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30.07.2015

09:10 Uhr

Kommentar zu Siemens

Für Kaeser ist die Zeit der Ausflüchte vorbei

VonAxel Höpner

Joe Kaeser hat bald bereits die Hälfte seiner ersten Amtszeit als Siemens-Chef hinter sich. Doch der Konzern tritt nach wie vor aufr der Stelle. Die Gelduld der Investoren könnte bald vorbei sein. Ein Kommentar.

Nach zwei Jahren an der Spitze kann der Siemens-Chef noch keine überragenden Erfolge vorweisen. ap

Joe Kaeser

Nach zwei Jahren an der Spitze kann der Siemens-Chef noch keine überragenden Erfolge vorweisen.

MünchenZugegebenermaßen ist das Umfeld für einen Infrastrukturkonzern nicht gerade günstig. Über China türmen sich dunkle Wolken, die europäische Schuldenkrise dauert an, die Geschäfte mit Russland sind eingebrochen. Kein Wunder, dass sich Konzerne mit einer starken Heimatbasis in Europa wie ABB und Siemens derzeit nicht ganz leicht tun.

Dennoch muss beim nüchternen Blick auf die Zahlen festgestellt werden: Auch nach zwei Jahren unter dem Vorstandschef Joe Kaeser tritt Siemens noch auf der Stelle. Der Umsatz steigt nur dank Währungseffekten. Und die operative Marge im Industriegeschäft liegt bei 9,5 Prozent und damit unter dem ausgegebenen Ziel von neun bis zehn Prozent. All das ist zumindest ordentlich, keine Krise. Doch Kaesers Vorgänger Peter Löscher wurde für solche Zahlen stark kritisiert.

Der Autor ist Redakteur im Ressort Unternehmen und Märkte. Pablo Castagnola

Axel Höpner

Der Autor ist Redakteur im Ressort Unternehmen und Märkte.

Nun muss man Kaeser zugestehen, dass er von Anfang an um Geduld gebeten hat. Schnelle Ergebnisse wären womöglich ein Strohfeuer gewesen, Kaeser aber will den Konzern nachhaltig auf die Erfolgsspur zurückbringen, daher auch seine „Vision 2020“. Für ein Urteil über seinen massiven Umbau ist es zu früh.

Doch die Zeit der Vertröstung und Ausflüchte muss jetzt vorbei sein. Kaeser hat den Investoren viel Geduld abverlangt, jetzt muss er liefern. Im kommenden Geschäftsjahr muss Siemens wieder wachsen – und zwar schneller als die Konkurrenz. Noch ist nicht ganz erkennbar, woher dieser Schub kommen soll.

Siemens: Joe Kaesers turbulente Umbaujahre

Siemens

Joe Kaesers turbulente Umbaujahre

Joe Kaeser hat Siemens umgebaut. Doch die Geduld der Investoren ist nicht unendlich. Das Renditeziel ist in Gefahr.

Manche Geschäfte laufen gut, wie zum Beispiel die Medizintechnik und die digitale Fabrik. Andere, wie die Prozessautomatisierung und die Energieerzeugung eher schlecht. Wie es meist bei Siemens gewesen ist. Auch der überteuerte Zukauf Dresser-Rand wird kurzfristig kaum helfen. Das Geschäft mit Kompressoren leidet noch immer unter dem niedrigen Ölpreis, der die Investitionen bei den Förderern bremst.

Womöglich werden es die eher weicheren Faktoren richten. So hat Kaeser die Hierarchie verschlankt und die Kundenzugänge verbessert, indem zum Beispiel der Vertrieb für Gasturbinen in Asien gestärkt wurde. Langfristig sollten sich auch die gesteigerten Investitionen in Forschung und Entwicklung auszahlen.

In einem halben Jahr hat Joe Kaeser schon die Hälfte seiner Amtszeit erreicht. Für die meisten im Konzern ist noch unklar, ob er eine zweite anhängen will. Die Frage stellt sich aber nur, wenn sein massiver Umbau bald Ergebnisse zeigt.

Was mal alles Siemens war

Ein Konzern im steten Wandel

Was hat Siemens nicht schon alles hergestellt. Telefone, Computer, Halbleiter oder Geldautomaten. Der Konzern, 1847 als Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske in Berlin gegründet, hat sich seither gründlich und stetig gewandelt. Geschäfte kamen hinzu, andere verschwanden. Die Liste prominenter Abgänge ist lang. Eine Auswahl früherer Siemens-Geschäfte.

Halbleiter

Die heftigen Turbulenzen auf dem Markt veranlasste Siemens, das Geschäft abzuspalten - der Halbleiterhersteller Infineon wurde 1999 an die Börse geschickt.

Telekommunikation

Zwar war Siemens als Telegraphen-Hersteller gegründet worden, doch der rasche Wandel auf dem Telefonmarkt überforderte den Konzern. Lange bevor Nokia den Anschluss an Apple auf dem Handymarkt verlor, musste Siemens Mobile trotz zunächst großer Erfolge einst Nokia ziehen lassen. Das Geschäft mit Mobiltelefonen gab Siemens 2005 an den BenQ-Konzern ab. Nur wenig später musste der die Produktion einstellen. Das Geschäft mit schnurlosen Telefonen für daheim verkaufte Siemens 2008 an Arques.

Netzwerke

Auch das Ausrüstungsgeschäft für Netzwerke trennte Siemens heraus und brachte das Geschäft 2007 in eine gemeinsame Firma mit Nokia unter dem Namen NSN ein.

Computer

Unter dem Namen Siemens Nixdorf baute Siemens einst nicht nur Geldautomaten, sondern auch Computer. Diesen Teil brachte Siemens in ein Joint Venture mit dem japanischen Hersteller Fujitsu ein und zog sich 2009 daraus zurück. Die Sparte mit Kassensystemen und Geldautomaten wurde zehn Jahre zuvor an Investoren verkauft und wurde 1999 als Wincor Nixdorf weiter geführt und an die Börse gebracht.

Auto

Wechselvoll ist auch die Geschichte, die Siemens als Autozulieferer erlebt hat. So hat der Konzern 2001 den Zulieferer VDO übernommen und mit dem eigenen Autogeschäft zusammengeführt. Nach einer Ein- und wieder Ausgliederung sollte VDO eigentlich an die Börse gebracht werden, ging aber dann 2007 im Wege eines Verkaufs an den Autozulieferer Continental.

Licht

Osram ist das jüngste Beispiel für ein Modell der Trennung. Das traditionsreiche Licht-Unternehmen gehörte lange zu Siemens. Angesichts milliardenschwerer Herausforderungen, etwa für die Entwicklung neuer Produkte nach dem Aus für die Glühbirne, wollte Siemens die Tochter mit einem Börsengang in die Freiheit entlassen - und dafür Milliarden einsammeln. Das klappte nicht, stattdessen buchte Siemens seinen Aktionären Osram-Aktien ins Depot, ein Börsengang light sozusagen. Seit 2013 ist Osram selbstständig.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

30.07.2015, 11:49 Uhr

Joe Kaeser hat doch die Medizinsparte in eine GmbH ausgegliedert....das ist und war ein strategischer Fehler von Joe Kaeser.

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