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10.01.2011

13:22 Uhr

Kommsisionsbericht

BP-Managern könnten strafrechtliche Folgen drohen

VonKatharina Slodczyk

Die Anleger haben sich möglicherweise zu früh über den Abschlussbericht der Obama-Kommission zu den Ursachen der Ölpest gefreut. Mittlerweile vermuten Rechtsexperten, Manager von BP könnten strafrechtlich belangt werden. BP sei im wesentlichen für das Desaster verantwortlich, das könnte sich auch negativ auf den Kurs auswirken.

Ölpest im Golf von Mexiko: Der Abschlussbericht der Obama-Kommission kommt zu dem Schluss, das BP-Manager strafrechtlich verfolgt werden könnten. DAPD

Ölpest im Golf von Mexiko: Der Abschlussbericht der Obama-Kommission kommt zu dem Schluss, das BP-Manager strafrechtlich verfolgt werden könnten.

LONDON. Die Ölpest im Golf von Mexiko könnte für Manager des britischen Energiekonzerns BP strafrechtliche Folgen haben. So interpretieren Rechtsexperten die Auszüge des Abschlussberichts, den eine von US-Präsident Barack Obama eingesetzte Kommission vergangene Woche veröffentlichte. Und darauf deuten auch Aussagen von William Reilly hin, einem der Leiter dieses Gremiums.

Sie dämpfen damit die Hoffnungen der Anleger, BP könnte billiger davonkommen als ursprünglich befürchtet. Investoren und Analysten hatten diesen Schluss gezogen, weil die Obama-Kommission in ihrem Bericht zu dem Schluss kam, BP sei nicht allein Schuld an der Umweltkatastrophe, andere Unternehmen wie der Dienstleister Halliburton und der Ölplattformeigner Transocean hätten ebenfalls dazu beigetragen. Man habe es mit einem Problem der gesamten Branche zu tun. Daraufhin stieg der Aktienkurs des BP Konzerns deutlich.

"Diese Marktreaktion war voreilig", sagte Reilly Ende vergangener Woche. BP sei im wesentlichen für das Desaster verantwortlich. Andere Unternehmen seien zwar auch beteiligt gewesen. "Aber die meisten falschen Entscheidungen hat eindeutig BP getroffen", sagte Reilly. Das Management des Konzerns habe versagt. Für Rechtsexperten steht damit fest: Strafrechtliche Ermittlungen seien unvermeidbar, sagte David Uhlmann von der University of Michigan der Financial Times.

Analysten und Anleger hatten angesichts der bereits veröffentlichten Auszüge aus dem Abschlussbericht der Obama-Kommission argumentiert: Es werde jetzt schwierig, BP grobe Fahrlässigkeit als Ursache der Katastrophe nachzuweisen, weil das Untersuchungsgremium die Schuld auf mehrere Schultern verteilt habe. Ist keine grobe Fahrlässigkeit im Spiel, käme BP mit deutlich niedrigeren Strafzahlungen davon.

Rechtsexperten wie Uhlmann sehen die Sache anders: Für strafrechtliche Konsequenzen sei die Hürde niedriger. Da reiche es aus, wenn man den Managern Fahrlässigkeiten auf einem niedrigeren Niveau nachweisen könne. BP wollte sich dazu nicht äußern. Der Abschlussbericht der Obama-Kommision, der morgen komplett vorgelegt wird, ist ein Anhaltspunkt für die Höhe der Strafzahlungen, die auf BP zukommen. Entscheidend dafür werden aber auch die Untersuchungen des US-Justizministeriums, die noch andauern. Der britische Konzern ist wegen der Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko auch in die Liste der am meisten gehassten Unternehmen in den USA aufgestiegen. Diese Liste hat das Onlinemagazin "24/7 Wallstreet" Ende vergangener Woche veröffentlicht.

Mit Bloomberg

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