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18.08.2011

02:30 Uhr

Kommentar zur Ölkatastrophe

Shell hat nur wenig dazugelernt

VonKatharina Slodczyk

Gerade mal ein Jahr ist es her, dass Manager des Ölmultis Shell hinter vorgehaltener Hand prahlten: "Unsere Anlagen sind sicher, das Schicksal des Rivalen BP kann uns so schnell nicht passieren." Sie haben sich geirrt.

Die Shell-Bohrplattform, aus der das Öl ausgetreten ist. Quelle: dpa

Die Shell-Bohrplattform, aus der das Öl ausgetreten ist.

Seit einer Woche kämpft das niederländisch-britische Unternehmen vor der eigenen Haustür mit einer Umweltkatastrophe. Öl fließt aus einer Shell-Anlage vor der schottischen Küste. Gestern musste das Unternehmen einräumen, dass an einer anderen Stelle Öl austritt, nachdem das eigentliche Leck gestopft worden war. Mehr als 200 Tonnen sind bereits in die Nordsee gelangt.

Zugegeben, im Vergleich zu der von BP verursachten Ölpest im Golf von Mexiko sind die Schäden in der Nordsee bisher überschaubar. Etwa 660 000 Tonnen haben die US-Golfküste verseucht, Fischern, Restaurant- und Hotelbetreibern die Existenzgrundlage entzogen.

Das Öl in der Nordsee hat die Strände noch nicht erreicht. Eine Leitung in einer Tiefe von etwa 100 Metern unter dem Meeresspiegel abzudichten ist zudem leichter als im Golf von Mexiko, wo das Desaster 1600 Meter unter dem Meeresspiegel seinen Lauf nahm. Dennoch hat der Shell-Ölunfall das Potenzial, sich zur größten Katastrophe in der Region seit der Jahrtausendwende zu entwickeln. Bei dem letzten gravierenden Störfall in der Nordsee, der sich 2000 ereignete, sind 524 Tonnen des Rohstoffs ausgelaufen - etwa doppelt so viel wie jetzt.

Doch selbst wenn das Ausmaß der US-Katastrophe und des Vorfalls in der Nordsee nicht vergleichbar ist, gibt es eine wichtige Parallele: die nebulöse Kommunikationspolitik der Unternehmen. Während BP zunächst alles kleinredete und beschönigte, um von der schmutzigen Realität widerlegt zu werden, sagte Shell erst mal gar nichts.

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