Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.05.2016

18:59 Uhr

Konecranes kauft Demag-Kernsparte

Milliarden-Übernahme im Krangeschäft

Schon vor fünf Jahren begannen die Fusionsgespräche zwischen der finnischen Konecranes und Demag. Doch ein chinesischer Investor preschte dazwischen. Nun geht der Deal doch über die Bühne – wenigstens zum größten Teil.

Konecranes will das Demag-Kerngeschäft mit Industriekränen und Hafenanlagen für 1,13 Milliarden Euro übernehmen. dpa

Hafenmobilkrane

Konecranes will das Demag-Kerngeschäft mit Industriekränen und Hafenanlagen für 1,13 Milliarden Euro übernehmen.

HelsinkiMit fünf Jahren Verspätung könnte der deutsche Kran-Hersteller Demag Cranes zu großen Teilen doch noch beim finnischen Rivalen Konecranes landen. Konecranes will dem Demag-Cranes-Eigentümer Terex das Geschäft mit Industriekränen und Hafenanlagen für 1,13 Milliarden Euro abkaufen, wie die beiden Unternehmen am Montag mitteilten. Eigentlich hatten Konecranes und Terex eine Komplett-Fusion vereinbart, ehe der chinesische Baumaschinenkonzern Zoomlion mit einem 3,4 Milliarden Dollar (rund drei Milliarden Euro) schweren Übernahmeangebot für Terex dazwischenpreschte. Nun begnügen sich die Finnen mit dem ehemaligen Demag-Kerngeschäft, auf das sie es ohnehin abgesehen hatten. Sie machen damit zugleich den Weg frei für Gespräche von Terex mit den Chinesen.

2011 hatten Terex und Konecranes um Demag Cranes gebuhlt. Die US-Amerikaner setzten sich damals mit einer Offerte von knapp einer Milliarde Euro durch. Konecranes hatte am Ende auf ein Angebot für Demag verzichtet. Die Finnen sind auf Kräne für Fabriken, Werften und Häfen spezialisiert. Der US-Konzern Terex hat ein breiteres Produktspektrum mit Maschinen für den Bergbau, die Bau- und die Schiffsbranche.

Chancen und Risiken des deutschen Maschinenbaus

Rückgrat der deutschen Wirtschaft

Mit mehr als einer Million Beschäftigten gilt der Maschinen- und Anlagenbau als größter industrieller Arbeitgeber in Deutschland. Doch die Zeit rasanter Zuwächse scheint für die mittelständisch geprägte Schlüsselindustrie erst einmal vorbei. Die Branche sieht sich einem Mix aus Chancen und Problemen gegenüber.

Quelle: dpa

Bremseffekt China

Die Schwäche wichtiger Märkte wie China bremst die extrem exportorientierten Maschinen- und Anlagenhersteller erheblich, denn das Riesenreich ist ein gewaltiger Absatzmarkt für Maschinen „Made in Germany“. Doch die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sind vorbei. So rechnet der Branchenverband VDMA mit einen Ausfuhr-Rückgang um 6 Prozent auf gut 16 Milliarden Euro im Jahr 2015.

Bremseffekt Russland

Die seit 2014 wirksamen Sanktionen gegen Putins Reich haben in den Bilanzen der deutschen Maschinenbauer deutliche Spuren hinterlassen. 2015 sollte der Maschinen-Export dorthin nach Schätzungen nur noch rund 5 Milliarden Euro betragen, fast 3 Milliarden Euro weniger als zwei Jahre zuvor. In der Tabelle der Exportmärkte fiel Russland von Rang 4 auf Platz 10 zurück.

Entlastung und Risiko Ölpreis (1)

Der Absturz des Ölpreises senkt die Energiekosten bei der Produktion. Zugleich setzt er die Ölindustrie als Kunden der Maschinenbauer unter Druck. Die Folge: Investitionen werden verschoben. Komplizierte und daher teure Förderprojekte werden auf Eis gelegt.

Entlastung und Risiko Ölpreis (2)

Das Wartungsgeschäft entwickle sich dagegen robust, sagte Siemens-Chef Joe Kaeser jüngst. Weil der Verbrauch steige, müsse mehr Öl durch Pipelines gepumpt werden, wovon Siemens mit Ersatzteilen für Pumpen und Kompressoren profitieren könne. Siemens hatte 2014 den US-Kompressorenhersteller Dresser-Rand gekauft.

