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22.01.2011

15:12 Uhr

Keine Kaufanreize

Daimler droht mit Abwanderung der Elektroauto-Technologie

Das Elektroauto ist die Zukunft der Automobilbranche – und vor allem eines: teuer. Deshalb fordern die Autobauer Kaufanreize, die einen Absatzerfolg garantieren sollen. Doch die Bundesregierung sperrt sich, zum Ärger der Hersteller. Daimler-Chef Dieter Zetsche will sich notfalls auf andere Märkte fokussieren.

Daimler-Chef Zetsche und RWE-Boss Grossmann bei der Präsentation des E-Smart. dpa

Daimler-Chef Zetsche und RWE-Boss Grossmann bei der Präsentation des E-Smart.

HB FRANKFURT/STUTTGART. Daimler-Chef Dieter Zetsche droht mit einer Abwanderung der Elektroauto-Technologie, sollte die Bundesregierung keine staatlichen Kaufanreize für Elektroautos setzen. „Wenn Deutschland sagt, wir verzichten, die Industrie kann sich Märkte woanders suchen, okay, dann werden wir es tun“, sagte Zetsche der „WirtschaftsWoche“. Seiner Einschätzung nach werden weder die Kauflust noch die Kaufkraft der Kunden ausreichen, um die hohen Kosten der Elektroautos zu decken. „Wenn eine Regierung sagt, aus nationalem Interesse wollen wir in diesem Feld eine führende Rolle spielen, dann müssen die Rahmenbedingungen so gesetzt werden, dass sich das auch so entwickeln kann. Und das geht nicht ohne Kaufprämien.“

Unterstützung erhält Zetsche von Autoverbandspräsident Matthias Wissman. Im Gespräch mit der „WirtschaftsWoche“ forderte er unter anderem „steuerliche Vergünstigungen oder Abschreibungsimpulse, etwa bei Firmenwagen“ ab 2012, um den Absatz von Elektroautos zu steigern. Zudem will Wissmann innerhalb der EU eine Harmonisierung bei den Kaufprämien erreichen. „Die Bundesregierung sollte sich mit den europäischen Nachbarn auf gemeinsame Bedingungen verständigen. Es hätte ja keinen Sinn, wenn die deutschen Hersteller ihre Elektroautos vor allem dort verkaufen würden, wo die Kaufanreize am höchsten sind“, sagte der VDA-Präsident.

Bundesregierung und Industrie sind sich einig, dass Deutschland auch bei Fahrzeugen mit elektrischen Antrieben seine Führungsrolle in der Autoindustrie behalten soll. Dafür gewährte der Bund eine Anschubfinanzierung für Forschung und Entwicklung in Höhe von 500 Millionen Euro, eine Kaufprämie lehnt sie aber ab. Zudem wurde im Mai 2010 das Gremium „Nationale Plattform Elektromobilität“ geschaffen, die eine gemeinsame Strategie erarbeiten soll. Ziel ist, dass bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren. Bis zur Massenproduktion der Fahrzeuge in Deutschland könnten aber noch Jahre vergehen.

Kommentare (34)

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norbert

22.01.2011, 16:30 Uhr

Dummheit und Stolz ...

Andreas

22.01.2011, 17:04 Uhr

Gibt es bei entsprechender wirtschaftlicher Lage in anderen Volkswirtschaften Kaufanreize ? Warum verlässt sich die Privatwirtschaft auf staatliche interventionen ? ich finde die Forderung von Daimler-Chef Zetsche lächerlich, das hat mit dem Pioniergeist des Unternehmertums nichts mehr zu tun. Vielleicht ist es an der Zeit zu gehen, Herr Zetsche ?

Zu dem Ziel, dass eine Millionen Fahrzeuge auf Deutschlands Strassen fahren sollen, muss ich sagen, dass eine Profitabilitätsschwelle ermittelt werden muss. Es kann sein, dass Elektromobilität erst ab sagen wir 2,5 Millionen Fahrzeuge lukrativ wird, oder noch mehr. Wir leben in einer hochtechnologischen massenproduktionsindustrie- industrie. Die volkswirtschaflichen Prozesse und operativen Größen wurden hieran nach und nach angepasst. Das bedeutet, dass unter Umständen noch nicht einmal volkswirtschaftlich bedingte Parameter gegeben sind, über die eine Einführung der Elektromobilität finanz-mathematisch erschlossen werden könnte. Da sind dann auch staatliche interventionen unnützlich.

Sollen sie doch abwandern!

22.01.2011, 17:11 Uhr

Sollen sie doch abwandern! Das Elektroauto ist eh nur ein Schritt auf dem Weg zum umweltfreundlicheren Auto und wird wohl in einer Dekade wieder ersetzt werden.

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