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14.01.2009

17:19 Uhr

Konjunkturkrise

Streit bei Autozulieferer Getrag eskaliert

VonNils Rüdel

Beim angeschlagenen schwäbischen Autozulieferer Getrag droht die baldige Schließung des Werkes in Ludwigsburg. In der Frühschicht legten die Mitarbeiter spontan die Arbeit nieder. Hunderte Arbeitsplätze sind in Gefahr – und die Zeit drängt. Doch Geschäftsführung und Gewerkschaft sind heillos zerstritten.

Mitarbeiter von Getrag-Ford in Köln, einem Gemeinschaftsunternehmen mit dem US-Autohersteller. Foto: Reuters Reuters

Mitarbeiter von Getrag-Ford in Köln, einem Gemeinschaftsunternehmen mit dem US-Autohersteller. Foto: Reuters

DÜSSELDORF. Der Streit um die Zukunft des Ludwigsburger Werkes des angeschlagenen Autozulieferers Getrag eskaliert. Sollte die Arbeitnehmerseite nicht wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren, drohe nun „relativ schnell“ die Schließung des Standortes, teilte ein Firmensprecher am Mittwoch auf Anfrage mit. „Die Zeit drängt“, sagte er. Die Gewerkschaft IG Metall sieht ihrerseits die Geschäftsführung am Zug. Die Verhandlungen waren am späten Dienstagabend ergebnislos abgebrochen worden.

Gestern legten die Mitarbeiter der Frühschicht nach IG-Metall-Angaben aus Proztest spontan die Arbeit nieder. "Die Stimmung ist am Boden", sagte Konrad Ott, erster Bevollmächtigter der der IG Metall Ludwigsburg Handelsblatt.com. "Es herrscht Wut".

Nach Gewerkschaftsangaben geht es um 380 Mitarbeiter, Getrag selbst spricht von 250, denen die Entlassung droht. Durch den Personalabbau will das Familienunternehmen, das unter anderem Getriebe für den Mini herstellt, 27 Mio. Euro einsparen, um den erwarteten Umsatzeinbruch von rund 25 Prozent in diesem Jahr aufzufangen. Als Alternative bot Getrag der Gewerkschaft an, das Werk noch zwei Jahre lang mit 100 Mitarbeitern weiterzuführen. Allerdings müssten diese einen Einsparbetrag von fünf Mio. Euro erbringen. Die Maßnahmen seien notwendig, teilte Geschäftsführer Dieter Schlenkermann am Abend per Presseerklärung mit. "Wir müssen die Strukturen unseres Unternehmens an die wirtschaftliche Situation anpassen."

Die IG Metall lehnt das Vorgehen der Gegenseite dagegen als „Erpressungsszenario“ ab. „Die Geschäftsführung reagiert wie ein Kleinkind, dem man das Förmchen wegnimmt“, wetterte Hubert Dünnemeier von der baden-württembergischen IG-Metall-Bezirksleitung im Gespräch mit Handelsblatt.com. Sie drohe den Beschäftigten mit zusätzlichen Sanktionen.

Die Gewerkschaft pocht auf den Ergänzungstarifvertrag, der den Erhalt der Produktionsstätte bis 2011 garantiere. Mit ihrem eigenen Plan, der einen sozialverträglichen Abbau von höchstens 234 Stellen zulässt, konnte die IG Metall wiederum die Geschäftsführung nicht überzeugen. „Das geht nicht“, sagte der Sprecher.

Das Familienunternehmen mit Sitz im schwäbischen Untergruppenbach, das insgesamt rund 3 000 Mitarbeiter beschäftigt, leidet wie die gesamte Autozuliefer-Branche unter den Folgen der Finanz- und Konjunkturkrise. Diese habe „zu Überkapazitäten geführt, die wir jetzt zu spüren bekommen“, so der Getrag-Sprecher. Bereits Mitte November hatte es bei dem Unternehmen geheißen, es würden „Kapazitätskürzungen bis hin zur Schließung einer von vier Produktionsstätten in Erwägung gezogen“. Zum Jahresende 2008 hatte Getrag bereits den rund 80 Zeitarbeitern gekündigt, bestätigte das Unternehmen. Außerdem liefen Gespräche mit Autoherstellern über finanzielle Hilfen.

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