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13.08.2013

08:34 Uhr

Keine Hilfe für Thyssen-Krupp

Kraft gibt der RAG-Stiftung einen Korb

ExklusivNordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ist gegen eine Beteiligung der RAG-Stiftung am angeschlagenen Konzern Thyssen-Krupp. Derweil gerät der Verkauf verlustreicher Stahlwerke angeblich ins Stocken.

Stahlkonzern in der Krise

ThyssenKrupp schmiedet Rettungspläne

Stahlkonzern in der Krise: ThyssenKrupp schmiedet Rettungspläne

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DüsseldorfDer geplante Einstieg der RAG-Stiftung bei dem Industriekonzern Thyssen-Krupp stößt bei der Landesregierung in Nordrhein-Westfalen auf Ablehnung. Schon als Werner Müller, Chef der RAG-Stiftung, im Frühjahr bei Ministerpräsidentin Hannelore Kraft bei einem informellen Treffen nachfragte, wie sie zu einer solchen Transaktion stehen würde, erhielt er eine Abfuhr, wie das Handelsblatt (Dienstagausgabe) aus Kreisen der Landesregierung erfuhr. Kraft habe Müller deutlich gemacht, dass sie keinen Nutzen in einem solchen Schritt sähe. Die SPD-Politikerin wolle zudem nicht, dass Müller seine Macht im Ruhrgebiet ausbaut.

Kraft hat bei dem Deal ein gewichtiges Wort mitzureden, nicht nur, weil sie im Kuratorium der RAG-Stiftung sitzt. Thyssen-Krupp ist einer der größten Arbeitgeber in Nordrhein-Westfalen und daher traditionell Chefsache für NRW-Ministerpräsidenten. Auch bei der Krupp-Stiftung, mit 25,3 Prozent der größte Einzelaktionär des Ruhrkonzerns, hat Kraft einen Sitz im Kuratorium.

Die größten Baustellen von Thyssen-Krupp

Einleitung

Im Geschäftsjahr 2012/13 fuhr Thyssen-Krupp das dritte Mal in Folge einen Nettoverlust ein. Mit einem Fehlbetrag von 1,5 Milliarden Euro fiel dieser zwar niedriger aus als die fünf Milliarden Euro Miese im Jahr zuvor. Die Aktionäre müssen jedoch erneut auf eine Dividende verzichten. Das könnte auch im neuen Geschäftsjahr 2013/14 der Fall sein. Thyssen-Krupp will zwar operativ zulegen, für einen Nettogewinn könnte es aber erneut nicht reichen. Zudem schwächelt nicht nur die amerikanische Stahlsparte, sondern auch das Geschäft mit dem Werkstoff in Europa und mit Teilen für die Automobilindustrie.

Ertragsschwäche

Thyssen-Krupp fuhr im Geschäftsjahr 2011/12 einen Nettoverlust von fast fünf Milliarden Euro ein. In den ersten neun Monaten des Ende September abgelaufenen Geschäftsjahres 2012/13 waren es rund 1,2 Milliarden Euro. Analysten zufolge schwächelt nicht nur die amerikanische Stahlsparte. Auch das europäische Stahlgeschäft, der Großanlagenbau, der Verkauf von Autoteilen und die Aufzugssparte hätten im Geschäftsjahr weniger verdient. Der Handel mit Werkstoffen und das Dienstleistungsgeschäft habe hingegen zugelegt.

Stellenabbau

Für Unruhe im Konzern sorgen auch die Pläne zum Abbau tausender Arbeitsplätze. In der Verwaltung sollen 3000 Jobs wegfallen. In der Stahlsparte will Thyssen-Krupp 2000 Arbeitsplätze abbauen. Weitere 1800 Stellen könnten durch Beteiligungsverkäufe aus dem Konzern fallen. „Wir bügeln damit auch die Managementfehler der Vergangenheit aus“, hatte Konzernbetriebsratschef Wilhelm Segerath in einem Reuters-Interview gesagt. Thyssen-Krupp will damit die Kosten um 500 Millionen Euro senken. Die Summe ist Teil der insgesamt geplanten Einsparungen des Konzerns bis 2014/15 von nun 2,3 Milliarden Euro. Das Unternehmen beschäftigt rund 156.000 Mitarbeiter, davon etwa 58.000 in Deutschland. Ein weiterer Stellenabbau ist nach den Worten von Personalvorstand Oliver Burkhard derzeit nicht geplant.

