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05.04.2011

10:19 Uhr

Kommentar

Mehr Lobby für die Windkraft

VonThorsten Giersch

Die Solarbranche hat durch massive Lobbyarbeit hohe Vergütungen erstritten. Dabei liegt in der Windkraft ein viel größeres Potenzial für Deutschland. Die Politik muss jetzt handeln. Ein Kommentar von Thorsten Giersch.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) posiert gern für die Windkraft - aber tut er auch genug für ihren Ausbau? Quelle: dpa

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) posiert gern für die Windkraft - aber tut er auch genug für ihren Ausbau?

Selten hat das Bild von der Henne und dem Ei so gut gepasst wie bei der Erzeugung von Strom durch Windkrafträder auf hoher See. Diese sogenannte Offshore-Technik ist seit langem ein großer Hoffnungsträger, aber eben auch mächtig im Verzug. Jahre hängt die Branche hinter ihren Planungen hinterher.

Jeder Beteiligte gibt dem anderen die Schuld – mal fehlt die Henne, mal das Ei: Die Politik schimpft auf die Versorger, die zu spärlich investieren. Die beschweren sich bei den Herstellern der Windkrafträder, wo die funktionierenden Anlagen bleiben. Die Seehäfen ernten Kritik, weil ihre Infrastruktur hinterherhinke und gemeinsam schimpft die Branche auf die Regierung, weil die Förderung nicht hoch genug sei und es an Planbarkeit mangele.

Recht haben sie alle – zumindest zum Teil. Immerhin durchbrechen die Seehäfen nun den Kreis: So wurden zum Beispiel in Cuxhaven 450 Millionen Euro investiert, um den passenden Rahmen zu schaffen für die Hersteller von Offshore-Windräder bzw. deren Zulieferer. Knapp die Hälfte dieser Summe kommt vom Land Niedersachsen.

Kein Wunder, könnten Kritiker unken, schließlich ist Ministerpräsident David McAllister im Landkreis Cuxhaven geboren. Aber die Investitionen wurden schon von seinem Vorgänger Christian Wulff angestoßen.

Das Investment ist für Niedersachsen ein Risiko. Dennoch hat McAllister völlig Recht, wenn er wie vor kurzem von einer „Jahrhundertchance“ für die Nordseeküste spricht. Doch wer A sagt, muss auch B sagen und so macht McAllister mächtig Druck und schielt auf ein Fünf-Milliarden-Euro-Kreditprogramm der KfW.

Offshore-Windenergie stärker zu fördern ist der richtige Ansatz. Bisher hatte die Windkraft das Problem, in Berlin eine vergleichsweise schwache Lobby zu haben. Das muss sich dringend ändern. Denn es lohnt sich derzeit deutlich mehr, die Windenergie auf hoher See zu fördern als den Solarstrom.

Anders als Solarzellen transportiert man ein Windrad nicht mal eben von China nach Deutschland. Zudem braucht es für die Produktion Fachkräfte. Deutschland hat in vielen Bereichen einen Vorsprung, den Politik und Energieunternehmen durch allzu zaghaftes Investieren nicht verspielen dürfen.

Die Politik muss für Planbarkeit bei den Subventionen sorgen, die großen Versorger und die Stadtwerke mutig sein bei der Investition in Windparks auf hoher See. Frei von Risiken ist die Windkraft nicht, aber die Erfolgschancen sind für Deutschland zu groß, um sie verstreichen zu lassen.

 

 

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