Rückenwind Euro

Durch den Kurs-Rückgang der Gemeinschaftswährung werden deutsche Produkte auf dem Weltmarkt tendenziell billiger. Das kann die Nachfrage ankurbeln. Insbesondere auf dem US-Markt sind deutsche Maschinen dadurch preislich im Moment sehr konkurrenzfähig. Auch im Euro-Binnenmarkt lief es zuletzt wegen des Nachholbedarfs besser.

Hoffnung Iran

Das Land hat nach dem Ende der Sanktionen großen Nachholbedarf, es fehlt überall an modernen Maschinen, Anlagen und Komponenten. Daher hofft die Branche auf steigende Nachfrage aus dem traditionell eng mit der deutschen Wirtschaft verknüpften Land. Wichtig ist dabei aus Sicht der Maschinenbauer ein sicheres Finanzwesen - ohne das Risiko, für am Ende doch nicht erlaubte Geschäfte belangt zu werden, etwa von US-Behörden. Der niedrige Ölpreis limitiert zudem die Finanzen der Islamischen Republik, wo auch Konkurrenten wie Frankreich, Italien und China unterwegs sind.

Hoffnung TTIP (1)

In den Verhandlungen zwischen den USA und der Europäischen Union ist dem Maschinenbau ein eigenes Kapitel vorbehalten. Der VDMA verspricht sich einen deutlich verbesserten Zugang zum US-Markt. Die Zölle für Einfuhren seien zwar prozentual eher niedrig, belaufen sich laut Verbandsschätzung für den Maschinenbau aber trotzdem auf hunderte Millionen Euro im Jahr.

Hoffnung TTIP (2)

Noch wichtiger wäre den Unternehmen der Wegfall anderer Handelshemmnisse, wenn es zum Beispiel um unterschiedliche Normen für Stecker, Kabel oder Gewinde geht. Derzeit verteuere die Umrüstung und notwendige Zertifizierung in den USA die deutschen Produkte um 5 bis 20 Prozent.

Hoffnung Afrika

Der afrikanische Kontinent gilt trotz aller Probleme als wachsender Exportmarkt mit Zukunft. Vor allem Länder südlich der Sahara streben nach VDMA-Einschätzung danach, Technologie für den eigenen wirtschaftlichen Fortschritt und die Etablierung einer verarbeitenden Industrie einzukaufen. Man wolle die eigenen Bodenschätze und Agrarprodukte im Land selbst verarbeiten. Allerdings ist bei den dafür notwendigen Maschinen die Konkurrenz groß: Vor allem die Chinesen haben sich große Marktanteile gesichert, aber auch Italien und die USA lagen zuletzt vor den deutschen Anbietern.

Das Industrie- und Hafen-Krangeschäft, das die Finnen nun im Visier haben, kam 2015 auf einen Umsatz von 1,39 Milliarden Euro, Konecranes selbst setzte 2,13 Milliarden Euro um. Mit dem Zukauf käme Konecranes auf 19.000 Mitarbeiter. An der Börse in Helsinki kamen die Pläne gut an. Die Konecranes-Aktie schoss um 18 Prozent in die Höhe. "Beide Unternehmen haben das bekommen, was sie wollten", kommentierte Analyst Juha Kinnunen von Inderes Equity Research. Für Konecranes sei die Übernahme wohl sogar sinnvoller als die Fusion mit Terex. Konecranes rechnet damit, dass sie binnen drei Jahren Synergieeffekte von 140 Millionen Euro bringt.

Die Finnen zahlen 820 Millionen Dollar in bar, zudem bekommt Terex ein Konecranes-Aktienpaket, das ihnen eine Beteiligung von 25 Prozent einbringt. Sollte Zoomlion Terex am Ende doch als Ganzes kaufen wollen, können die Amerikaner den Verkauf bis Ende Mai noch stoppen. Dann bekäme Konecranes eine Entschädigung von 37 Millionen Dollar. Zoomlion wird in der US-Politik allerdings aus Gründen der nationalen Sicherheit kritisch gesehen.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×