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18.03.2014

13:52 Uhr

Komplettübernahme

Scania widersetzt sich VW

Die Errichtung der Allianz zwischen Scania und MAN scheint für Volkswagen schwerer als gedacht zu werden. Die schwedische Lkw-Tochter hält das Übernahmeangebot für zu niedrig – und empfiehlt den Aktionären die Ablehnung.

Truck der VW-Tochter Scania: Die Wolfsburger wollen die Schweden komplett übernehmen, doch das Angebot hält Scania für zu niedrig. dpa

Truck der VW-Tochter Scania: Die Wolfsburger wollen die Schweden komplett übernehmen, doch das Angebot hält Scania für zu niedrig.

StockholmDer schwedische Lkw-Hersteller Scania stellt sich quer gegen die Übernahmeofferte seiner Konzernmutter Volkswagen. Der unabhängige Teil des Scania-Verwaltungsrates, in dem auch VW-Vorstände und VW-Patriarch Ferdinand Piëch sitzen, empfahl den Aktionären am Dienstag, das Angebot aus Wolfsburg auszuschlagen. Es sei trotz üppigen Aufschlags zu schlecht, Scania sei mehr wert, teilte das Unternehmen mit. Der Spezialist für Luxuslaster will nun sogar seine Quartalszahlen vorziehen, um noch in der laufenden Phase des Übernahmeangebots aus Wolfsburg seine Zugkraft zu demonstrieren.

Die ablehnende Haltung hatte sich bereits Ende Februar angebahnt, nachdem der VW-Konzern bekanntgegeben hatte, die restlichen Anteile an der schwedischen Lkw-Tochter für fast sieben Milliarden Euro einsammeln zu wollen. So möchte Volkswagen in den Besitz von mehr als 90 Prozent der Aktiengesamtzahl gelangen und plant, Scania am Ende von der Börse zu nehmen.

Der Wolfsburger Konzern, der bereits die Mehrheit an Scania hält, gab in einer Stellungnahme bekannt, sein Angebot zur Komplettübernahme von Scania nicht erhöhen zu wollen. Die Offerte beruhe auf Annahmen, die die langfristigen Einschätzungen von Scania widerspiegelten, teilte Volkswagen am Dienstag mit. Der angebotene Preis von 200 schwedischen Kronen (umgerechnet 22,26 Euro) je Aktie stelle eine attraktive und ausgewogene Offerte dar, sowohl für die Aktionäre von Scania als auch von Volkswagen. Folglich sehe VW keinen Anlass, seine Position zu ändern.

Die größten Lkw-Bauer der Welt

Platz 10

Weichai Power - Shaanxi (China) - 104.100 neu zugelassene Fahrzeuge in 2013

Die Sinotruk-Tochter gehörte zu den ersten Firmen, die in China Dieselmotoren produzierte. In Deutschland wurde das Unternehmen durch seinen Einstieg beim Gabelstaplerhersteller Kion bekannt.

Quelle: IHS Automotive

Platz 9

Tata (Indien) - 133.000 neu zugelassene Fahrzeuge

Der Mutterkonzern von Jaguar und Land Rover gehört auch im Nutzfahrzeugbereich zu den ganz Großen. Insbesondere im Heimatmarkt spielt das Unternehmen eine führende Rolle.

Platz 8

BAIC - Foton (China) - 136.000 neu zugelassene Fahrzeuge

Daimlers Schlüssel zum chinesischen Markt ist auch die Kooperation mit den Chinesen. Mit dem Lkw-Bauer Foton, der zum Reich von BAIC gehört, betreiben die Stuttgarter seit 2012 das Joint-Venture BFDA.

Platz 7

Paccar (USA) - 139.200 neu zugelassene Fahrzeuge

Der Hersteller aus Bellevue, Washington, baute im Zweiten Weltkrieg noch Panzer. Durch mehrere Übernahmen gehören die Amerikaner zu den Weltmarktgrößen im Lkw-Bereich.

Platz 6

CNHTC - Sinotruk (China) - 150.800 neu zugelassene Fahrzeuge

Der hinesische Lkw-Produzent beherrscht rund 20 Prozent des heimischen Marktes. Seit 2009 hält der deutsche Lkw-Bauer MAN 25 Prozent an den Chinesen.