Fehlinvestitionen in Übersee

Nach einer langen Hängepartie konnte Thyssen-Krupp das Weiterverarbeitungswerk in den USA verkaufen. Das verlustreiche Rohstahlwerk in Brasilien hängt dem Konzern immer noch wie ein Klotz am Bein. Thyssen-Krupp muss neue Abnehmer für den Werkstoff in Nord- und Südamerika finden, da das US-Werk künftig weniger abnimmt. Die Kosten für beide Werke waren auf fast 13 Milliarden Euro explodiert, mehr als acht Milliarden entfielen auf Brasilien. Das US-Werk bleibt bis zu der erhofften Freigabe des Deals durch die Regulierungsbehörden noch für Monate in den Büchern. Thyssen-Krupp erwartet in der Sparte weitere Verluste - wenn auch niedrigere als bislang.

Schulden

Dem Konzern sitzen die Ratingagenturen im Nacken. Thyssen-Krupp drücken Schulden von fünf Milliarden Euro. Das Eigenkapital schmolz zwischenzeitlich von 4,5 Milliarden auf 2,5 Milliarden Euro zusammen, durch eine im Dezember 2013 durchgezogene Kapitalerhöhung konnte es inzwischen auf 3,3 Milliarden Euro aufgebessert werden. Die Eigenkapitalquote ist einer der niedrigsten Werte eines Dax-Konzerns. Gespräche mit Banken sorgten Ende September für Erleichterung, nachdem dieser Wert über die Marke von 150 Prozent gestiegen war.

Kartellverstöße und Korruptionsvorwürfe

Der Mischkonzern wird immer wieder von Kartellverstößen und Korruptionsvorwürfen erschüttert. Vorstandschef Heinrich Hiesinger will eine neue Unternehmenskultur, in der für krumme Geschäfte kein Platz ist. Bei illegalen Preisabsprachen war Thyssen-Krupp ein Wiederholungstäter. Einem Aufzugskartell folgten Kungeleien mit Schienenherstellern. Hier einigte sich Thyssen-Krupp nun mit der Deutschen Bahn auf Schadensersatz. Wie ein Damoklesschwert hängt zudem der Verdacht über dem Konzern, sich auch an einem möglichen Kartell von Herstellern von Blechen für die Automobilindustrie beteiligt zu haben. Ob sich dieser Verdacht bestätigt, ist offen. Sollte dies aber der Fall sein, wären die Konsequenzen nicht abzuschätzen - die Autoindustrie gehört zu den größten Kunden von Thyssen-Krupp. Welchen Stellenwert die Aufarbeitung der Verstöße hat, zeigte sich auch auf der Hauptversammlung im Januar 2014: Dort schuf Thyssen-Krupp für den ehemaligen Metro-Manager Donatus Kaufmann einen neuen Vorstandsposten für Compliance.

Ramponierter Ruf

Der Ruf des einst stolzen Unternehmens ist durch Pleiten, Pech und Pannen und die Korruptionsvorwürfe ramponiert. „Es herrschte offenbar bei einigen die Ansicht vor, dass Regeln, Vorschriften und Gesetze nicht für alle gelten“, hat Konzernchef Hiesinger beklagt. Er will aufräumen und eine neue Unternehmenskultur einführen, in der Seilschaften und blinde Loyalität nicht wichtiger sind als unternehmerischer Erfolg. Dafür braucht er die volle Rückendeckung vom Aufsichtsrat.

