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02.05.2016

16:45 Uhr

Kaufprämie kommt – und nun?

Wie ich einmal ein Elektroauto kaufen wollte

VonLukas Bay

Die Kaufprämie ist beschlossene Sache. Doch wie einfach ist es eigentlich, in einem ganz gewöhnlichen Autohaus an einem ganz gewöhnlichen Samstag ein Elektroauto zu kaufen? Ein Selbstversuch.

KrefeldIch bin in Deutschland ein Exot, denn ich wäre gerne Elektroautofahrer. Seit ich mal testweise am Steuer des Model S saß, warte ich auf ein bezahlbares Elektroauto. Ich hätte mich sogar in die langen Schlangen vor dem Tesla-Store eingereiht, und hätte ein Model 3 bestellt, wäre da nicht diese lange Wartezeit. Mindestens zwei Jahre müssen Käufer auf das Mittelklassemodell der Kalifornier warten. Das dauert mir zu lange. Ich will schneller elektrisch fahren.

In Deutschland sollte das kein Problem sein. Der Staat gibt bis zu 4000 Euro Kaufprämie für Elektroautos. Und immerhin, so wirbt der Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA), stehe „den Kunden in keinem anderen Land eine solche segmentübergreifende Vielfalt der Elektrofahrzeuge zur Auswahl“. Ganze 29 verschiedene Elektromodelle könne die deutsche Autoindustrie heute schon anbieten. Eines davon will ich mir ansehen, an einem ganz gewöhnlichen Samstag in einer ganz gewöhnlichen deutschen Großstadt. Wir wollen unser Elektroauto in Krefeld kaufen, einer Stadt mit immerhin 200.000 Einwohnern. Keine Metropole, aber auch nicht Provinz.

Die erste Station: Der größte VW-Händler der Stadt. Immerhin hat Konzernchef Matthias Müller versprochen, das Elektroauto zum neuen Markenzeichen des Konzerns zu machen. Hier sollten wir fündig werden.

Schon auf den Parkplatz muss ich mich vorkämpfen. Denn ganz so gewöhnlich wie erhofft ist dieser Samstag nicht. Der Händler hat zum „Volkswagen-Fest“ geladen – und viele, viele sind gekommen. Es gibt Freibier und Waffeln. Die Parkplatzsuche ist schwierig. Ich entdecke einen freien Stellplatz. Doch zwei Einweiser passen auf: „Nur für Elektrofahrzeuge“. Auf dem Stellplatz daneben steht bereits ein Elektro-Golf, breitflächig bedruckt mit der Werbung des Autohauses („Ich stehe unter Strom“). Wie gerne würde ich jetzt auch schon zu diesen privilegierten Elektroauto-Fahrern gehören.

Denn die Parkplatzsuche erweist sich als schwieriger als zunächst angenommen. Nach 15 Minuten gebe ich auf. Zum Glück gibt es einen weiteren VW-Händler in der Stadt. Wir kommen später wieder.

Beim nächsten VW-Händler finde ich sofort einen Parkplatz, obwohl auch hier „Volkswagen-Fest“ gefeiert wird. Im Verkaufsraum stehen die Kunden in einer langen Schlange an. Allerdings nicht, um ein Auto vorzubestellen: am Ende der Schlange gibt es Gratis-Pasta.

Ich schaue mich suchend um. An einer Ecke des Autohauses wirbt VW in hellblau: „Die Zukunft gewinnt an Fahrt“. Wo wohl normalerweise ein Elektroauto steht, wird heute der Tiguan beworben, ein SUV. Zum Volkswagen-Fest wird er zum Sonderpreis verkauft – und ist damit etwa 10.000 Euro günstiger als der Elektro-Golf.

Die Suche nach einem Elektroauto entpuppt sich als schwierig. Das „Volkswagen-Fest“ fühlt sich an wie eine Party, auf die man nicht eingeladen wurde. Die Verkäufer begrüßen ihre Stammkunden („Grüß dich, Jupp“) oder stehen in kleinen Grüppchen zusammen, flachsen, trinken Cola aus Plastikbechern. Ich spreche einen Verkäufer an. Könnte ich mir den Elektro-Golf mal ansehen? „Leider nicht“, sagt er. Man habe einen zugelassen, aber der sei heute auf einer anderen Veranstaltung. „Kommen Sie doch nächste Woche wieder.“

Auf einem Stehtisch finde ich eine Pappbrille: „Jetzt Volkswagen in Virtual Reality erleben“. Na immerhin kann man damit einen kurzen Blick auf den Elektro-Golf werfen. Auf dem Weg nach draußen fülle ich noch eine Karte für ein Gewinnspiel aus. Mit etwas Glück gewinne ich einen Tiguan.

Kommentare (26)

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Account gelöscht!

02.05.2016, 16:54 Uhr

Egal, ob Prämie oder nicht. Selbst geschenkt würde ich mir niemals so ein komisches E- bzw. Hybrid-Ding in die Garage stellen. Wenn ich eine Schmusekatze haben will, dann beschäftige ich mich mit meiner jungen Verlobten.

Herr Marc Otto

02.05.2016, 17:01 Uhr

 Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

Rainer von Horn

02.05.2016, 17:11 Uhr

Gestern wurde bei "auto, motor, sport" bei VOX ein Volvo SUV Hybrid vorgestellt. Gegenüber dem reinen Diesel ist der Hybrid 14.000 Euro teurer. Dann hat man die Reichweite bei reinem E-Betrieb getestet: 20 KM (20!! :-), ;-))
Leider wurde nicht verraten, wie viele KWh des mächtig billigen EEG-Stroms der Bolide auf die 20 KM verbraucht hat. Ehrlich gesagt, will ich´s auch gar nicht wissen, liebe starte ich meinen V8-Biturbodiesel und fahre heim . ;-D

So was kommt raus, wenn weltfremde Politdarsteller versuchen, Industriepolitik zu machen.

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