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22.11.2014

09:54 Uhr

Keine Volkswagen-Werbung

Der Super Bowl verliert sein super Image

VonAxel Postinett

Der Super Bowl ist das größte Werbeevent des Jahres – doch Volkswagen und andere Autobauer ziehen ihre Werbung zurück. Fehlende Sponsoren, besorgte Eltern und zahlreiche Klagen: Der Football steckt mitten in einer Krise.

American Football-Spieler Ray Rice wärmt sich beim Super Bowl auf. Dem Megaevent fehlen diesmal die Autohersteller als Werbekunden. Reuters

American Football-Spieler Ray Rice wärmt sich beim Super Bowl auf. Dem Megaevent fehlen diesmal die Autohersteller als Werbekunden.

San FranciscoEs sind die Autohersteller, die den Anfang machen. Volkswagen ist der bislang letzte in einer Reihe von großen Namen, die auf eine millionenteure Werbung im Football-Spektakel SuperBowl im kommenden Jahr verzichten werden. Sicherheit, Verantwortungsbewusstsein und Football, das passt offenbar irgendwie nicht mehr zusammen. Kartoffelchips-Hersteller, Brauereien, Internetfirmen und Gebrauchtwagen-Verkäufer sind jetzt unter sich.

„Autohersteller, die nächstes Jahr im SuperBowl werben, finden sich in einer sehr konkurrenzarmen Situation wieder“, versucht Seth Winter, verantwortlich bei NBC Sports für das Super-Sportspektakel am 1. Februar, der Situation etwas Gutes abzugewinnen. Gegenüber dem renommierten  Werbe-und Medien-Fachblatt „Variety“ gibt er zu, dass sich die Zahl der werbenden Autohersteller gegenüber Vorjahr praktisch halbiert hat. Bislang, so Stand Anfang November, sind nur rund 90 Prozent der Werbeplätze verkauft.

Dass sich das noch ändert, das ist nicht wirklich sicher. Das Preisschild für einen 30-Sekunden-Spot zeigt bei NBC rund 4,5 Millionen Dollar gut elf Prozent mehr als im Vorjahr, Fox verlangt vier Millionen und dazu kommen noch Produktionskosten in Millionenhöhe. Renommierte Regisseure mit großen Filmcrews drehen oft Monate an aufwendigen Produktionen, geplant von teuren Werbeagenturen.

Der Super Bowl in Zahlen

20 Prozent mehr Kopfschmerztabletten...

...werden am Montag nach dem Finale abgesetzt. In den USA spricht man von „Super Bowlitis“. Sechs Prozent mehr Amerikaner melden sich am Tag nach dem Super Bowl krank.

179 Millionen Fans...

...in der Spitze und 111 Millionen Fans im Schnitt sehen das Spektakel in den USA an den heimischen TV-Geräten. Weltweit schauen sogar 800 Millionen Menschen zu. Unter den Top Ten der TV-Übertragungen mit den meisten Zuschauern in den USA sind acht Super-Bowl-Partien.

150 goldene, mit Diamanten...

...besetzte Super-Bowl-Ringe werden jährlich an das Siegerteam verteilt. Der Wert eines Rings beträgt in etwa 5000 Dollar.

263 Millionen Dollar...

...generiert die NFL am Super-Bowl-Sonntag. Ein 30-Sekunden-Spot kostet bis zu 4,5 Millionen Dollar. Doch die Firmen zahlen gerne und produzieren ihre Werbungen eigens für den Super Bowl.

250 Millionen Dollar...

...werden von den Fans in Super-Bowl-Fanartikel gesteckt.

50 Millionen Dollar...

...werden in diesem Tag in Essen investiert. Für die Nahrungsmittelindustrie ist der Super Bowl nach Thanksgiving der zweitwichtigste Tag im Jahr.

4000 Tonnen...

...Popcorn verschlingen die Amerikaner am Super-Bowl-Sonntag. Dazu kommen noch 14.000 Tonnen Chips, die darüber hinaus noch vertilgt werden.

120 Millionen Liter...

...Bier fließen die durstigen Kehlen hinunter, damit die Chips und das Popcorn nicht zu trocken sind.

20.000 Tonnen...

...Guacamole (Avocado-Dip) werden zubereitet, damit die Chips auch ordentlich eingetunkt werden können. Das entspricht im Avocado-Anbau etwa 222.792 Football-Feldern.

Eine Milliarde...

...Hähnchenflügel (Chicken Wings) werden von den Amerikanern verzehrt.

Jetzt geht alles etwas gemächlicher an. General Motors, ein treuer SuperBowl-Kunde steht immer noch unter dem Schock seiner monumentalen Rückruf-Aktionen. Es hat Tote und Verletzte gegeben – und Opfer und Hinterbliebene kämpfen um Schadenersatz. Da ist das nicht richtig passend, mit den Opfern um Cents zu feilschen und 15 Millionen Dollar oder mehr für eine Werbung auszugeben. Jaguar, 2014 erstmals dabei, steigt schon wieder aus und VW, erfolgreich mit seinem 2011er „Darth Vader“-Spot, legt jetzt auch erstmal eine Pause ein. Trotz permanenter SuperBowl-Präsenz läuft das US-Geschäft eher schlecht. Man wolle „andere Prioritäten setzen“, heißt es zurückhaltend.

Kommentare (3)

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Herr Fritz Yoski

21.11.2014, 17:30 Uhr

Bessere Werbung waere wenn VW die unterirdische Qualitaet seiner Produkte verbessern wuerde. Die geniessen auf dem US Markt den Ruf Edelschrott zu fabrizieren.

Frau Ute Umlauf

21.11.2014, 18:55 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Frau Annette Siegl

24.11.2014, 15:24 Uhr

"VW had ignored the U.S. market for decades after stumbling badly in the 1980s and remains saddled with a reputation here for high prices, mediocre quality and a tin ear for American tastes."
Quelle: http://www.forbes.com/sites/joannmuller/2013/04/17/volkswagens-mission-to-dominate-global-auto-industry-gets-noticeably-harder/

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