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17.04.2015

12:48 Uhr

Kommentar zu Volkswagen

Ist Piëch jetzt noch der Richtige?

VonChristian Schnell

Die angekündigte Vertragsverlängerung Martin Winterkorns ist eine große Überraschung. Er hat einen eigentlich aussichtlosen Kampf gewonnen – und sein Ruf ist dennoch beschädigt. Größter Verlierer ist aber ein anderer.

Christian Schnell

Christian Schnell

Handelsblatt-Redakteur berichtet regelmäßig über die Automobilindustrie.

Überraschende Wende in der Führungskrise bei Volkswagen: Vorstandschef Martin Winterkorn soll weiter an der Spitze des Konzerns stehen und seinen Vertrag sogar über 2016 hinaus verlängern. „Das Präsidium legt großen Wert darauf, dass Herr Professor Dr. Winterkorn seine Funktion als Vorsitzender des Vorstands auch weiterhin so aktiv und erfolgreich wie bisher verfolgt und hat hierbei die uneingeschränkte Unterstützung des Gremiums. Das Präsidium wird dem Aufsichtsrat jetzt vorschlagen, den Vertrag von Herrn Professor Dr. Winterkorn in der Februar-Aufsichtsratssitzung des Jahres 2016 zu verlängern“, hieß es im Wortlaut.

Bisher waren alle Beteiligten davon ausgegangen, dass in der Sitzung des Aufsichtspräsidiums, die am Donnerstag in der Zentrale der Porsche Holding in Salzburg stattfand, der Abgang von Martin Winterkorn beschlossen wird. Hatte doch der große Patriarch Ferdinand Piëch vor einer Woche seinen Vorstandschef Martin Winterkorn mit dem einen Satz „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn“ massiv beschädigt.

Volkswagen: VW will Vertrag mit Winterkorn verlängern

Volkswagen

VW will Vertrag mit Winterkorn verlängern

VW-Chef Martin Winterkorn bleibt im Amt. Der Aufsichtsrat soll den Vertrag des 67-Jährigen sogar über 2016 hinaus verlängern. VW-Aufsichtsratschef Piëch konnte für seine Kritik an Winterkorn keine Unterstützer finden.

Schon am Donnerstag hatte es im Nachklapp des Treffens, als es überraschenderweise keine Entscheidung gab, geheißen, dass vor allem die Arbeitnehmerseite sich massiv für den Verbleib Winterkorns eingesetzt habe. Auch das Land Niedersachsen hatte sich in Person von Ministerpräsident Stephan Weil für den Verbleib Winterkorns eingesetzt.

Beschädigt gehen aus dieser Diskussion nun viele Beteiligte heraus: Winterkorn, von dem nun bekannt ist, dass er das lange uneingeschränkte Vertrauen des mächtigen Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch nicht mehr genießt und das Verhältnis der beiden jetzt wohl unter Dauerbeobachtung stehen wird. Noch mehr jedoch Ferdinand Piëch selbst, der diese Diskussion vor einer Woche losgetreten hatte und nun als Verlierer dasteht, der seine Forderung erstmals in der langen Historie des Konzerns nicht durchgebracht hat.

Die Frage, ob er, der heute seinen 78. Geburtstag feiert, noch der richtige an der Spitze ist, dürfte nun unweigerlich gestellt werden. Das sieht man auch am Kapitalmarkt so. „Die intensiven Diskussionen der vergangenen Tage werden Piëchs Position in Zukunft schwächen“, sagt Michael Punzet, Analyst bei der DZ Bank, in einer ersten Diskussion. Gleichzeitig begrüßte er, dass nach einer Woche massiver Aufregung im Konzern nun wieder Ruhe einkehren dürfte.

