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01.03.2004

12:17 Uhr

Kleines Etikett, großer Ärger - Wein aus Champagne im Kanton Waadt

Champagne und das Recht am eigenen Namen

VonChristoph Hardt

Champagner sei das einzige Getränk, das Frauen schöner macht, je mehr sie davon trinken, soll die Madame Pompadour gesagt haben. Die Dame, Mätresse des französischen Königs Ludwig XV., steht nicht nur in Sachen Wein im Ruf einer Kennerin.

dpa

DÜSSELDORF. Wie auch immer, es gibt wohl kein Getränk auf dieser Welt, dessen Ruhm heller strahlt als der des strahlenden Schaumweins aus der französischen Landschaft gleichen Namens. Es gibt aber auch kaum ein Getränk, dessen Ruf, Name und mitunter mutiger Preis mit härteren Methoden verteidigt wird als eben der Schaumwein, der es in der Arie in Mozarts Don Giovanni sogar musikalisch zu Weltruhm gebracht hat.

Die Bauern aus Champagne können ihr Lied davon singen. Champagne, das ist, ohne den Champagnern nahe treten zu wollen, ein wenig prickelndes 700-Seelen-Dorf am Neuenburger See im französischsprachigen Kanton Waadt, Westschweiz. Champagne, ein paar rot gedeckte Bauernhäuser, Äcker, ein paar Reben – und schon steckt man inmitten einer Geschichte, in der aus einem kleinen Schweizer Wein durch eisenharten Lobbyismus eine europäische Haupt- und Staatsaktion wird, die nun zur Entscheidung am Europäischen Gerichtshof in Luxemburg angelangt ist und – wer weiß – vielleicht sogar den Verhandlungen über den Welthandel im Rahmen der WTO einen neuen Dreh geben könnte. Doch der Reihe nach.

Im Dorf Champagne wird, die Urkunden deuten es an, seit dem 13. Jahrhundert Wein angebaut, heute liegt die Produktion bei etwa 260 000 Flaschen Stillweins, weiß, herb, unbedeutend. Vielleicht wäre das alles so geblieben, hätten sich die Champagner Winzer vor vielleicht 35 Jahren nicht diesen Gag mit den Sektflaschen einfallen lassen, in die sie ihren Wein mit dem Dorfnamen auf dem Etikett abfüllten. An diesem Tag hörte für die CIVC endgültig der Spaß auf.

CIVC? Das ist das Comité Interprofessionnel du Vin de Champagne, die Dachorganisation der Winzer und Handelshäuser der Champagne und damit, der Deutsche Bauernverband wird es entschuldigen, die wohl schlagkräftigste Agrarlobby Europas. Auf etwa 15 Millionen Euro schätzen Experten den Jahresetat des Verbands, 100 Leute arbeiten in der Champagnerzentrale, in den großen Importländern gibt es eigene Büros, weltweit stehen renommierte Anwälte unter Vertrag.

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