiniert als etwa Pkw-Diesel oder Heizöl und enthält somit noch chemische Verbindungen, die bei der Verbrennung in Schadstoffe umgewandelt werden.

Feinstaub I

Winzige Feinstaub-Partikel entstehen entweder direkt in Automotoren, Kraftwerken und Industrieanlagen oder indirekt durch Stickoxide und andere Gase. Die Teilchen gelangen in die Lunge und dringen in den Blutkreislauf ein. Sie können Entzündungen der Atemwege hervorrufen, außerdem Thrombosen und Herzstörungen. Der Feinstaub-Ausstoß ist in Deutschland seit Mitte der 1980er Jahre deutlich gesunken. Städte haben Umweltzonen eingerichtet, um ihre Feinstaubwerte zu senken.

Feinstaub II

Feinstaub entsteht aber nicht nur in den Motoren. Auch der Abrieb von Reifen und Bremsen löst sich in feinsten Partikeln. Genauso entstehen im Schienenverkehr bei jedem Anfahren und Bremsen feiner Metallabrieb an den Schienen. All das landet ebenfalls als Feinstaub in der Luft.

Katalysatoren

Katalysatoren haben die Aufgabe, gefährliche Gase zu anderen Stoffen abzubauen. In Autos wandelt der Drei-Wege-Kat giftiges Kohlenmonoxid (CO) mit Hilfe von Sauerstoff zu CO2, längere Kohlenwasserstoffe zu CO2 und Wasser sowie NO und CO zu Stickstoff und CO2 um.

Der sogenannte Oxidations-Kat bei Dieselwagen ermöglicht jedoch nur die ersten beiden Reaktionen, so dass Dieselabgase noch mehr Stickoxide enthalten als Benzinerabgase.

Eingespritzter Harnstoff („AdBlue“) kann das Problem entschärfen: Im Abgasstrom bildet sich so zunächst Ammoniak, der anschließend in Stickstoff und Wasser überführt wird.

Sie arbeite an einer Initiative für das nächste Jahr. „Wenn wir die Möglichkeit von Sammelklagen schaffen, entlastet das auch das Justizsystem. Außerdem stärkt es das verloren gegangene Vertrauen der Europäer in den Rechtsstaat und die Gerechtigkeit.“ Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) hatten am Wochenende gefordert, die Vorwürfe schnell aufzuklären.

Kommentare (40)

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Herr Lung Wong

24.07.2017, 08:54 Uhr

Der deutsche Ökofaschismus hat schon religiös sektiererische Ausmaße angenommen. Was die alliierten Kriegsgewinner noch nicht ganz geschafft haben, die Ausmerzung der deutschen Kultur, erledigen die linken Deutschlandhasser mit ihrer genetischen Willkommenskulturwaffe im Alleingang, während der Rest der Welt die Atmosphäre verpestet.

Herr Holger Narrog

24.07.2017, 08:56 Uhr

Die Autoindustrie ist das Herz der deutschen Wirtschaft. Viele Unternehmen aus anderen Branchen, Chemie, Maschinenbau und Elektrotechnik liefern dieser zu. Eine Schwächung der Autoindustrie hätte einen massiven Wohlstandsverlust in Deutschland und den Nachbarländern zur Folge.

Deutschlands Autoindustrie kann aufgrund der wertvollen Marken, der enormen Wissenskonzentration, der Infrastruktur aus Zulieferern und anderen Branchen noch einige Zeit wettbewerbsfähig sein. Bei einem Zerschlagen dieser Strukturen würden sich diese aufgrund der strukturellen Nachteile, hohe Personal- und Energiekosten kaum mehr erholen.

Das Erlassen unrealistischer Abgaswerte und das durchsichtige Spiel der Autokonzerne zu tun als ob sie diese einhalten, die bereits laufenden Sammelklagen in den USA und jetzt in Europa haben das Potential die Deutsche Autoindustrie signifikant zu schwächen.

Wenn sich Fr. Merkel und ihre roten, schwarzen und grünen Genossen um das Wohl des Landes bemühen würden, würden sie jetzt mit aller Kraft die Hände schützend über der Autoindustrie halten.

Herr Kuno van Oyten

24.07.2017, 09:07 Uhr

@ Herr Lung Wong - 24.07.2017, 08:54 Uhr , Herr Holger Narrog - 24.07.2017, 08:56 Uhr , Ich weiß ja nicht welchen Artikel sie gelesen haben, aber hier geht es um Kartellrechtliche Absprachen und die sind absolut verboten und das ist auch richtig so. Wer für sich moralische Verpflichtungen reklamiert sollte genau hier anfangen. Es geht hier nicht nach dem Prinzip alles was nützt schadet auch nicht. Hier geht es um den Anspruch in der welt fair und offen aufzutreten und nicht zu tricksen und zu betrügen. Die Krönung ist auch noch ihr Selbstverständnis, große Konzerne mit eigenen Rechtabteilungen machen zu lassen und dann die Politik dafür zur Verantwortung zu ziehen.

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