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29.07.2015

17:37 Uhr

KMW und Nexter

Die Panzer-Allianz ist besiegelt

Nun ist es beschlossene Sache: Die Panzerbauer KMW und Nexter haben in Paris den Vertrag zum Zusammenschluss unterzeichnet. Damit kann die Konsolidierung auf dem europäischen Rüstungsmarkt fortschreiten.

Der französische Konzern tut sich mit seinem deutschen Wettbewerber KMW zusammen. dpa

Nexter-Panzer vom Typ Leclerc

Der französische Konzern tut sich mit seinem deutschen Wettbewerber KMW zusammen.

ParisDer deutsche Panzerbauer Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und sein französischer Rivale Nexter haben ihre Fusion besiegelt. Vertreter beider Firmen unterzeichneten am Mittwoch in Paris eine Vereinbarung, nach der sie unter dem Dach einer gemeinsamen Holding zusammengefasst werden sollen.

Durch den Zusammenschluss entsteht eine Rüstungsschmiede mit fast zwei Milliarden Euro Jahresumsatz und rund 6.000 Mitarbeitern. Die Fusion gilt als ein entscheidender Schritt in Richtung einer Konsolidierung der Rüstungswirtschaft in Europa. Das Fusionsvorhaben bedarf unter anderem der Zustimmung des deutschen Wirtschaftsministeriums, doch deuten Signale aus Regierungskreisen auf keinerlei Probleme damit hin.

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Einigkeit in der Koalition: Die Fusion der Rüstungskonzerne Krauss-Maffei-Wegmann und Nexter trifft auf Zuspruch von beiden Parteien. Eine Konsolidierung sei angemessen und der Abbau von Mehrfachstrukturen sinnvoll.

Beide Firmen hoben in einer gemeinsamen Mitteilung hervor, dass sich ihre Produktpaletten sowie ihre regionale Aufstellung auf den Märkten ergänzten. Stellenstreichungen soll es daher keine geben. Das Zusammengehen stärke sie vielmehr im Wettbewerb mit der Konkurrenz, namentlich in den USA. KMW hofft, dass das deutsch-französische Zusammengehen letztlich auch eine Harmonisierung der Rüstungsexportregeln in Europa auslösen könnte.

Dem Panzerbauer machte zuletzt die restriktive deutsche Exportpolitik zu schaffen. Allerdings machte ein Sprecher des deutschen Wirtschaftsministeriums am Mittwoch deutlich, dass die strengen deutschen Regeln auch dann gelten, wenn deutsche Zulieferungen oder deutsches Know-how in Produkte eines fusionierten Unternehmens im Ausland einflössen.

Die großen europäischen Rüstungsschmieden

Airbus

Der Airbus-Konzern ist der einzig wirklich paneuropäische Rüstungshersteller, an dem mehrere Länder beteiligt sind. Die Sparte Defense & Space beschäftigt 45.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete zuletzt einen Umsatz von gut 14 Milliarden Euro. Airbus baut unter anderem das militärische Transportflugzeug A400M, in Kooperation mit dem britischen Konzern BAE auch den Kampfjet Eurofighter. Dazu kommen weitere Militärtransporter, Hubschrauber, Elektronik und Aufklärungssysteme.

BAE Systems

Die Briten liefern sich in puncto Größe mit Airbus ein knappes Rennen. Neben Luftfahrttechnik bauen die 93.500 Mitarbeiter weltweit auch gepanzerte Fahrzeuge und Rüstungstechnik für den Kampf am Boden. Zuletzt kam BAE auf einen Umsatz von umgerechnet 21,8 Milliarden Euro. Eine geplante Fusion mit Airbus scheiterte 2012 am Widerstand der deutschen Regierung.

Thales

Die Franzosen kamen zusammen mit ihrem Zivilgeschäft im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 14,2 Milliarden Euro. Im Rüstungsgeschäft haben sie sich auf Luftabwehrsysteme, Elektronik, Drohnen und Cyber-Security spezialisiert. Der Konzern beschäftigt 65.000 Menschen.

Dassault Aviation

Der Flugzeugbauer ist vor allem für sein Kampfflugzeug Rafale bekannt. Die Franzosen entwickelten den Jet nach dem Ausstieg aus dem Eurofighter-Konsortium im Alleingang. Heute erwirtschaften knapp 12.000 Mitarbeiter einen Jahresumsatz von 3,7 Milliarden Euro. Dassault ist eng mit Airbus verbunden, das sich derzeit von seinen Minderheitsanteilen trennt, aber weiterhin in vielen Produktbereichen kooperiert.

