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21.01.2005

16:50 Uhr

Kaufpreis mehr als eine halbe Milliarde Dollar

Pfizer schluckt Angiosyn

Der weltgrößte Pharmakonzern Pfizer übernimmt das US-Biotechunternehmen Angiosyn und zahlt dafür mehr als eine halbe Milliarde Dollar.

HB NEW YORK. Zu der Vorauszahlung von 527 Mill. Dollar für Angiosyn kämen noch Beteiligungen an künftigen Erlösen, teilte das im kalifornischen La Jolla ansässige Biotechunternehmen in der Nacht zum Freitag mit. Mit dem Zukauf erweitert Pfizer sein Forschungsstandbein im Bereich Augenheilkunde. Angiosyn verfügt über eine Substanz, mit der Augenerkrankungen wie die so genannte Makuladegeneration behandelt werden sollen. Dies ist eine Sehstörung, die durch zunehmende Beeinträchtigung des scharfen Sehens gekennzeichnet ist.

Die Zahlung des vollen Kaufpreises ist unter anderem davon abhängig, dass bei einem Behandlungsgebiet in der Augenheilkunde die Entwicklung bis hin zur kommerziellen Verwertung erfolgreich abgeschlossen wird. Die Transaktion soll noch im ersten Quartal unter Dach und Fach gebracht werden. Angiosyn war 2003 aus dem Scripps Research Institute hervorgegangen. Zu den Risikokapitalgebern gehörte damals die Firma Alta Partners.

An dem Preisnachlass für einige der mit dem Pfizer-Cholesterinsenker Sortis behandelte Patientengruppen hält Pfizer zudem trotz öffentlicher Kritik fest. „Das Programm stammt aus der Not heraus, weil Patienten eine notwendige Therapie nicht mehr bekommen“, sagte der Chef von Pfizer Deutschland, Walter Köbele, am Freitag in Berlin. Es gehe dabei aber nicht um ein „Kundenbindungsprogramm“. Entgegen kritischen Äußerungen aus der Politik sei zudem der Datenschutz gewährleistet. Die persönlichen Daten würden nur für die Erstattungsaktion genutzt. Auch müsse eine Einverständniserklärung des Patienten vorliegen.

Für seinen Cholesterinsenker Sortis gewährt Pfizer Sozialhilfeempfängern sowie gesetzlich Versicherten, die die Höchstbelastungsgrenze von zwei Prozent des Bruttoeinkommens bei den Zuzahlungen erreicht haben, einen Preisnachlass. Pfizer bezahlt ihnen die Differenz zwischen dem Festbetrag und dem tatsächlichen Preis. Hintergrund ist, dass Sortis nach einer Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses von Ärzten und Kassen zu Jahresbeginn in eine Festbetragsgruppe eingestuft worden ist. Die Kassen übernehmen die Kosten nur noch bis zu der Obergrenze.

Köbele sagte, bei dem Erstattungsprogramm gehe es vor allem darum, dass auf Sortis angewiesene Patienten, die sich das Medikament nicht leisten könnten, weiterhin nicht darauf verzichten müssten. Bisher hätten 380 Patienten einen entsprechenden Antrag gestellt. Köbele geht nach eigenen Worten davon aus, dass von der Aktion zwischen 150 000 und 200 000 Sortis-Patienten Gebrauch machen werden. Insgesamt wurden bisher 1,5 Mill. gesetzlich Versicherte mit Sortis behandelt. Sie würden nun zu einem großen Teil umgestellt und erhielten dadurch eine schlechtere Versorgungsqualität, sagte Köbele.

Der Medizinische Direktor von Pfizer Deutschland, Friedemann Schwegler, bekräftigte anhand von Studien die Ansicht des Unternehmens, dass Sortis anderen Blutfettsenkern deutlich überlegen sei. „Wo Sortis anfängt, hören die anderen auf.“

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