In einem Fernsehinterview rief Kraft (SPD) zudem zu Gelassenheit auf. Sie halte „das alles für Schwarzmalerei“, sagte Kraft am Montag in der n-tv-Sendung „Heiner Bremer - Unter den Linden 1“. „Es sind Fehlinvestitionen gelaufen in dem Unternehmen, es gab kartellrechtliche Problemsituationen, aber alles in allem ist das ein guter, ein gesunder Konzern“, betonte Kraft. „Und wir haben ein hohes Interesse daran, dass dieser Konzern auch so bestehen bleibt.“

Auf die Frage, ob Kraft in jedem Fall versuchen würde, eine Zerschlagung des Mischkonzerns zu verhindern, sagte sie: „Ich muss nur auf die Zahl der Arbeitsplätze schauen. Dass Thyssen-Krupp für Nordrhein-Westfalen, aber auch für die Bundesrepublik Deutschland, ein wichtiger Konzern ist, darüber sind wir uns einig, und dass es Sinn macht, diese Arbeitsplätze auch in Deutschland zu erhalten.“

Doch die Lage bei dem angeschlagenen Konzern könnte immer brisanter werden. Der Rückzug von Thyssen-Krupp aus Brasilien droht einem Medienbericht zufolge zu misslingen. Das „Wall Street Journal Deutschland“ berichtete am Montag unter Berufung auf Insider, dass der Konzern auf dem Mehrheitsanteil an seinem Stahlwerk in dem südamerikanischen Land sitzenbleiben könnte.

Der deutsche Stahlkonzern und der brasilianische Konkurrent CSN hätten zwar ihre zwischenzeitlich in Gefahr geratenen Verhandlungen über das Thyssen-Geschäft in Amerika wieder intensiviert. Nun sei aber auch eine Variante im Gespräch, nach der CSN nur das Thyssen-Krupp-Werk im US-Staat Alabama übernehmen würde. Thyssen-Krupp sucht seit Monaten nach Käufern für seine verlustreichen Werke in den USA und Brasilien. Von mehreren Interessenten war CSN der einzige, der die beiden Fabriken im Paket übernehmen wollte.

Das Alternativszenario sieht dem Bericht zufolge vor, dass CSN rund 1,5 Milliarden Dollar für die US-Produktionsstätte zahlen und sich zugleich verpflichten würde, jährlich mehrere Millionen Tonnen Stahlbrammen aus dem brasilianischen Werk abzunehmen. CSN wollte den Bericht nicht kommentieren.

Der Konzern sei weiter in fortgeschrittenen Verhandlungen mit einem führenden Bieter, erklärte hingegen ein Thyssen-Krupp-Sprecher. Darüber hinaus gebe es auch Gespräche mit weiteren Interessenten. Der Konzern peile weiterhin einen zeitnahen Abschluss an.
Aus Kreisen war zuletzt verlautet, dass bei dem angeschlagenen Mischkonzern die Vorbereitungen für eine Kapitalerhöhung liefen. An diesem Dienstagabend legt Thyssen-Krupp seine Quartalszahlen vor.

Kommentare (4)

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abbaya

13.08.2013, 09:01 Uhr

"ein guter, gesunder Konzern". Muss man sich, nachdem das Management mal eben 12 Milliarden in Brasilien und Alabama in den Sand gesetzt hat, auf der Zunge zergehen lassen...

HaHaHa

13.08.2013, 09:29 Uhr

in 5 Jahren ist der Kurs von TK um 50 Prozent gefallen. Der Dax ist in der Zeit um 26 Prozent gestiegen.

So rechnen nur Sozialdemokraten, kann man da bloß sagen und weiß was man von der Bildungspolitik in NRW zu halten hat.

Hoffentlich weiß Frau Kraft in welchem Bundesland sie regiert.

Jens

13.08.2013, 10:56 Uhr

Im Vergleich zu einem Rot-Grün regierten NRW ist es in der Tat ein "guter, Gesunder Konzern".

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