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05.06.2014

12:20 Uhr

Kaum Bestellungen für Boeing-Flugzeug

Superjumbo 747 ist nur noch für Obama gut genug

Boeings Kassenschlager 747 verkauft sich immer schlechter. Der Flugzeugbauer macht sich mit der 777X selbst Konkurrenz. Immerhin kann Boeing auf einen letzten Kunden hoffen: US-Präsident Barack Obama.

Die Air Force One: Die US-Regierung könnte der letzte Käufer der Boeing 747 werden. Imago

Die Air Force One: Die US-Regierung könnte der letzte Käufer der Boeing 747 werden.

WashingtonEine Ikone der jüngeren Luftfahrtgeschichte befindet sich im Sinkflug. Denn die letzten Jahre der Boeing 747 sind offenbar angebrochen. Sicheres Zeichen für das nahende Ende: Die US-Regierung ist mit einem Auftrag zur Modernisierung der Flotte der Air Force One für den Präsidenten noch der wahrscheinlichste - und möglicherweise letzte - potenzielle Kunde für den noch immer gewaltigen Jumbo-Jet.

Das Modell, konzipiert in den 60er Jahren, ist mittlerweile nicht mehr ausreichend auf die Bedürfnisse der meisten kommerziellen Fluggesellschaften zugeschnitten. Boeing spricht zwar noch mit Emirates über einen Auftrag für die modernisierte Version der 747-8, aber die Airline selbst hatte eine Bestellung zuletzt nach einem Großauftrag über 150 Stück der Boeing 777X für wenig wahrscheinlich erklärt.

Diese Version des Boeing-Jets wird nochmals größer und effektiver sein als die aktuelle Langstreckenmaschine 777. Der größte Konkurrent für den modernisierten Jumbo mit seinen vier Triebwerken ist damit zweimotorig und mindert mit seiner hohen Effizienz die Verkaufschancen der 747.

Das sind Boeings beste Kunden

Platz 10 – ALC

Die Top Ten der Boeing-Kunden 2013 wird eröffnet vom Leasingunternehmen ALC. Die Firma orderte 52 Maschinen verschiedener Typen: 737, 777 und 787 Dreamliner.

Quelle: Boeing, Bestellungen und Optionen im Jahr 2013

Platz 9 – Gecas

Gecas ist die Flugzeugleasing-Sparte von General Electric (GE) – und gut mit Boeing im Geschäft. 2013 orderte das Unternehmen 54 Flugzeuge. Darunter sind 10 Dreamliner, die restlichen 44 Maschinen verteilen sich auf die 737-Typen.

Platz 8 – Southwest Airlines

Die Mittelstrecke ist das Terrain der US-Airline. Infolgedessen bestellte Southwest 55 Maschinen der 737, darunter hauptsächlich die spritsparende Max-Variante.

Platz 7 – Etihad

Air-Berlin-Retter Etihad griff im November bei Boeing zu und orderte 56 Maschinen. Groß und lang – so lässt sich die Bestellung zusammenfassen: 30 Mal 787-10, 26 Mal 777.

Platz 6 – Tui Travel

Der Tourismuskonzern macht seine Flotte fit. Die Bestellung: 60 Stück der 737-Max und 2 Stück der 787-8.

Platz 4 – Westjet

Der kanadische Billigflieger leistete sich 75 neue Flugzeuge. Auch bei Westjet steht der spritsparende 737-Max hoch im Kurs. 65 Stück davon orderten die Kanadier, dazu kommen 10 Exemplare der 737-800.

Platz 4 – Turkish Airlines

75 US-Maschinen gehen bald in die Türkei: Die Turkish Airlines kaufte groß bei Boeing ein und bestellte 50 spritsparende 737-Max, 20 Stück der „normalen“ 737-800 und 5 Exemplare der 777-300ER.

Platz 3 – Flydubai

Der arabische Billigflieger ist auf dem Vormarsch: Flydubai hat 2013 insgesamt 86 Flugzeuge – 75 Stück der 737-Max und 11 Exemplare der 737-800.

Platz 2 – American Airlines

Die fusionierte „neue American“, die sich aus American Airlines und US Airways gebildet hat, ist zweitgrößter Kunde von Boeing. 143 Maschinen wurden insgesamt bestellt – allein 100 davon sind 737-Max.

Platz 1 – Ryanair

Der irische Billigflieger bestellte auf einen Schlag 175 Stück des Mittelstreckenjets 737-800 bei Boeing.

Wo es Emirates wirklich auf die schiere Größe ankommt, wird der noch riesigere Doppelstock-Airbus A380 so großzügig eingesetzt wie weltweit nirgendwo sonst. Emirates ist mit Abstand größter Betreiber des Jumbos des Boeing-Konkurrenten Airbus.

Derzeit werden von der 747-8 nicht mehr als 1,5 Stück im Monat gebaut. Die Chancen, neues Präsidentenshuttle zu sein, stehen gut, aber selbst für die jüngste Frachtversion des nahezu 50 Jahre alten Modells mit dem charakteristischen Höcker gibt es immer weniger Interessenten.

„Mit der neuen Air Force One wird es das gewesen sein – es sei denn, es geschieht noch ein Wunder im Markt für Luftfracht“, schätzt Glen Langdon von Langdon Asset Management aus San Francisco. Sein Unternehmen hat in den letzten Jahren zahlreiche gebrauchte 747 und andere große Frachtmaschinen verkauft.

Boeing kämpft weiterhin um Kunden für die 747-8 und nimmt sogar gebrauchte Exemplare für Neuaufträge in Zahlung. Einem internen Boeing-Papier zufolge steht finanziell viel auf dem Spiel, wenn die hohen Entwicklungskosten nicht durch neue Orders für die Maschine abgedeckt werden. Boeing hat für die neue Passagierversion, die 747-8I (für Intercontinental), seit dem Erstkunden Lufthansa im Jahr 2006 nur 51 Bestellungen erhalten. In diesem Jahr gab es für die 747-8 gar nur eine einzige feste Bestellung. Das war allerdings nicht immer so.

Kommentare (4)

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05.06.2014, 13:01 Uhr

Die 747-8 mag sich vielleicht nicht gut verkaufen. Eines bleibt jedoch sicher: sie ist das mit Abstand schönste und elegantestes Verkehrsflugzeug, was derzeit so am Himmel herumfliegt. Im Vergleich zum A380 eine Wohltat für die Augen...

Account gelöscht!

05.06.2014, 13:27 Uhr

Die Schönheit eines Flugzeugs liegt, wie bei vielen anderen Dingen auch, im Auge des Betrachters! ;)

Account gelöscht!

05.06.2014, 13:40 Uhr

Sie haben Recht. Vielleicht ist der A380 effizienter und je nach Auslegung haben mehr Passagiere Platz, aber die Boeing 747 ist ein Augenfang und ein Klassiker. Es gibt keinen Airbus der dieses jemals ersetzen kann. Allgemein sind Boeing Flugzeuge vom Aussehen wesentlich attraktiever als Airbus Flugzeuge. MfG. Ex 727 "Driver"

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