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28.03.2011

22:20 Uhr

Kommentar

Siemens unter Aktionismus-Verdacht

VonAxel Höpner

Viel Zeit ist seit dem letzten nicht vergangen, nun steht Siemens erneut vor einem großen Umbau. Osram soll an die Börse, ein neuer Sektor soll die Geschäfte mit den Megacities dieser Welt bündeln. Purer Aktionismus?

MünchenAuf den ersten Blick sieht es ein wenig nach Aktionismus aus. Es ist nicht lange her, da hat Siemens-Chef Peter Löscher den radikalen Umbau des Konzerns für weitgehend beendet erklärt. Siemens sei nun ein ganz normales, bestens positioniertes Unternehmen. Von wegen! Nur kurze Zeit später schickt Löscher die Lichttochter Osram an die Börse und schafft einen neuen Groß-Sektor mit 20 Milliarden Euro Umsatz. Auch die Verkleinerung des Vorstands, die eine seiner ersten Amtshandlungen war, wird teilweise rückgängig gemacht. Die Zahl der Top-Manager im obersten Führungsgremium steigt von acht auf zehn.

Ein komplexer Koloss wie Siemens, das hat auch Löscher lernen müssen, ist nicht so einfach mit schlanken Strukturen zu führen. Daher bekommt der Konzern nun auch wieder einen eigenen Technikvorstand, der sich um Forschung und Innovationen kümmern soll.

Doch bedeutsamer noch ist die Schaffung des vierten Sektors „Infrastrucure and Cities“. Nach der erfolgreichen Sanierung der vergangenen Jahre braucht Siemens eine neue Kapitalmarktstory. Da hat man es bei Siemens auch in der Vergangenheit schon mal damit versucht, einzelne Geschäftsbereiche neu aufzuhängen. Auf diesem Weg kann man auch renditeschwache Divisionen ganz verschwinden lassen. So passiert es jetzt mit dem Siemens-Industrieservicegeschäft.

Doch es ist keine Portfolio-Kosmetik, die Löscher da betreibt. Sein Verdienst ist es, zukunftsträchtige Geschäftsfelder klar zu definieren und dann nach vorne zu bringen. So geschah es bereits mit dem Umwelt-Portfolio. Nun nimmt er sich das vielversprechende Geschäft mit den Megacities dieser Welt vor. Siemens muss in den nächsten Jahren nun nur noch beweisen, dass die Bündelung der Kräfte in einem eigenen Sektor tatsächlich zu einer Beschleunigung des Wachstums führt. Sollte dies gelingen, ist der Aktionismus-Verdacht vom Tisch.

 

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