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03.01.2014

11:44 Uhr

Klimaanlagen-Streit

Daimler macht Fortschritte bei CO2-Klimaanlage

Im Streit um ein möglicherweise brandgefährliches Kühlmittel für Klimaanlagen präsentiert der Autobauer Daimler erste Lösungsansätze. Die Stuttgarter haben nach eigenen Angaben eine Alternative in Betrieb genommen.

Daimler-Chef Dieter Zetsche vor der Mercedes S-Klasse. Daimler hat in mehrere Fahrzeuge erfolgreich Prototypen einer mit CO2 betriebenen Klimaanlage eingebaut. Reuters

Daimler-Chef Dieter Zetsche vor der Mercedes S-Klasse. Daimler hat in mehrere Fahrzeuge erfolgreich Prototypen einer mit CO2 betriebenen Klimaanlage eingebaut.

StuttgartDer Autobauer Daimler meldet bei der Entwicklung von CO2-Klimaanlagen erste Fortschritte. Das Unternehmen habe in mehrere Fahrzeuge erfolgreich Prototypen eines mit CO2 betriebenen Systems eingebaut, sagte ein Sprecher am Freitag in Stuttgart. Die „Frankfurter Rundschau“ hatte zuvor darüber berichtet. Demnach testen die Stuttgarter die Kühlaggregate derzeit in verschiedenen Baureihen.

CO2-Klimaanlagen sind für Daimler wichtig, weil der Autobauer sich wegen Sicherheitsbedenken weigert, ein neues Kühlmittel namens R1234yf zu verwenden. Die alte Substanz darf in der EU jedoch ab 2017 nicht mehr in Neuwagen eingesetzt werden. Mit den CO2-Klimaanlagen will Daimler daher bis 2017 eine Alternative haben.

Wissenswertes rund um Autokältemittel

Der komplizierte Name

R1234yf ist ein organsicher, fluorierter Stoff (Summenformel C3H2F4). Die international genormte Bezeichnung des neuen Kältemittels ist R1234yf. Das R steht für den englischen Begriff für Kältemittel (Refrigerant).

Warum neue Kältemittel für Autoklimaanlagen?

Um die Erdatmosphäre zu schonen. Bisher wurde in Fahrzeugklimaanlagen als Kältemittel das fluorierte Treibhausgas Tetrafluorethan (R134a) eingesetzt. Die Richtlinie 2006/40/EG über Emissionen aus Klimaanlagen in Kraftfahrzeugen verbietet den Einsatz dieses Stoffes in neuen Typen von Pkw und Pkw-ähnlichen Nutzfahrzeugen.

Als mögliche alternative Kältemittel  wurden Kohlendioxid (CO2) und ein fluorierter Stoff, 2,3,3,3‑Tetrafluorpropen (R1234yf), von der Automobilindustrie betrachtet. Aus Klimaschutzgründen favorisiert das Umweltbundesamt CO2 als Kältemittel für Automobilklimaanlagen.

Welche Fristen gelten?

Die EU-Kommission gibt vor: Ab 1. Januar 2011 müssen alle neuen Typen bei Pkw- und Pkw- ähnlichen Nutzfahrzeugen mit einem Kältemittel ausgestattet werden, das einen GWP von 150 oder geringer hat.

Ab dem 1. Januar 2017 müssen alle neuzugelassenen Pkw mit einem Kältemittel ausgestattet werden, das einen GWP von 150 oder geringer hat.

Was bedeutet GWP?

GWP steht für global warming potential (deutsch: Treibhauspotential). Ein GWP-Wert von 1430 (wie beim Kältemittel R134a) bedeutet, dass ein Kilogramm R134a eine 1430 mal stärkere Wirkung auf die Erhöhung des Treibhauseffektes hat als ein Kilogramm Kohlendioxid (CO2). Für die Treibhauswirkung von CO2 wurde ein GWP von 1 festgelegt.

1234yf - Eigenschaften

R1234yf ist als Kältemittel ein relativ neuer Stoff. R1234yf ist brennbar bzw. leicht entzündlich und bildet an heißen Oberflächen und beim Verbrennen Fluorwasserstoff. Im Fall eines Fahrzeugbrandes, der in Deutschland etwa 20.000 bis 30.000 mal pro Jahr vorkommt, entsteht aus dem Kältemittel auch Flusssäure, die bei Menschen schwere Verätzungen hervorrufen kann. Die Bildung von anderen sehr giftigen Gasen wie Carbonyldifluorid (COF2) wird vermutet.

R1234yf hat ein für die Erfüllung der EU-Richtlinie ausreichend niedriges Treibhauspotential, das früher mit 4 und mittlerweile mit 1 angegeben wird. Nachteilig ist aber, neben der Brennbarkeit, die technische Möglichkeit, in Fahrzeugklimaanlagen mit 1234yf das klimaschädliche R134a nachzufüllen, warnt das Umweltbundesamt. Außerdem zerfällt R1234yf in der Atmosphäre in die algengiftige und kaum abbaubare Trifluoressigsäure (kurz TFA), die sich in Gewässern anreichert. .

Kohlendioxid

Kohlendioxid ist deutlich weniger klimaschädlich als der zuvor benutzte Stoff R134a, es unterbietet ihn sogar um mehr als das Tausendfache. Außerdem ist Kohlendioxid  weder brennbar noch giftig, wenn auch nicht komplett ungefährlich. Und im Gegensatz zu R1234yf, das einzig von den Chemiekonzernen Honeywell und Dupont vertrieben werden darf, ist es preiswert und als industrielles Nebenprodukt leicht verfügbar.

Bei stationären Klimaanlagen wird CO2 bereits seit längerer Zeit eingesetzt. Im Auto jedoch sind entsprechende Klimaanlagen noch nicht serienreif. Hersteller und Zulieferer arbeiten seit Jahren daran, hatten die Entwicklung nach der Branchenentscheidung für R1234yf jedoch nicht mehr forciert.

Größtes Problem der CO2-Technik ist, dass sie mit höheren Drücken arbeitet als die bisher gängigen Systeme und deshalb neue, daran angepasste Klimaanlagen benötigt. Die Entwicklung und Serieneinführung der Anlage ist für den Hersteller mit höheren Investitionskosten verbunden.

Linkliste

Die EU schreibt R1234yf vor, weil es umweltfreundlicher als die Vorgänger-Substanz ist. Da Daimler bei internen Tests mit R1234yf jedoch Brandgefahr festgestellt hatte, blockiert der Konzern das neue Kältemittel. Die EU-Kommission in Brüssel muss noch grundsätzlich beurteilen, ob es eine Gefahr darstellt.

Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) war zuvor bei eigenen Tests zu keinem abschließenden Urteil gekommen und hatte die EU aufgerufen, nach Lösungen zu suchen. Dem KBA zufolge können sich in Extremsituationen zwar Flammen im Motorraum bilden. Im Rahmen des Produktsicherheitsgesetzes bestehe jedoch keine ernste Gefahr.

Die Branche verfolgt die Entwicklungen aufmerksam. Andere Autoriesen wie Toyota haben angekündigt, vorerst nicht auf das neue Mittel zu vertrauen. Die Mehrheit der Anbieter kann - wie auch Daimler - dank alter Typgenehmigungen noch die alte Substanz verwenden.

Von

dpa

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