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09.08.2011

13:54 Uhr

Kommentar

RWE und Eon müssen endlich aufwachen

VonKlaus Stratmann

Eon und RWE stehen beispielhaft für das Ende einer Ära - und für Konzeptionslosigkeit. Die Energiewende hat sie kalt erwischt.

Klaus Stratmann ist Korrespondent in Berlin und Experte für Energiethemen. Quelle: Pablo Castagnola

Klaus Stratmann ist Korrespondent in Berlin und Experte für Energiethemen.

Selten hat sich das Geschäftsmodell einer Branche in solchem Tempo verändert. Die Energiewende entwertet nicht nur einen erheblichen Teil der Stromerzeugungskapazitäten der vier Unternehmen Eon, RWE, EnBW und Vattenfall. Sie stellt zugleich das auf große Einheiten und große Profite ausgerichtete Geschäftsmodell der Konzerne infrage.

Jahrzehntelang war alles ganz einfach für die Chefs der Energiekonzerne. Sie bauten ihre Großkraftwerke dort, wo die Industrie sie brauchte und die Bevölkerung leicht versorgt werden konnte. Wettbewerb spielte zunächst gar keine, später eine untergeordnete Rolle, seit einigen Jahren spielt er immerhin eine wahrnehmbare Rolle. Auf diesem Nährboden sind Konzerne entstanden, die nun zu träge sind.

Erneuerbare Energien? Ein Geschäft für Spinner. Dezentrale Versorgung? Eine Idee für Träumer. So tickten sie lange Zeit, die Manager in den Konzernzentralen. Sich von den komfortablen Rahmenbedingungen zu verabschieden fiel ihnen schwer. Auf jede Veränderung reagierten sie unwirsch, meist mit einem Protestbrief an den jeweiligen Amtsinhaber im Kanzleramt.

Das Beharrungsvermögen vergangener Jahre rächt sich jetzt. So hätte man durchaus schon vor ein paar Jahren bemerken können, dass sich die erneuerbaren Energien zu einem interessanten Betätigungsfeld entwickeln. Statt sie voranzubringen, standen die vier Großen lange am Spielfeldrand. Selbst heute tun sie das noch - auch wenn sie sich offiziell zur Stromgewinnung aus Wind, Sonne, Wasser, Geothermie oder Biomasse bekennen. In Wahrheit fremdeln sie damit noch immer.

Kommentare (24)

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Kurbel33

09.08.2011, 10:14 Uhr

Ja, so kann man das sehen und sogar noch einen Schritt weiter denken. Harry Roels, Vorgänger von Großmann, wurde immer vorgeworfen, er habe keine Vision für die Zukunft von RWE. Hat er doch gehabt: die Schulden deutlich senken, die Unternehmenseinheiten profitabel machen und finanziell flexibel für die energiepolitischen Herausforderungen aufstellen. Und die Herausforderungen waren und sind immens. Denn vor allem die Konzeptlosigkeit der deutschen Energiepolitik macht das Umfeld so unberechenbar. Hätte Roels zu seiner Zeit die Vision auf Erneuerbare Energien gelenkt, wäre er im eigenen Hause milde belächelt worden. Und die Medien hätten ihn als Träumer betitelt. Das gut bestellte Haus hat nun Großmann zunichte gemacht. Schulden von rund 30 Mrd. Euro schleppt RWE mit sich herum und muss nun verkaufen, was das Zeug hält. Schauen wir auf E.ON: zügellose Auslandsexpansion, strategische Prämien für Akquisitionen verpulvert, um anschließend hohe Wertberichtigungen vorzunehmen. Auch RWE kann da gut mithalten: der Wasserversorger Thames Water war ein mehrere Hundert-Millionen-Grab. So richtig hat sich keiner vom Management mal die unterirdische Wasserinfrastruktur angeschaut. In einigen Jahren versickerte rund ein Drittel des transportierten Wassers. Bei RWE nPower in Großbritannien hat sich auch keiner so richtig den technischen Zustand der Kraftwerke angesehen. Schnell zugreifen, akquirieren und sich vom Kapitalmarkt feiern lassen. Ständige Reparaturen und ein unberechenbares regulatorisches Umfeld kennzeichnen den britischen Stromversorger. Hinzukommt die äußerst üppige Dividendenpolitik der letzten Jahre, Geld das dem Konzern nun fehlt. Es ist schön die Investoren zu begeistern, doch sichert man so die Zukunft des Unternehmens und der Mitarbeiter? Bei Großmann kann man auch etwas anderes noch beobachten. Mit seinem Stahlunternehmen hätte er als Eigentümer wohl kaum solche Schulden eingefahren. Als angestellter Manager kann er das.

Account gelöscht!

09.08.2011, 11:09 Uhr

Die 4 grossen deutschen Energieversorger, wie auch alle anderen Oligopolisten im Rest der Welt, sollten die einzige sinnvolle Strategie für eine nachhaltige ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Zukunft adoptieren: Smart Green Utility werden - und zwar so schnell wie möglich. Smart bedeutet, IKT (Informations- und Kommunikationstechnologien) konsequent einsetzen, alle Stromerzeuger und -verbraucher online bringen, damit Angebot und Nachfrage in Echtzeit gemessen, gesteuert und optimiert werden können. Green bedeutet, konsequent auf Erneuerbare Energien (EE) setzen und Atom- und Kohlestrom durch EE und Erdgas und Biogas ersetzen. Ich bin sicher, dass auch die Mitarbeiter mitziehen und eine Umschulung zum Smart Green Utility Manager oder Engineer proaktiv unterstützen werden. Dafür sollten die EVUs ihre Finanzkraft stärken und starke Partner und Co-Investoren für die Beschleunigung des Umbaus der Energiewirtschaft suchen. (Jan Michael Hess, Ecosummit, Smart Green Business Network)

Hellwach

09.08.2011, 13:11 Uhr

Auch als Kommentator hat man nicht die absolute Weisheit mit großen Schaumlöffeln gefressen, wie dieses Beispiel als abgehobene Einzelmeinung erkennen läßt !

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