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21.06.2013

17:33 Uhr

Klimaanlagen

Ingenieurverband hält umstrittenes Kältemittel für sicher

Ein Kältemittel für Klimaanlagen sorgt für Streit zwischen dem Ingenieurverband und Daimler. Nach einer neuen Untersuchung erklärt SAE das Mittel R1234yf für sicher – und widerspricht damit der Einschätzung von Daimler.

Daimler weigert sich, das umstrittene Kältemittel R1234yf in seinen Klimaanlagen zu verwenden. dpa

Daimler weigert sich, das umstrittene Kältemittel R1234yf in seinen Klimaanlagen zu verwenden.

StuttgartDer Weltverband der Automobilingenieure (SAE) schätzt die Brandgefahr des umstrittenen Klimaanlagen-Kältemittels R1234yf nach einer erneuten Expertenuntersuchung weiterhin als gering ein. Die Wahrscheinlichkeit, dass Autoinsassen durch eine Entzündung des Kältemittels gefährdet würden, sei nahezu sechs mal geringer als ein Fahrzeugbrand überhaupt, heißt es in einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Papier des weltweiten Ingenieurverbands. Dies hätten weitere Untersuchungen und Berechnungen ergeben. Das Risiko sei akzeptabel. Damit widerspricht der Verband abermals Daimler. Der Stuttgarter Autobauer hält das Mittel für zu gefährlich und hat es aus seinen Fahrzeugen verbannt.

In dem Ingenieurverband sind die meisten Autobauer – von GM über Renault bis Toyota – organisiert. Die deutschen Hersteller Daimler, BMW und Audi lassen ihre Mitgliedschaft in dem Arbeitskreis im Streit um das Kältemittel seit Monaten ruhen. Die von der Arbeitsgruppe angewandten Methoden genügten nicht, um zu einer endgültigen Einschätzung der Sicherheit des Kältemittels zu gelangen, hatte ein BMW-Sprecher den Ausstieg aus dem Arbeitskreis im Februar begründet.

Die zehn größten Autohersteller Europas 2012

Platz 10

Nissan

Verkaufte Fahrzeuge: 0,42 Millionen (-6,3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 9

Toyota

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Toyota und Lexus: 0,5 Millionen (-3,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 8

Daimler

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Mercedes-Benz und Smart: 0,63 Millionen (-3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 7

BMW Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken BMW und Mini: 0,77 Millionen (-1,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 6

Fiat Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Fiat, Lancia/Chrysler, Alfa Romeo, Jeep: 0,78 Millionen (-16,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 5

Ford

Verkaufte Fahrzeuge: 0,91 Millionen (-13,2 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 4

General Motors

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Opel, Vauxhall, Chevrolet, GM: 0,98 Millionen (-13,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 3

Renault Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Renault, Dacia: 1,03 Millionen (-19,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 2

PSA Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Peugeot und Citroën: 1,43 Millionen (-12,9 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 1

Volkswagen

Verkaufte Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Seat, Skoda: 2,98 Millionen (-1,6 Prozent gegenüber Vorjahr)

Quelle

Die SAE wirft Daimler vor, die Crashtests mit Mercedes-Fahrzeugen im vergangen Jahr seien „unrealistisch“ gewesen. Bei diesen Tests war der Motorraum der Fahrzeuge durch Lecks an der Klimaanlage wiederholt in Brand geraten, beim Brand des Kältemittels R1234yf wurde zudem ätzende Flusssäure frei. Bei den jüngsten Untersuchungen habe es sich erneut um eine im Brandschutz übliche Fehlerbaumanalyse gehandelt, in die nun auch Daimler-Erkenntnisse eingeflossen seien, heißt es in dem SAE-Papier.

Daimler und das Flensburger Kraftfahrtbundesamt liegen wegen des Kältemittels auch mit der EU-Kommission im Streit, die wegen verschärfter Klimaschutzvorschriften auf dem Einsatz des neuen Kältemittels in Autos besteht. Denn das bisher übliche Kältemittel R134a ist deutlich klimaschädlicher und soll bis spätestens 2017 aus allen Fahrzeugen verschwunden sein. Bis dahin können die Autobauer zum Teil Übergangsvorschriften nutzen. Für einige Mercedes-Benz-Fahrzeuge ist das neue Kältemittel hingen schon seit Jahresbeginn Pflicht. Während sich BMW und Audi im Ingenieurverband SAE mit Daimler solidarisierten, widersprach zuletzt auch die GM-Tochter Opel den Schwaben: Bei Crashtests in Opel-Fahrzeugen habe sich das neue Kältemittel trotz Schäden und Leckagen am Klimasystem in der Nähe des heißen Auspuffkrümmers nicht entzündet.

Die gesamte Automobilindustrie hatte sich vor Jahren – gestützt auf den Ingenieurverband SAE – für das neue Kältemittel entschieden. Aus dieser Phalanx scherte Daimler im vergangenen Jahr aus. Entwickelt wurde das neue, klimaschonendere Kältemittel von den US-Chemiekonzern DuPont und Honeywell. Die beiden Firmen dringen bei der EU auf eine Einhaltung der Klimaschutzvorschriften durch Daimler, um ihre Investitionen zu schützen.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Antilobby

22.06.2013, 09:40 Uhr

Beim amerikanischen Haftungsrecht würde ich lieber meinen Mund halten...

Die Angehörigen des ersten 1234yf-Toten werden jedenfalls eine Millionen- wenn nicht gar Milliardenklage auf Schadenersatz einreichen.

Und das zu Recht! In Europa gilt ein Menschenleben ja nichts. Meiner Meinung nach sollte für jeden fahrlässig geschädigten Menschen immer eine Million Euro Mindestentschädigung anfallen und für jeden Toten eine Milliarde. Dann würde sich endlich etwas ändern; aber so...Respekt vor Daimler! HOCHACHTUNG vor eurem Schneid!

Ganz schön dumm, was da von SAE Seite kommt - egal von wem.

Ausserdem hat E10 gezeigt welche Macht doch Verbraucher haben - und bei E10 war die Diskussion ein Witz.

1234yf ist nicht nur viiiiiiel teurer, sondern auch viel gefährlicher und nicht wegen der Brandgefahr, sondern wegen der entstehenden Flußsäure - WARUM WIRD DAS NIRGENDS ERWÄHNT???

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