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11.05.2011

08:24 Uhr

Keine Prognose

Toyota will nicht über die Zukunft sprechen

Toyota wurde von den Folgen des Erdbebens schwer erwischt. Wie schwer, ist aber noch nicht abzusehen. Denn der bisherige größte Autobauer der Welt traut sich keine Prognose zu. Das verunsichert zusätzlich.

Nicht immer nur ökologisch wertvoll: Pick-ups von Toyota. Quelle: Reuters

Nicht immer nur ökologisch wertvoll: Pick-ups von Toyota.

TokioNach milliardenschweren Belastungen durch die Erdbeben- und Tsunamikatastrophe in Japan wagt Autobauer Toyota für das laufende Geschäftsjahr keine Prognose. Das März-Beben belaste das operative Ergebnis im abgelaufenen Geschäftsjahr 2010/2011 mit 110 Milliarden Yen (rund 944 Millionen Euro), teilte der Konzern am Mittwoch mit. Das Unternehmen rechne mit einem Ausblick für 2011/2012 bis Mitte Juni. Im vierten Quartal brach der Gewinn um fast 80 Prozent auf 25,4 Milliarden Yen ein. Im Gesamtjahr verbuchte der Autobauer dennoch ein Plus von über 90 Prozent auf 408 Milliarden Yen.

Die Produktion in Japan und Übersee werde im Juni wieder anziehen und damit früher als im April angekündigt, teilte Toyota weiter mit. Wegen der Lieferengpässe musste Toyota die Produktion an zahlreichen Standorten drosseln und den Start neuer Modelle verschieben.

Das große Erdbeben in Japan, dem ein Tsunami und mehrere Nachbeben folgten, hatte Toyota übel mitgespielt. Angesichts der gewaltigen Produktionsausfälle durch zerstörte Fabriken und gerissene Lieferketten könnte Toyota bereits in diesem Jahr seinen Titel als weltgrößter Autobauer verlieren. Die japanischen Exporte nach Europa, China und in die USA brechen derzeit auf breiter Front ein.

Die Verkaufszahlen waren im März so schlecht wie seit 1988 nicht mehr, dem ältesten Jahr der firmeninternen Verkaufsstatistik. Der Konzern ließ verlauten, dass nur noch 129491 Fahrzeuge überhaupt von den Bändern rollten, das waren zwei Drittel weniger als im Vorjahr. Einen derartigen Produktionseinbruch hatte wohl noch nie eine Autofirma zu verkraften. Und so schnell dürfte sich die Situation für Toyota kaum verbessern. Erst am vergangenen Freitag klagte Konzernpräsident Akio Toyoda, "dass wir nach den vielen Nachbeben mit vielen Reparaturarbeiten in den Fabriken immer wieder bei null anfangen müssen".

Derzeit kann in den zwölf heimischen Toyota-Werken nur die Hälfte der Kapazitäten genutzt werden. Der Konzernchef schickte seine Mitarbeiter direkt nach dem Erdbeben in die zerstörten Gebiete, um den Zulieferern und den Händlern bei der Behebung der Schäden zu helfen. Und in Nordamerika liegt die Auslastung wegen der Lieferengpässe bei Materialien und Vorprodukten auch nur bei 30 Prozent. Auf dem Heimatmarkt sind die Verkäufe zudem stark zurückgegangen, weil viele Japaner ihr Geld derzeit lieber zusammenhalten. Und im Ausland leidet Toyota unter der Angst der Käufer vor womöglich verstrahlten Autos, auch wenn der deutsche Zoll noch keine kontaminierten Importfahrzeuge gefunden hat. Die Exporte fielen im März um 33 Prozent auf 107 751 Autos.

Was in Japan bislang keiner auszusprechen wagte, rechnete Analyst Koji Endo von Advanced Research Japan angesichts dieser Zahlen nun vor. Er geht davon aus, dass die Konkurrenten VW und General Motors den Marktführer 2011 bei der Zahl der verkauften Autos überholen. Beide Konzerne sieht der Experte am Jahresende bei über sieben Millionen verkauften Fahrzeugen, Toyota hingegen mit 6,5 Millionen veräußerten Fahrzeugen nur noch auf Platz drei.

Der Toyota-Chef will sich mit den Folgen der Naturkatastrophe indes nicht abfinden und vertraut seiner Mannschaft: "Ich sah die Bemühungen der Menschen selbst, und ich gewann volles Vertrauen, dass ihre Arbeit eine schnellere Erholung ermöglichen wird."

Kommentare (1)

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11.05.2011, 10:09 Uhr

Im März hat Toyota rund 40% und im April rund 70% weniger Fahrzeuge in Japan verkauft. Auch im globalen Absatz sieht es alles andere als rosig aus. Der Absatz in den nächsten Monaten wird aufgrund der verzögerten Auswirkungen mit aller Wahrscheinlichkeit weiter einbrechen. Der Aktienwert von Toyota ist seit dem Erdbeben nur um 12% gesunken? Im Vergleich zu Dt. Autoherstellern ist die Aktie viel zu teuer. Auch bei anderen Japanischen Firmen ist die Katastrophe kaum eingeflossen. Ein Grund ist das die japanischen Banken die Aktien immens stützen. Den Japanern wurde auf Ihre Aktiendepots umfangreiche Lombardkredit eingeräumt damit diese ihre Aktien nicht verkaufen. Wie gesund solches Vorgehen sein mag hat man 2009 erlebt als die Immobilienblase geplatzt ist. Zur Zeit lasten in Japan riesige Kredite auf Wertpapiere deren Realwert viel geringer ist als der Marktwert. Die Annahme das die japanische Wirtschaft sich ähnlich wie nach dem Erdbeben in Kobe rasch erholen wird ist ziemlich blauäugig. Die Welt hat sich seitdem stark verändert. China, Südkorea sind auf dem Weltmarkt ganz anders positioniert als 1995 und werden von der Katastrophe in Japan die wahren Profiteure sein ( siehe Hyundai und Kia). Die Blase in Japan kann noch zu einer schönen Schlittenfahrt werden....

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