Finmeccanica

In dem Riesenkonzern bündelte Italien seine Rüstungs- und Schwerindustrie. Neben Fluggerät baut das Unternehmen auch Helikopter und andere Militärausrüstung und erwirtschaftete insgesamt 14,7 Milliarden Euro mit gut 54.000 Mitarbeitern.

Nexter-KMW

Der fusionierte Panzerbauer kommt auf einen Jahresumsatz von zwei Milliarden Euro und setzt auf 6000 Mitarbeiter. KMW ist vor allem für klassische Panzer bekannt, etwa den Leopard 2. Nexter fertigt unter anderem den Panzer Leclerc für das französische Heer sowie leichte bis mittelschwere Panzerfahrzeuge.

Rheinmetall

Der Hersteller legendärer Kanonen wie der Hauptwaffe des Leopard 2 oder der Panzerhaubitze 2000 mischt bei vielen Rüstungsprojekten in Europa über Kooperationen mit anderen Herstellern wie etwa KMW mit. Die gut 20.000 Mitarbeiter der Rheinländer erwirtschaften Jahreseinnahmen von 4,7 Milliarden Euro.

Saab

Nach dem Abschied von der Autofertigung konzentrieren sich die Schweden seit längerem auf den Bau von Militärflugzeugen und Luftkampfwaffen, etwa den Kampfjet Gripen. Neben den heimischen Streitkräften nutzen auch die Armeen von Brasilien, Südafrika, Tschechien und Ungarn das Modell. Rund 14.000 Mitarbeiter schaffen einen Umsatz von 2,4 Milliarden Euro.

MBDA

Der Raketenspezialist gehört Airbus, BAE und Finmeccanica gemeinsam und beschäftigt fast 10.000 Mitarbeiter. Der Jahresumsatz lag zuletzt bei 2,4 Milliarden Euro.

RUAG

Der staatliche Schweizer Hersteller von Kriegsgerät kam durch die internationale Expansion auf fast 10.000 Mitarbeiter und Einnahmen von umgerechnet 1,7 Milliarden Euro. Außerhalb der Schweiz haben sich die Eidgenossen insbesondere auf Munition verlegt.

General Dynamics European Land Systems

Der US-Konzern General Dynamics hält sich einen eigenen europäischen Ableger. In Madrid haben die Amerikaner jene Unternehmen gebündelt, die sie in den vergangenen Jahrzehnten übernommen haben. Dazu gehören die spanische Santa Barbara Sistemas, die Schweizer Mowag und die österreichische Steyr-Daimler-Puch. General Dynamics bietet so eine breite Rüstungspalette an, vom Schützenpanzer bis zum Sturmgewehr.

Die Kleinen

Zu den Herstellern der Großsysteme gesellt sich eine Gruppe kleinerer Anbieter. Dazu zählen die deutschen Handwaffenhersteller Heckler & Koch, SIG Sauer und die belgische Herstal-Gruppe. Die fränkische Diehl Defense ist spezialisiert auf Lenkflugkörper und Artilleriemunition. Thyssen-Krupp Marine Systems baut Kriegsschiffe.

Nexter befindet sich bislang über die Holding GIAT in französischem Staatsbesitz, während KMW einer Familienholding gehört. Beide Seiten bündeln ihre Anteile künftig in einer niederländischen Holding, an der jeder Seite die Hälfte hält. Die Fusionspläne waren bereits Mitte 2014 bekanntgeworden.

Die Bundesregierung hat sich für ein stärkeres Zusammengehen der nationalen Rüstungsindustrien auf europäischer Ebene eingesetzt. „Die Bundesregierung setzt verstärkt auf eine europäische Zusammenarbeit bis hin zum Zusammengehen von in einzelnen Mitgliedsstaaten ansässigen Unternehmen unter Wahrung der nationalen Interessen“, heißt es in einem entsprechenden Strategiepapier, das vom Kabinett Anfang Juli verabschiedet wurde. Deutschland haben mit seinen wettbewerbsfähigen Unternehmen dabei viel einzubringen.

Von

rtr

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