Platz 5

Volvo Trucks (Schweden) - 177.200 neu zugelassene Fahrzeuge

Aus Göteborg in die Welt: Bei den ganz schweren Jungs gehören die Schweden zu den größten in Europa. Seit 2011 werden die Volvo Lastwagen auch in den USA gebaut.

Platz 4

Volkswagen (Deutschland) - 178.500 neu zugelassene Fahrzeuge

Mit den Marken MAN und Scania unter ihrem Dach schaffen es die Wolfsburger im weltweiten Vergleich auf die oberen Ränge. Geht es nach den Plänen des Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch soll das Duo die Weltspitze erobern.

Platz 3

First Automotive Works (China) - 180.800 neu zugelassene Fahrzeuge

Mit mehreren internationalen Herstellern unterhalten die Chinesen Joint Ventures, darunter Volkswagen und Toyota. Auch bei den Lastwagen gibt der Konzern, der einst mit sowjetischer Hilfe aus der Taufe gehoben wurde, den Ton an.

Platz 2

Dongfeng (China) - 264.400 neu zugelassene Fahrzeuge

Der Ostwind, wie die Marke übersetzt heißt, bläst weiter kräftig. Im Segment der mittelgroßen Lkw beherrscht das Unternehmen den wachsenden Heimatmarkt. Nur ein Konzern verkauft noch mehr Lastwagen.

Platz 1

Daimler (Deutschland) - 355.000 neu zugelassene Fahrzeuge

Neue Modelle geben dem Marktführer neuen Rückenwind - auch weil die Stuttgarter mit ihren internationalen Marken Freightliner, Fuso und Barat Benz auch international gut aufgestellt sind.

VW ist bereits seit 2000 an Scania beteiligt und hält direkt und indirekt insgesamt 89,2 Prozent der Stimmrechte und 62,6 Prozent des Kapitals an dem Nutzfahrzeugunternehmen. VW will mit der Komplettübernahme den ungestörten Zugriff auf Scania, um seine schleppende Nutzfahrzeugallianz im Konzern voranzubringen.

Der Scania-Verwaltungsrat - eine Art Mischform aus Vorstandsetage und Aufsichtsratskontrolleuren - hält die Offerte für zu gering, obwohl die Wolfsburger gut 50 Prozent Aufschlag auf den Durchschnittskurs der Papiere einpreisen. Scania teilte am Dienstag mit: „Mit Blick auf die langfristigen Aussichten für Scania, die Wachstumsperspektiven, technologische Exzellenz und das Synergiepotenzial, ist das Komitee der Überzeugung, dass das Angebot den langfristigen elementaren Wert von Scania nicht widerspiegelt (...) und empfiehlt den Scania-Aktionären daher, ihre Anteile VW nicht anzudienen.“

NordLB-Analyst Frank Schwope ist von der Entwicklung kaum überrascht. „Das ist die übliche Rhetorik“, sagte der Branchenkenner am Dienstag. Angebote erst einmal selbstbewusst als zu niedrig einzuordnen, sei ein gängiger Reflex - auch, um möglichen Klagen von Aktionärsseite vorzubeugen. Schwope geht davon aus, dass die Mehrheit der Aktionäre die Offerte aus Wolfsburg trotzdem kaum ausschlagen dürfte. Der Aufschlag von gut 50 Prozent auf den jüngsten Durchschnittskurs sei verlockend. Die Papiere liegen derzeit schon rekordverdächtig hoch.

Kommentare (1)

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18.03.2014, 08:58 Uhr

EU-Arbeitsplätze vs strategische Positionen: Klar bleibt, dass Scania wenn, dann eine Zukunftsinvestition ist.
Ob da heute Arbeitsplätze in der EU wegfallen oder morgen dafür umso mehr in der EU geschaffen werden.
Ebenso klar: lieber heute den Spatz in der Hand als morgen die Taube auf dem Dach: das kann es dann auch nicht mehr sein - rein zukunftsorientiert betrachtet.

Gleichwohl: die Lohnniveaus werden sich global a la long nivellieren - und darauf wirkt zukunftsgerichtete Unternehmenspolitik ausgerichtet.

Und das Selbstbewußtsein von Scania: durchaus verständlich.

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