Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.02.2016

07:12 Uhr

Kaufprämie für Elektroautos

Eine Spende für die Oberklasse

VonLukas Bay

Die deutschen Autobosse reisen nach Berlin, um bei Kanzlerin Merkel zu werben: Bis zu 5000 Euro Bonus sollen Käufer eines Elektroautos bekommen. Damit könnten am Ende Oberklasse-Modelle subventioniert werden.

Riesen-SUVs wie der Audi Q7 e-tron könnten in den Genuss einer Elektroprämie kommen. AFP

Ein Bonus für den Audi-Fahrer

Riesen-SUVs wie der Audi Q7 e-tron könnten in den Genuss einer Elektroprämie kommen.

DüsseldorfEine Kaufprämie für Elektroautos scheint auf den ersten Blick überfällig. Das Vorhaben der Bundesregierung, bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf die Straße zu bringen, scheint ohne zusätzliche Anreize kaum noch erreichbar zu sein. Im vergangenen Jahr wurden erneut gerade einmal 12.300 echte Elektroautos in Deutschland zugelassen. Elektroautos sind selten, Ladestationen noch seltener. Die Energiewende auf deutschen Straßen ist bisher nicht mehr als ein Wunschtraum. In Ländern wie Norwegen, in denen Käufer einen Bonus erhalten, verkaufen sich Elektroautos deutlich besser.

Darum scheint der kleine Elektrogipfel, der an diesem Dienstag in Berlin stattfinden soll, eine geradezu historische Chance für eine deutsche Elektrooffensive zu sein. Die mächtigen Autobosse Matthias Müller (VW), Dieter Zetsche (Daimler) und Harald Krüger (BMW) werben bei Kanzlerin Angela Merkel für eine Kaufprämie. Rückendeckung geben Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und seine bayerische Amtskollegin Ilse Aigner. Bis zu 5000 Euro sollen für jedes verkaufte Elektroauto fließen, heißt es.

Doch die Kanzlerin sollte genau hinschauen, was die Autobosse ihr vorlegen. Sonst könnte aus der Prämie am Ende nur eine weitere versteckte Subvention für deutsche Oberklassemodelle werden.

Beliebteste Autoklassen bei Privatkäufern

Kompaktklasse nur noch knapp vor SUV

Wer sein Auto selbst zahlt, kauft besonders gern ein SUV. Rund jeder vierte auf eine Privatperson zugelassene Neuwagen war 2015 einer der modischen Crossover. Der Kompaktklasse – seit Jahrzehnten Spitzenreiter in der Beliebtheit – droht Rang zwei. Eine Übersicht der beliebtesten Pkw-Segmente bei privaten Neuwagenkäufern ....

Rang 6

Die Mittelklasse – im Gesamtmarkt immerhin auf Rang vier der beliebtesten Klasse – kommt bei den Privatkunden erst auf Platz sechs. Gerade mal 18,9 Prozent der Halter im Segment von VW Passat und Co. sind natürliche Personen aus Fleisch und Blut. Geringer ist die Quote nur in der oberen Mittelklasse (17,3 Prozent) und in der Oberklasse (13,8 Prozent).

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr rund 1,1 Millionen Neuwagen auf Privatpersonen zugelassen. Das entspricht einem Anteil von 34,2 Prozent am Gesamtmarkt von 3,2 Millionen Pkw.

Rang 5

Vans fand 2015 genau 84.631 Privatkunden: Bei den prototypischen Familienautos hätte man vielleicht einen höheren Privatkundenanteil als mäßige 32 Prozent erwarten können. Aber für junge Familien sind die praktischen Pampers-Bomber als Neuwagen häufig zu teuer, sind die Kinder größer und die Festgeldkonten voller, fährt man häufig lieber Limousine oder SUV als einen klobigen Van.

Ein einziges Modell fällt aus dem Rahmen: der sehr günstige Dacia Lodgy (ab 9.990 Euro) mit fast 80 Prozent Privatkunden – was die oben aufgeführte These letztlich stützt.

Rang 4

Kleinstwagen mit 89.317 Privatkunden: Lediglich jeder dritte Kleinstwagenkäufer bestellt das Fahrzeug auf eigene Rechnung. Größer ist der Anteil bei den besonders preisgünstigen Modellen.

So lassen beispielsweise rund 70 Prozent der Käufer eines Suzuki Celerio (zurzeit ab 9.690 Euro, 2015 zwischenzeitlich aber auch mal unter 7.000 Euro) das Fahrzeug privat zu.

