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03.07.2013

07:10 Uhr

Konflikt mit Subunternehmer

Bilfinger droht massiver Schaden in Katar

ExklusivDer Baukonzern Bilfinger streitet in Katar mit einem Subunternehmer – und muss nun ein böses Ende befürchten. Die Baugesellschaft soll 65 Millionen Dollar zahlen.

Skyline von Doha: Bilfinger hat Ärger wegen eines Auftrags in der katarischen Hauptstadt. dpa

Skyline von Doha: Bilfinger hat Ärger wegen eines Auftrags in der katarischen Hauptstadt.

Der deutsche Baukonzern Bilfinger steht nach einem Bericht des Handelsblattes (Mittwochausgabe) vor einem schweren Imageschaden in der für die Baubrache wichtigen Golfregion. Nachdem sich Bilfinger jahrelang geweigert hat, ein Schiedsurteil der Internationalen Handelskammer (ICC) in Paris zu akzeptieren, droht nun eine öffentliche Blamage. Der laut Schiedsspruch geprellte türkische Subunternehmer Tubin hat gegen Bilfinger in Katar einen Gläubigerantrag auf Insolvenz gestellt.

Bilfinger sagte auf Anfrage, der Insolvenzantrag entbehre jeder Grundlage. Konzernsprecher Sascha Bamberger kritisierte auch die Entscheidung der renommierten Handelskammer. Der ICC-Schiedsspruch weise gravierende Mängel auf. Details nannte Bamberger nicht.

Tatsache ist: Bilfinger akzeptierte 2008 die Schiedsgerichtsbarkeit der ICC und versuchte drei Jahre lang, die unabhängigen Richter von seinem Standpunkt zu überzeugen. Doch das Schiedsgericht sah die Schuld bei Bilfinger. „Das Gericht hat entschieden, dass die angeblich schlechte Leistung von Tubin zum großen Teil daran lag, dass das Bilfinger Joint Venture dem Subunternehmen zu wenig zahlte“, heißt es in dem Schiedsspruch. Das Urteil: Bilfinger solle 65 Millionen Dollar an Tubin zahlen.

Im Zentrum des Streits steht ein 5,6 Kilometer langer Abschnitt der Autobahn in der Hauptstadt von Katar, der Doha Express Way. Ein von Bilfinger geführtes Joint-Venture gewann im Januar 2006 die Ausschreibung für das 275 Millionen Dollar-Projekt und verpflichtete sich zur Fertigstellung bis Januar 2008. Bilfinger suchte sich als Subunternehmer den türkischen Baukonzern Tubin, der ebenfalls an der Ausschreibung teilgenommen hatte, jedoch gegen Bilfinger unterlegen war. Weil es zu zahlreichen Verzögerungen kam, kündigte die katarischen Baubehörde Ashghal Bilfinger.

Von

iw

Kommentare (1)

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meisterbau

03.07.2013, 14:40 Uhr

Fast zur selben Zeit wie in Katar zum Nachteil einer türkischen Firma verhielt sich Bilfinger in Norwegen auch gegenüber der bayerischen MEISTER Wasserbau. Den Bauauftrag für einen Autobahnabschnitt bei Kristiansand hatte Bilfinger mit einem Niedrigstangebot bekommen, verlangte dann aber, als sich rasch schon hohe Verluste abzeichneten, von MEISTER erhebliche Zusatzleistungen im Millionenumfang, die in keinem Leistungsverzeichnis standen, den eigentliche Auftragswert der vertraglichen MEISTER-Leistungen fast überstiegen und unter fadenscheinigsten Begründungen nicht bezahlt wurden. MEISTER zog ab, konnte die fehlenden Millionen-Zahlungen aber nicht kompensieren und ging in die Insolvenz. Bilfinger missachtete auch in diesem Fall einen klaren Schiedsspruch, verlor zwei Prozesse um angebliche Leistungs- und Zahlungspflichten MEISTERS in Kristiansand sehr deutlich, zahlt aber bis heute nicht die von MEISTER erbrachten untadeligen Leistungen. Anders als die Türken hat der in der Branche angesehene Reinhold Meister (68) leider keinen Insolvenzantrag gegen Bilfinger gestellt, sondern muss nun Schadensersatz teuer einklagen. Fazit: Bilfinger hat hier in Bayern nach Jahren ungestörter Zusammenarbeit bei Großaufträgen im In- und Ausland, die mit Gewinn abgerechnet wurden, ohne Not ein Lebenswerk vernichtet und zahllose erstklassige Ingenieure und Facharbeiter in berufliche und soziale Ängste gestürzt. Allein die völlig unnötigen Prozesskosten in Norwegen belaufen sich auf mehrere Millionen €. S. Michael Westerholz, Deggendorf.

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