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16.02.2011

10:57 Uhr

Kommentar Daimler

Sternstunde unter Vorbehalt

VonCarsten Herz

Es ist ein kräftiges Ausrufezeichen, das Daimler aus der Carl-Benz-Arena in Stuttgart sendet. Doch damit sind aus dem Stern in Stuttgart-Untertürkheim noch längst nicht alle Kratzer herauspoliert. Ein Kommentar von Carsten Herz.

Es ist ein kräftiges Ausrufezeichen, das Daimler aus der Carl-Benz-Arena in Stuttgart sendet. Der Autokonzern hat mit einem operativen Ergebnis vor Steuern und Zinsen von mehr als sieben Milliarden Euro fulminant die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft und auch die Margen im Konzern stimmen wieder. Wie stark sich die Stuttgarter fühlen, zeigt, dass sie auch ihren Aktionären wieder eine deutliche Dividende ausschütten wollen, nachdem im vergangenen Jahr das Management den Anteilseigner noch eine Nulldiät verordnet hatte.

Daimler-Boss Dieter Zetsche macht keinen Hehl daraus, welche Richtung er in diesem Jahr für den Konzern einschlagen will: Aufwärts. Sind aus dem Stern in Stuttgart-Untertürkheim also alle Kratzer herauspoliert? Nein, das sind sie keineswegs.

Denn das Management um Vorstandsboss Dieter Zetsche weiss nur zu gut, dass der momentan überraschend starke Aufschwung bisher vor allem nur auf zwei Füßen steht: Den beiden großen Auslandsmärkten USA und China. Niemand kann aber mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, ob die Party nicht bald schon wieder vorbei ist.

Wie schnell sich die Situation gerade in China verändern kann, wurde den Managern erst Ende vergangenen Jahres wieder zu Bewusstsein geführt, als völlig überraschend Peking die Zulassungsregeln für Neuwagen massiv einschränkte.

In der Metropole werden Nummernschilder jetzt begrenzt und verlost, weil sonst ein Verkehrskollaps droht. Sollte das Modell der chinesischen Hauptstadt Schule machen, könnte es mit dem Boom so schnell wieder vorbei sein, wie er gekommen ist. Auch die hohen Rohmaterialpreise sowie knappe Kapazitäten der eigenen Produktion und der Zulieferer könnten die Vorwärtsbewegung noch bremsen.

Dennoch spricht viel dafür, dass die Autobranche insgesamt vor einem guten Jahr steht. Die Weltwirtschaft ist auf den Wachstumspfad zurückgekehrt, in Deutschland kehrt die Kauflaune zurück und in den Schwellenländern dringt eine wachsende Mittel- und Oberschicht danach, ihren neuen Wohlstand auch mit Oberklasse-Autos Made in Germany zu dokumentieren. Die Edelmarke mit dem Stern profitiert dabei vor allem von der Rückkehr der Nachfrage nach großen Luxuskarossen wie der S-Klasse.

Außerdem spült das wieder erwachte Interesse der Kunden für schicke Extras in den Luxusschlitten Geld in die Kasse. Schon hat der Konzern wieder ein Luxusproblem und muss Kunden länger als gewohnt beim Kauf eines Neuwagens warten lassen. Es bedarf also keines überschäumenden Optimismus’, um vorzusagen, dass Daimler alle Chancen hat, 2011 weiter zuzulegen.

Doch die Investoren sollten ihre Vorfreude lieber zügeln. Denn noch können Altlasten die gute Stimmung wieder rasch verwehen. Aller Voraussicht nach werden dem Konzern dieses Jahr im milliardenschweren Streit mit dem Bund um die Mautfirma Toll Collect die Rechnung präsentiert: Berlin macht sich offensichtlich berechtige Hoffnungen darauf, im Sommer eine Milliardensumme als Kompensation für das Debakel von den beiden Toll-Collect-Großaktionären Telekom und Daimler einzutreiben. Das könnte ein empfindliches Loch in die sich gerade wieder füllende Firmenkasse von Daimler reißen – und Zetsche schon wieder die Jahresbilanz vermasseln.

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