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26.02.2012

10:35 Uhr

Koks-Kohle-Förderung

Entsteht eine neue Zeche im Ruhrgebiet?

VonJürgen Flauger, Martin Murphy, Regine Palm, Wolfgang Reuter

Ein Rohstoffabkommen mit der Mongolei sichert Deutschland zwar den Zugang zu Kokskohle. Doch auch bei Hamm gibt es lohnende Vorkommen. Dort verbieten aber EU-Verträge den Abbau.

Förderturm des ehemaligen Steinkohle-Bergwerks Zeche Amalie in Essen. dpa

Förderturm des ehemaligen Steinkohle-Bergwerks Zeche Amalie in Essen.

Düsseldorf, FrankfurtWer in Deutschland an Rohstoffmangel denkt, dem fallen Metalle ein wie Kupfer, Lithium, Molybdän oder auch Seltene Erden wie Neodym - rare Stoffe also, die in Computern verbaut werden. Kaum jemand aber denkt an Kohle, genauer gesagt: an Kokskohle.

Dieses schwarze, poröse Gestein, eine besondere Art der Steinkohle, ist zwar nicht rar - wohl aber teuer. Gut neun Millionen Tonnen importiert Deutschland jedes Jahr, denn Kokskohle wird veredelt zu Koks - dem Brennstoff, der in Stahlhütten verfeuert wird. Eine Tonne kostet zurzeit rund 215 Dollar zuzüglich 8,50 Dollar pro Tonne für die Seefracht. Der Preis wird in den kommenden Jahren vermutlich stetig steigen, ganz einfach, weil die Industrialisierung auch in den Schwellenländern enorm voranschreitet.

Es drohen also Engpässe - und deshalb ist jetzt über die Kokskohle ein erbitterter Streit entbrannt. Denn es gibt einen Plan, Kokskohle mit deutschem Geld in Asien zu fördern und dann um den halben Erdball zu transportieren. Eine absurde Vorstellung, denn man könnte den Rohstoff auch im Ruhrgebiet aus der Tiefe buddeln. Zurzeit sogar ohne Subventionen. Beide Optionen sind jedenfalls machbar - zumindest in der Theorie.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat im Oktober ein Rohstoffabkommen mit der Mongolei und Anfang Februar mit Kasachstan unterzeichnet. Das Ziel: Deutschland wird den Ländern Technologie liefern und beim Aufbau der Infrastruktur helfen - im Gegenzug für ein Kontingent dort abgebauter Rohstoffe.

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Unter Federführung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) hat sich nun die "Allianz zur Rohstoffsicherung" gebildet, ein Zusammenschluss von zwölf Unternehmen. Sie soll die Kooperationen mit Kasachstan und der Mongolei ausgestalten. Im Konzept des BDI, das dem Handelsblatt vorliegt, ist auch Kokskohle als Rohstoff "mit Versorgungsrisiko" genannt.

Dabei hat Deutschland eigene Kokskohleflöze. Jedenfalls bis zum 31. Dezember 2018 - danach ist Schluss. So will es die Europäische Union, die erbittert für ein Ende der jahrelangen Subventionierung der deutschen Steinkohle gekämpft hat. Danach aber ist nicht nur die subventionierte Kohleförderung verboten, was ja vernünftig wäre - es darf dann in bestehenden Zechen überhaupt keine Kohle mehr abgebaut werden. Bei einem Verstoß müssten alle Subventionen, die je in die Zeche geflossen sind, rückerstattet werden.

Kommentare (4)

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Revisor

26.02.2012, 12:44 Uhr

EU-Recht und _Regeln sind in weiten Bereichen revisionsbedürftig.

Subventionen laufen teils fehl oder richten Umweltschäden in Drittländern an, dagegen greifen "Verbote" im Inland, wo der technologische Standard am höchsten ist oder sich die Standards einfach weiterentwickelt haben.

Der Brüsseler Laden sollte mal grundlegend ausgemistet werden!

JAJA

26.02.2012, 13:08 Uhr

"Doch was wirtschaftlich möglich, vielleicht sogar sinnvoll ist, bleibt dennoch verboten."

Wofür steht die Europäische Sache eigentlich?
Wessen Interessen vertritt der BDI?

Es ist Absurd in Deutschland Arbeitsplätze abzubauen, die dann für viel Steuergeld in Asien wieder entstehen.
Könne diese Absatzmärkte nicht sinnvoller, sprich auf Kosten derer die den Nutzen davon haben, erschlossen werden?
Woher kommt der mittlerweile schon krankhafte Zwang Investitionen in das Ausland zu verlagern?

Steuerzahler

26.02.2012, 15:20 Uhr

Wenn der "oberste Betriebsrat des RAG-Konzerns", der für jeden Bergmann groteske jährliche Subventionen von über 100.000 Euro pro Kopf auf Kosten des Steuerzahlers erhält, uns erzählt, es sei eine ganz tolle Idee, in Deutschland Kokskohle zu fördern, dann ist wohl eine gehörige Portion Vorsicht geboten.

Wenn das alles so wirtschaftlich ist, steht es natürlich privaten Investoren frei, neue Zechen ohne staatliche Subventionen zu eröffnen. Aber klar ist auch: Wenn dann die Preise wieder fallen und das große Gejammer beginnt, wird der Subventionszirkus auf Kosten des Steuerzahlers nicht noch einmal beginnen. So dumm ist nämlich noch nicht einmal der deutsche Michel.

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