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19.09.2011

17:03 Uhr

Mehrere Personen betreten die Firmenzentrale des Anlagenbauer Ferrostaal. dpa

Mehrere Personen betreten die Firmenzentrale des Anlagenbauer Ferrostaal.

DüsseldorfDie Eigentümer des Industriedienstleisters Ferrostaal wollen eine dringend benötigte Kapitalerhöhung nicht mittragen. Vor allem der arabische Mehrheitseigentümer IPIC zeige derzeit kein Interesse, seiner Tochter finanziell unter die Arme zu greifen, erfuhr das Handelsblatt aus dem Umfeld der Eigentümer. Ferrostaal muss voraussichtlich noch in diesem Jahr ein Bußgeld von rund 140 Millionen Euro zahlen, mit dem ein Korruptionsverfahren vor dem Landgericht München beendet werden kann.
Zudem braucht das Unternehmen die Eigentümer als Bürgen für dringend benötigte Kreditgarantien, für d eren Gewährung die Hausbanken hohe Sicherheiten fordern. Ab November sollen diese verschärft werden. Die Kreditgarantien muss Ferrostaal dann in voller Höhe mit Bargeld absichern. Die Garantien benötigt das Unternehmen für d en Groß und Anlagenbau, ohne diese wird Ferrostaal diesen Bereich aufgeben müssen.
Die angespannte Finanzlage wird auf einer Aufsichtsratssitzung an diesem Donnerstag zentrales Thema sein. Da IPIC die Ferrostaal AG aber nicht unterstützen will, wird auch die frühere Muttergesellschaft MAN keine Hilfe leisten. „Wir geben keine Garantien mehr für zukünftige Geschäfte“, sagte ein MAN-Sprecher.
IPIC hatte vor zwei Jahren Ferrostaal zu 70 Prozent übernommen, den Rest hält noch MAN. Die beiden Aktionäre streiten derzeit vor einem Schiedsgericht über eine Rückabwicklung des Deals. Nachdem im Frühjahr ein erneuter Anlauf für eine gütliche Einigung gescheitert war, ruhen die Verhandlungen zwischen IPIC und MAN.
Der Betriebsrat von Ferrostaal forderte die Streithähne nun zu einer Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. „Durch die ungelöste Eigentümerfrage wird das operative Geschäft erheblich gestört“, sagte Betriebsratschef Jürgen Hahn dem Handelsblatt. Seit Monaten komme man nicht weiter. „Was wir brauchen, ist eine klare Ansage wie künftig die Eigentümerstruktur aussehen wird.“

Kommentare (6)

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Jannis

21.09.2011, 01:16 Uhr

Oh Mann, das ist sooo bitter alles! Ferrostaal ist so ein tolles Unternehmen (gewesen), aber Presse und Finanzbehörden sowie die Eitelkeit der Eigentümer machen es kaputt...
Dass das HB da auch noch mit einsteigt ("Strafe wird halbiert" - was ja nicht stimmt, denn die doppelte Summe stammt ja nur aus einem irrsinnigen Zeitungsartikel und wenn, dann waren 180 Mio. gefordert; was übrigens bei 9 Mio. nachgewiesener Schmiergelder (die darüber hinaus zur damaligen Zeit auch noch steuerlich absetzbar gewesen sind!) eine völlig bescheuerte Forderung ist und darüber hinaus auch auf Geheiß der Staatsanwaltschaft noch über 80 Mio. an "Aufklärungskosten" (ohne wirkliche Nachweise für die behaupteten Schmiergelder) angefallen sind),finde ich auch wirklich schade und schwach! Ich hätte mir gewünscht, dass das HB vielleicht auch mal eine ordnende, abwiegende Position einnehmen würde, anstatt wie alle anderen die Worte der Staatsanwaltschaft abzuschreiben und immer pauschal und ohne großes Hintergrundwissen "draufzuhauen"...
Naja, der Fall zeigt mir, wie schwach die deutsche Presse doch in Wirklichkeit ist!

Martin_Murphy

22.09.2011, 09:22 Uhr

@Jannis: Wenn Sie unsere Berichte in den vergangenen Monaten verfolgt haben, dann sollten Sie gehens haben, dass wir nicht "draufhauen". Wir haben sehr genau aufgeschlüsselt, wie die Misere zustande gekommen ist. Auch das Verhalten der Staatsanwaltschaft haben wir kritisch beleuchtet. In der Tat lag die Forderung der Staatsanwaltschaft laut Anklageschrift bei 277 Millionen Euro
Der Stand heute ist, dass IPIC die Ferrostaal AG fallen gelassen hat. Als Medium muss man darüber berichten.

GuidoEssen

27.09.2011, 11:12 Uhr

Ferrostaal war mal ein tolles und gesundes Unternehmen mit einem tollen Führungsstil und einer tollen Firmenstruktur. Im Endeffekt ist es Opfer von Finanzinvestoren geworden, die einen strategisch ausgerichteten Konzern MAN wollten und auch eigentlich nur deshalb damit VW ihn endlich übernehmen kann. Ferrostaal wurde verscherbelt an einen Mischkonzern in Abu Dhabi. Die Quittung nun sind finanzielle Schwierigkeiten. Angefangen hat alles mit Dr. Mitscherlich, der leider weder menschlich noch fachlich dieser Position gewachsen, dafür aber leicht von der MAN zu lenken war. Alle die, die Ferrostall vor den Hedge Fonds dieser Welt bewahren wollten, wurden entlassen. Alle Mitarbeiter haben damals der Ära Singer, von Menges & co nachgetrauert. Im Endeffekt aber, verdankt Ferrostaal das der MAN und VW..

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