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07.01.2007

08:13 Uhr

Kirchliche Betriebe

In Gottes Wirtschaftsreich

VonJürgen Salz und Stefanie Burgmaier
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Verlage, Brauereien, Banken - Christlichen Kirchen und Klöstern gehören etliche Betriebe. Gerade jenseits der sozial-karitativen Arbeit laufen die Geschäfte der christlichen Unternehmen gut. Sie zählen häufig zu den erfolgreichsten ihrer Branche.

Schwester Theodolinde und Geschäftsführer Stefan Hoechter vor einer Abfüllanlage der Adelholzener Alpenquellen.

Schwester Theodolinde und Geschäftsführer Stefan Hoechter vor einer Abfüllanlage der Adelholzener Alpenquellen.

DÜSSELDORF. Den Namen für Deutschlands erstes kirchliches Catering-Unternehmen hatte Werner Fuchs sofort parat: "Martha's Finest." Der 49-jährige Diakon aus Frankfurt gründete das Unternehmen vor sieben Jahren; damals brauchte er Geld für die Jugendarbeit. Fuchs kannte sich bis dahin nur mit Obdachlosen-Speisungen aus. Heute serviert Martha's Finest - benannt nach jener Martha, die für Jesus in der Küche wuselte, während ihre Schwester Maria dem Messias zuhörte (Lukas, 10, 38-42) - beim Mitarbeiterfest der Lufthansa, beim Firmenjubiläum des Suhrkamp-Verlages oder beim Empfang zum 60. Geburtstag von Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth.

Zehn fest angestellte Mitarbeiter gehören mittlerweile zum Team, der Laden ist profitabel. "Wir arbeiten aber auch noch für die Oma aus der Gemeinde, die zu ihrem 80. Geburtstag 15 Gäste eingeladen hat", versichert Fuchs. Martha's Finest gehört zum Kirchlichen Dienst in der Gastronomie - eine evangelische Organisation, die sich um Auszubildende im Gaststättengewerbe kümmert. Insgesamt besitzen kirchliche - oder klösterliche - Eigentümer etwa 50 000 Unternehmen in Deutschland: darunter nicht nur Caritas- und Diakonie-Sozialstationen, Krankenhäuser, Alten- und Behindertenheime. Sondern auch Filmproduzenten, Verlage, Radiostationen, Banken, Versicherungen, Getränkehersteller, Handelsunternehmen oder eben Dienstleister wie Martha's Finest.

Gerade jenseits der sozial-karitativen Arbeit laufen die Geschäfte der christlichen Unternehmen gut: So zählen die katholische Verlagsgruppe Weltbild, die katholische Liga Bank oder der Getränkehersteller Adelholzener - im Besitz der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul - zu den jeweils Besten ihrer Branche. Und das gleich aus mehreren Gründen: Die Marke Kirche schafft Vertrauen bei den Kunden. Die kirchlichen Eigentümer nerven ihre Manager in der Regel - ähnlich wie viele Familienunternehmer - nicht mit kurzfristigem Aktionismus, sondern setzen auf langfristige Konzepte. "Und besonders die Kirchenbanken haben ihre Nische gefunden und sind dort erfolgreich", sagt Dominik Enste, Kirchenexperte beim Institut der deutschen Wirtschaft in Köln.

In Gottes Wirtschafts-Reich finden sich Unternehmerverbände, Arbeitnehmerorganisationen oder auch berufliche Bildungswerke. Den Kirchen in Deutschland gehören Immobilien in bester Lage; die katholische Kirche nennt zudem etwa 100 000 Hektar Wald ihr Eigen. Etwa 1,3 Millionen Menschen arbeiten in evangelischen und katholischen Institutionen und Unternehmen - bei Siemens in Deutschland sind es nur 160 000.

Eine riesige Nachfragemacht, dessen sich die beiden Konfessionen auch durchaus bewusst sind. Protestanten wie Katholiken haben mit Unternehmen wie Microsoft, Telekom oder Sixt Rabattverträge abgeschlossen. Seit einigen Jahren gibt es sogar eine eigene Messe. Auf der Ecclesia in Köln präsentieren sich fast 180 Unternehmen - vom Hostienbäcker bis zum Weihrauch-Produzenten - dem Kunden Kirche.

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