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25.01.2007

18:24 Uhr

Kleinfeld überzeugt

Umbau bewahrt Siemens vor Schlimmerem

Erfolge beim Konzernumbau haben Siemenschef Klaus Kleinfeld in der wohl schwersten Krise der Unternehmensgeschichte den Rücken gestärkt. Unmittelbar vor der Hauptversammlung, bei der Aktionärsvertreter das Management hart wegen der Korruptionsaffäre angriffen, verkündete Kleinfeld, dass der operative Gewinn im ersten Quartal um mehr als 50 Prozent auf 1,63 Mrd. Euro gestiegen ist. Selbst die Krisensparte SBS schrieb erstmals seit drei Jahren wieder schwarze Zahlen.

Der Vorstandsvorsitzende von Siemens, Klaus Kleinfeld, spricht bei der Hauptversammlung des Unternehmens in München. Foto: dpa

Der Vorstandsvorsitzende von Siemens, Klaus Kleinfeld, spricht bei der Hauptversammlung des Unternehmens in München. Foto: dpa

jojo MÜNCHEN. Zugleich hält Siemens das Tempo des Umbaus hoch. So will der Technologiekonzern seine Autozulieferer-Sparte VDO an die Börse bringen. Außerdem wird das Unternehmen für 2,7 Mrd. Euro die US-Firma UGS kaufen, einen Softwarespezialisten, der die eigene Automatisierungssparte stärken soll. Kleinfeld setzt damit seinen Kurs fort, sich auf ausgewählte, wachstumsstarke Geschäftsfelder im Infrastrukturbereich zu konzentrieren. Dazu zählen die Medizintechnik, Kraftwerke, aber auch der Großanlagenbau, der mit der Akquisition in Amerika ausgebaut wird.

Die Börse reagierte begeistert auf die Siemens-Pläne. Der Aktienkurs kletterte um 5,95 Prozent auf 82,60 Euro. Damit war Siemens gestern mit weitem Abstand der Spitzenreiter im Dax.

Trotz dieser Erfolge sparten die 13 000 Aktionäre auf der Hauptversammlung am Donnerstag nicht mit Vorwürfen. Siemens stand in den vergangenen Wochen nicht nur auf Grund der Korruptionsaffäre schwer unter Beschuss. Zuvor war der Konzern bereits wegen der Pleite seiner ehemaligen Handysparte und der drastischen Erhöhung der Vorstandsbezüge in die Kritik geraten. „Siemens taumelt von einer Affäre in die nächste“, sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. „Ich habe den Eindruck, dass der Vorstand das Zepter nicht mehr in der Hand hält.“ Andere Anteilseigner forderten gar den Rücktritt von Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer. „Nehmen Sie Ihren Hut“, sagte ein Kleinaktionär. Darüber hinaus gab es zahlreiche Anträge, den Vorstand nicht zu entlasten. Wegen der umfangreichen Redebeiträge waren die Abstimmungen zu Redaktionsschluss noch nicht beendet.

Von Rücktritten wollten aber weder Kleinfeld noch von Pierer etwas wissen. Im Gegenteil. Kleinfeld ging vor den Anteilseignern in die Offensive. Den Kauf der Softwarefirma UGS sowie den Börsengang von VDO verteidigte er als Schritt in die Zukunft. „So kommen wir voran und etablieren unsere Position an der Spitze des weltweiten Wettbewerbs“, sagte Kleinfeld.

UGS soll die Automatisierungssparte des Konzerns verstärken. Mit den Programmen des Unternehmens aus Texas lassen sich komplexe Produktionsanlagen planen und simulieren, wie sie Siemens baut. UGS kommt auf einen jährlichen Umsatz von 1,2 Mrd. Dollar. „Wir halten dies für eine gute Ergänzung für den Bereich, schätzen den Kaufpreis aber als relativ hoch ein“, urteilten gestern die Analysten von Independent Research.

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