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28.08.2011

15:50 Uhr

Kommentar

China wird Spitzenreiter der alternativen Energien

VonFrank Sieren

Wieder einmal wurde China unterschätzt. Während die Deutschen ihre Energiewende planen, ziehen die Chinesen im Bereich der alternativen Energien an ihnen vorbei.

2010 sind erstmals die meisten neuen Windräder nicht in Europa und Nordamerika, sondern im Reich der Mitte aufgestellt worden. dpa

2010 sind erstmals die meisten neuen Windräder nicht in Europa und Nordamerika, sondern im Reich der Mitte aufgestellt worden.

Während wir die Energiewende noch planen, sind die Chinesen, was alternative Energien betrifft, schon an uns vorbeigezogen. Das wird derzeit auf dramatische Weise sichtbar: Der einstige deutsche Weltmarktführer Q-Cells kämpft ums Überleben. Er hat im zweiten Quartal über 350 Millionen US-Dollar Verlust gemacht – fast das Vierfache des Gewinns des vergangenen Jahres. Auch die deutschen Wettbewerber straucheln. Einzelfälle, auf die Börsen nervös reagieren? Nein, es ist ein Trend, der hoffentlich nicht typisch für die deutsche Wirtschaft wird.

Wieder einmal haben wir die Chinesen unterschätzt. Während wir noch über chinesische Subventionen und Technologieklau lamentieren, haben die Chinesen uns überholt. Da ist es wenig tröstend, dass es den westlichen Konkurrenten nicht bessergeht. Kein anderes Land der Welt investiert inzwischen mehr Geld in erneuerbare Energien als China. Um vierzig Prozent haben die Chinesen ihre Investitionen im vergangenen Jahr gesteigert auf 54 Milliarden US-Dollar. Damit kommt fast ein Drittel aller grünen Investitionen der G20-Länder aus China.

Der Weltmarktanteil der deutschen Solarenergie ist innerhalb von fünf Jahren von fünfzig auf gut zwanzig Prozent gesunken. Der Anteil der Chinesen ist allein 2010 von 36 auf 45 Prozent gestiegen. Die größten deutschen Solarunternehmen stehen 2011 auf Platz 16 und 17 der Weltrangliste. Spitzenreiter ist inzwischen ein chinesischer Konzern. Dabei haben die Chinesen noch gar nicht richtig angefangen. Die chinesischen Investitionen sind, an der Einwohnerzahl gemessen, im Vergleich zu Deutschland noch klein.

Bei der Windenergie sieht es nicht besser aus. Erstmals sind 2010 die meisten neuen Windräder nicht in Europa und Nordamerika, sondern im Reich der Mitte aufgestellt worden. Fast die Hälfte aller weltweit pro Jahr errichteten neuen Windmühlen steht in China. Anfang Juli 2011 gelang es dem chinesischen Unternehmen Sinovel sogar, einen Großauftrag in Irland im Wert von eineinhalb Milliarden Euro zu akquirieren.

Die größte Solaranlage Griechenlands wird von dem chinesischen Hersteller Yingli Solar gebaut. Die Deutschen hingegen kriegen den Fuß in China kaum noch auf den Boden. 2004 wurden noch neunzig Prozent von Chinas Windanlagen von Ausländern geliefert. Im Jahr 2010 stammten neunzig Prozent der Anlagen aus chinesischer Produktion.

Kommentare (6)

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Pendler

28.08.2011, 15:59 Uhr

Naja, die Chinesen fördern und streicheln ihre Wirtschaft. Kein Wunder, dass sie einer sicheren Zukunft entgegen sehen.

Und wir streicheln die Dolce-Vita Staaten und die Hartz-IV Empfänger. Ob wir damit dann auch Technologie-Führer werden?

MisterX

28.08.2011, 16:37 Uhr

Mit Dummbroten wie Murksel, Schwesterwelle, Röttgen oder Gabriel ist eben kein Staat zu machen. Wir sind Durchschnitt, nicht mehr (aber auch nicht weniger). Nur manche schnallen das eben noch nicht und reden von vergangenen Zeiten....

hyporealer

28.08.2011, 23:25 Uhr

Bitte zu beachten, dass ca. 40% der Windenergieanlagen auf dem chinesischen Markt (zu 90% von chinesen Herstellern) nicht am Netz sind und die Statistiken daher verfälschen. Ursache dafür sind vorallem Qualitätsprobleme und Anbindungsschwierigkeiten aufgrund starker Frequenzschwankungen. Desweiteren hat für die verbleibenden, funktionierenden Anlagen (hier ist besonderes das Getriebe zu erwähnen) eine Dauerbelastung noch nicht stattgefunden, da ca. 80% der Anlagen erst seit 3 Jahren in Betrieb sind. Erst wenn man hier mehr Erfahrung in Sachen Langlebigkeit (Laufzeit größer 10 Jahre) gemacht hat, kann man von einer ernstzunehmenden Konkurrenz für die deutschen Anlagenbauer sprechen.

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