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17.12.2015

11:24 Uhr

Kauf von Acerta

Astra-Zeneca baut seine Krebsforschung aus

VonSiegfried Hofmann

Mit dem Kauf des jungen Biotechunternehmems Acerta erweitert der britische Pharmakonzern Astra-Zeneca sein Portfolio im Bereich der Krebsforschung. Die Konkurrenz hat vorgelegt – Astra-Zeneca aber hat gute Perspektiven.

Der britische Pharmakonzern erweitert seine Forschung im Bereich Krebsmedikamente. ap

AstraZeneca

Der britische Pharmakonzern erweitert seine Forschung im Bereich Krebsmedikamente.

FrankfurtMit einer weiteren milliardenschweren Akquisition will der britische Pharmakonzern Astra-Zeneca seine Forschung im Bereich der Krebsmedikamente ausbauen. Für 2,5 Milliarden Dollar hat er eine Mehrheitsbeteiligung von 55 Prozent an dem jungen und noch privaten niederländischen Biotechunternehmen Acerta erworben. Weitere 1,5 Milliarden Dollar wird er bis spätestens 2018 an die bisherigen Eigner von Acerta zahlen.

Zudem erwirbt er eine Option für den Kauf der restlichen Anteile zum Preis von drei Milliarden Dollar. Die Gesamtbewertung für die erst 2012 gegründete Acerta bewegt sich damit bei sieben Milliarden Dollar. Noch nie ist bislang eine so hohe Summe für ein kleines europäisches Biotechunternehmen ohne zugelassene Produkte bezahlt worden.

Der Grund für die ansehnliche Bewertung: Acerta ist mit einem erfolgversprechenden Produktkandidaten auf einem Gebiet unterwegs, in dem Astra-Zeneca bisher noch kaum vertreten ist – das sich wissenschaftlich aber besonders stark in Bewegung befindet: Die Therapie von Leukämien, in diesem Fall vor allem der chronisch lymphatischen Leukämie (CLL).

Sie gilt als die häufigste Form von Blutkrebs und ist gekennzeichnet durch eine unkontrollierte Vermehrung von B-Lymphozyten, einer bestimmten Art von Immunzellen. Im Schnitt erkranken jährlich etwa vier von 100.000 Menschen an dieser Form von Leukämie – vor allem ältere Personen sind betroffen. Zur Behandlung wurden bisher primär bestimmte Chemotherapeutika in Kombination mit dem Antikörper-Wirkstoff Rituxan eingesetzt, den der Schweizer Konzern Roche produziert. Allerdings zeichnet sich inzwischen durch eine Reihe von neueren, zielgerichteten Wirkstoffen ein Umbruch in dem Bereich ab.

Auch Astra-Zeneca hofft offenbar, dabei mitzumischen. Das Hauptprodukt von Acerta ist ein Wirkstoff, der das Signalmolekül Bruton-Thyrosinkinase (BTK) blockiert und auf diese Weise das Wachstum der entarteten Blutzellen bremst. Ein ähnlicher BTK-Blocker ist bereits seit zwei Jahren in Gestalt des von der US-Firma Pharmacyclics entwickelten Medikaments Imbruvica auf dem Markt und sorgt für einige Furore im CLL-Bereich.

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Manche Ärzte gehen davon aus, dass BTK-Inhibitoren wie Imbruvica in Kombination mit weiteren neuen Substanzen die CLL-Therapie revolutionieren und diese Leukämieform zu einer chronischen Krankheit wandeln könnten. Der Kölner Onkologe Michael Hallek etwa sieht bereits erste „Signale für das Ende der CLL“.

Welches wirtschaftliche Potenzial in dem BTK-Inhibitor Imbruvica vermutet wird, zeigt die Tatsache, dass der US-Pharmakonzern Abbvie Anfang des Jahres rund 21 Milliarden Dollar investierte, um Pharmacyclics zu übernehmen – und das, obwohl Pharmacyclics die Vertriebsrechte für das Produkt überwiegend bereits an den US-Konzern Johnson & Johnson vergeben hatte. Analysten sehen nach Daten von Evaluate Pharma für das Medikament ein Umsatzpotenzial von fünf bis sechs Milliarden Dollar im Jahr 2020. Grundlage dafür ist unter anderem die Erwartung, dass der Wirkstoff auch gegen andere Krebsarten wirksam sein könnte.

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