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05.01.2007

09:05 Uhr

Kaufofferte

UCB hält 87 Prozent an Schwarz Pharma

Nur noch knapp acht Prozent der Anteile fehlen der UCB, um Kleinaktionäre von Schwarz Pharma in einem Squeeze-Out-Verfahren aus dem Unternehmen zu drängen. Das beflügelt die Fantasie der Anleger: Der Aktienkurs von Schwarz Pharma liegt mittlerweile über dem Angebotspreis der UCB. Für den Kursanstieg gibt es aber noch einen Grund.

sgr DÜSSELDORF. Der belgische Biopharmakonzern UCB hält nach Ablauf der zweiten Annahmefrist für seine Kaufofferte 87,62 Prozent am Monheimer Pharmaunternehmen Schwarz Pharma. UCB hat den Aktionären von Schwarz Pharma 50 Euro in bar und 0,8735 neue UCB-Aktien angeboten. Bei einem UCB-Kurs von zuletzt 52,20 Euro wird damit ein Anteil von Schwarz Pharma mit 95,50 Euro bewertet. Tatsächlich wurden am Donnerstag mehr als 101 Euro für ein Schwarz-Pharma-Papier an der Börse bezahlt.

Dafür gibt es zwei Erklärungen: Einige Aktionäre spekulieren offenbar auf ein noch höheres Angebot, wenn UCB die vollständige Kontrolle übernehmen und Kleinaktionäre per Barabfindung aus dem Unternehmen drängen will (Squeeze-out). Dazu fehlen UCB aber noch knapp acht Prozent der Anteile, um mit einer Kontrolle von mindestens 95 Prozent dieses Verfahren betreiben zu können. Die Belgier hatten sich allerdings nicht auf eine Mindestquote festgelegt.

Zum anderen berichtete Schwarz Pharma selbst von neuen positiven Studienergebnissen über das Parkinsonpflaster „Neupro“ mit dem Wirkstoff Rotigone. Das bezeichnete ein Analyst jedoch als „ein Nonevent“: Das Mittel sei bereits in Europa zugelassen, daher wäre nur ein gegenteiliges Testergebnis überraschend gewesen.

An der von Schwarz Pharma in Auftrag gegebenen Phase-III-Studie nahmen 277 Patienten in den USA und Kanada teil. Nach Aussagen des Unternehmens ist mit einer Zulassung der US-Gesundheitsbehörde für Neupro für die Behandlung im frühenStadium von Parkinson in der ersten Jahreshälfte zu rechnen. In der EU ist Neupro für diese Anwendung bereits zugelassen und wird zudem schon in Deutschland, Großbritannien und Österreich vermarktet. Das Pflaster ist mit erwarteten Spitzenerlösen von 350 Mill. Euro im Jahr einer der größten Hoffnungsträger des Monheimer Unternehmens.

Der größte Anteil der UCB im Rahmen des Übernahmeangebots angedienten Aktien stammt von der Gründerfamilie Schwarz-Schütte, die ihre 59 Prozent noch im vergangenen Jahr abgegeben hatte. Im Gegenzug hat die Familie in Aussicht gestellt, sich mit 13 Prozent an UCB zu beteiligen. Von den beiden anderen größeren Investorengruppen Schroders und Capital Research, die zusammen 7,9 Prozent besaßen, ist bekannt, dass die US-Investmentgesellschaft Capital sich inzwischen ebenfalls vollständig von ihrem Anteil an Schwarz Pharma getrennt hat.

Nach der Übernahme durch die Belgier hat mit dem Jahreswechsel auch der Vorstandsvorsitzende von Schwarz Pharma, Patrick Schwarz-Schütte, sein Amt offiziell niedergelegt. Er soll in den Verwaltungsrat von UCB wechseln. Für ihn rückte am 1. Januar der bisherige Finanzchef Detlef Thielgen auf den Chefposten bei den Monheimern vor. Thielgen sitzt seit Jahresbeginn auch im Vorstand von UCB.

Gemeinsam kommen UCB und Schwarz Pharma auf einen Jahresumsatz von 3,3 Mrd. Euro und verfügen über ein Forschungsbudget von 770 Mill. Euro. Mit 2,3 Mrd. Euro Umsatz und 8 300 Mitarbeitern ist UCB mehr als doppelt so groß wie der deutsche Konkurrent, der zuletzt 990 Mill. Euro umsetzte. UCB hat sich auf Mittel gegen Allergien, Erkrankungen des zentralen Nervensystems, Atemwegsbeschwerden und Krebs spezialisiert. Schwarz Pharma entwickelt Medikamente zur Therapie von Erkrankungen des zentralen Nerven-Systems.

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