Bei teureren Lifestyle-Modellen wie dem Fiat 500 oder dem Opel Adam ist das Verhältnis umgedreht.

Rang 3

Kleinwagen, 208.053 Privatkunden: Die Kleinwagen-Klasse ist ein typisches Privatkundensegment. Als Dienstwagen-Bonbon für das mittlere Management tendenziell zu klein, als Arbeitsgerät für Pizza-Kuriere tendenziell zu groß. Resultat ist ein weit überdurchschnittlicher Privatkundenanteil von 44 Prozent.

Rang 2

SUV, mit 253.186 Privatkunden in 2015: Während die SUV im Gesamtmarkt noch knapp eine Viertelmillion Neuzulassungen hinter der Kompaktklasse liegen, haben die Crossover auf dem privaten Markt schon ziemlich aufgeholt.

Der Privatkäuferanteil von 42 Prozent ist in der Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) der höchste hinter Wohnmobilen (64 Prozent) und Kleinwagen (44 Prozent).

Rang 1

Kompaktklasse (292.597 Privatkunden): Immer noch das populärste Fahrzeugsegment der Deutschen, auf dem Privatkundenmarkt aber zunehmend unter Druck (siehe Rang zwei). Rund 65 Prozent der 2015 neu zugelassenen Fahrzeuge sind auf eine Firma angemeldet.

Vor allem die deutschen Hersteller engagieren sich stark im Flottenmarkt, beim VW Golf geht nicht einmal jedes dritte Auto an eine Privatperson.

Denn bisher fehlen der deutschen Autoindustrie schlicht Modelle, die überhaupt einen Durchbruch des Elektroantriebs im Volumensegment möglich machen. Elektroautos aus Deutschland sind immer noch zu teuer, ihre Reichweite zu gering. Während GM mit dem Bolt und Tesla mit dem Model 3 bereits neue Autos für den elektrischen Massenmarkt angekündigt haben, wartet man noch vergeblich auf eine deutsche Antwort.

„Die Automobil-Industrie hat 29 verschiedene Elektrofahrzeuge im Angebot und damit ihren Beitrag geleistet“, behauptet zwar Daimler-Chef Dieter Zetsche. Dabei bietet Daimler derzeit genau ein Elektromodell an: Die elektrische B-Klasse. Wie viele Exemplare davon im vergangenen Jahr verkauft wurden, will man in der Daimler-Pressestelle lieber nicht verraten. Es dürften nicht allzu viele sein. Denn die elektrische B-Klasse ist satte 14.000 Euro teurer als der vergleichbare Verbrenner. Die Produktion des elektrischen Smarts wurde mit dem Modellwechsel vorübergehend ganz eingestellt. Erst Ende 2016 soll die Neuauflage kommen. Preis und Reichweite: unbekannt.

Konkurrent BMW ist da schon einen Schritt weiter. Mit BMWi haben die Münchener immerhin eine eigene elektrische Submarke aufgebaut. Doch auch BMW hat mit dem i3 bisher nur ein vollelektrisches Modell im Angebot. Ein Modell, das mit 160 Kilometern rein elektrischer Reichweite und einem Preis ab 35.000 Euro bisher eher ein Ladenhüter ist. Nach dem ernüchternden Start haben es die Münchener zumindest nicht eilig, ihre elektrische Modellpalette auszubauen.

Und auch bei Deutschlands größtem Autobauer VW sieht das Angebot nicht viel besser aus. Die elektrischen Hoffnungsträger, die der Konzern bis 2018 angekündigt hat, sind vor allem Oberklassemodelle. Da ist zum einen der Audi Q6 E-tron, ein Riesen-SUV mit gleich zwei Elektromotoren und der Porsche Mission E, ein elektrischer Sportwagen mit rund 600 PS. Der Budd-E, ein elektrischer Kleinbus, den VW zuletzt auf der CES in Las Vegas zeigte, könnte erst ab 2019 in Serie gehen – wenn überhaupt.

Mit dem Golf und dem Up haben die Wolfsburger zwar zwei Volumenmodelle elektrifiziert. Doch mit dem Preisschild hält man die Kunden bisher erfolgreich vom Kauf ab. Beim Golf ist der Einstiegspreis der elektrischen Variante mit 34.900 Euro gleich doppelt so hoch, beim Up verlangt VW fast den dreifachen Preis für den elektrischen Antrieb. Entsprechend gering sind die Zulassungszahlen. Da helfen auch 5000 Euro Bonus wenig. Warum fordern die deutschen Autobosse dann eine Kaufprämie?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×