Gestärkt gehen auf alle Fälle die Arbeitnehmer um den mächtigen Betriebsratschef Bernd Osterloh aus der Diskussion hervor, die sich von Anfang an klar für Winterkorn positioniert hatten. Fraglich ist jedoch, ob dies dazu führen wird, dass die nötigen Reformen gerade bei der Kernmarke VW auch angestoßen werden. Wie nötig die sind, zeigen allein die Absatzzahlen für das erste Quartal: Während die beiden Premiummarken Audi (+6,1 Prozent) und Porsche (+32,2 Prozent), aber auch die beiden Volumenhersteller Skoda (+ 7,2 Prozent) und Seat (+ 10 Prozent) deutlich zulegen konnten, verlor die Kernmarke VW 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Kommentare (4)

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Herr Martin Barzdainis

17.04.2015, 14:22 Uhr

Da liegt wohl jemand komplett daneben.

Herr Piëch spielt Wirtschafts-Schach, die anderen suchen ein Mikrofon oder ein Block, wo sie Ihren Senf dazugeben können.
Herr Winterkorn ist angeschossen und wird nun langsam "ausbluten", da er die Wende nicht schaffen wird. Die angebliche Vertragsverlängerung dient ausschließlich dazu, Zeit für einen geordneten Wechsel zu finden. Herr Piëch war sich m.E. 100%tig sicher, nicht mit dem ersten Zug zu gewinnen. Und die "jetzigen" Gewinner werden zu Verlierern, wenn Sie in nicht allzu langer Zeit der Ablösung von Herr Winterkorn zustimmen müssen.
Er wird es leider nicht sagen, aber alle Beteiligten werden wissen was er denkt! Das er Recht hat und die Anderen keine Ahnung von einer langfristigen Planung und Strategie.

Herr Johan Vranken

17.04.2015, 14:32 Uhr

Das Piëch verloren hat, war vorherzusehen nachdem Betriebsrat, Niedersachsen und Wolfgang Porsche sich geäussert hatten. Ob Herr Piëch Recht hat? Meines erachtens schon. Herr Winterkorn war bis jetzt zwar der richtige Mann aber wenn Piëch ausscheidet, wird er zum Verhängnis VW's werden. VW wird Betriebsfrieden kennen aber keine Vision mehr haben. Herr Piëch war immer der Visionär, Herr Winterkorn nie. Wie die verschiedene Auffassungen innerhalb des VW Vorstand sich durchsetzen werden, ist eine offene Frage. Das es keinen Umschlag gibt bei VW wird sich in kürzer Zeit nicht als Problem auswirken, wohl aber in den nächsten Jahren.
Mal sehen wie es weiter geht. Ich glaube nicht das Herr Piëch so ohne weiteres sein Verlust hinnehmen wird. Wenn die Marke VW weiter mach wie die letzte 6 Monaten, wird Winterkorn schon in arg Sturmwetter kommen.
Und eine Vertragsverlängerung in diese Umstände, ist wie im Fussbal: sie deutet eher auf Probleme als auf Ruhe und unterstützt Winterkorns Position nur im Namen, nicht in der Realiät. Es ist nur eine schöne finanzielle Sicherheit (hat er sie nicht schon?) für Herrn Winterkorn.

Herr Delete User Delete User

17.04.2015, 18:37 Uhr

@Martin Barzdainis

Da dürften Sie wohl Recht haben.

Allerdings hat Piëch für die heutige Zeit eine Rote Linie überschritten. Und somit sitzt er mit auf der Seite des Astes, den er angesägt hat und wird mit ihm zusammen runterfallen, wenn er bricht!

Solche Diskussionen führt man nicht in der Öffentlichkeit. Das hat so etwas wie "Bildzeitungs-Charakter" und drückt das erbärmliche Sozialverhalten eines Psychopathen an der Spitze des AR in dem Automobilkonzern aus. Bei aller Achtung der Erfolge von Piëch ist er diesmal zu weit gegangen und scheint angesichts seines hohen Alters eine tickende Zeitbombe zu sein. Mit zunehmendem Alter prägen sich insbesondere die schlechten Charaktereigenschaften von uns Menschen aus.

Piëch´s Ergüsse - ein Vorbote der Altersdemenz?

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