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17.10.2014

13:33 Uhr

Konjunktursorgen

Europas Automarkt droht Abkühlung

Dank einiger Sonderfaktoren ist Europas Automarkt im September um 6,1 Prozent gewachsen. Analysten warnen aber vor Euphorie. Denn die düsteren Konjunkturaussichten belasteten die Branche – der Markt droht abzukühlen.

Fabrikneue Autos mehrerer Fabrikate stehen im Hamburger Hafen: Der europäische Automarkt droht abzukühlen. dpa

Fabrikneue Autos mehrerer Fabrikate stehen im Hamburger Hafen: Der europäische Automarkt droht abzukühlen.

FrankfurtDem europäischen Automarkt ist im September trotz aller Konjunktursorgen noch nicht die Puste ausgegangen. Zum Anstieg der Neuzulassungen gegenüber dem Vorjahresmonat um 6,1 Prozent auf 1,27 Millionen Fahrzeuge trugen allerdings mehrere Sonderfaktoren bei, wie die Herstellerverbände ACEA und VDA am Freitag erklärten. So hatte der September einen Verkaufstag mehr als der August. In Spanien kurbelte die Abwrackprämie die Verkaufszahlen weiter an auf satte 26 Prozent, es war der achte zweistellige Anstieg in Folge. Auch Großbritannien ist eine wichtige Stütze in Europa. Dort haben das Plus von 5,6 Prozent zum Teil am Nummernschildwechsel im September gelegen, erklärte der Verband der Automobilindustrie (VDA). Der jährliche Termin, zu dem die Steuermarken aufs Nummernschild kommen, animiert die Briten zum Neuwagenkauf.

Analysten warnten deshalb vor Euphorie. Ohne den zusätzlichen Verkaufstag hätten die Neuzulassungen in Europa und den drei Efta-Staaten Schweiz, Island und Norwegen nur um 1,3 Prozent zugelegt statt um 6,1 Prozent, rechneten die Experten des Analysehauses International Strategy & Investment aus. Peter Fuß von der Unternehmensberatung EY wies auf die Quartalswachstumsraten hin: Nach 8,4 Prozent im ersten Vierteljahr hätten die Neuzulassungen im dritten Quartal nur noch um 5,1 Prozent zugelegt. „Die Erholung des Marktes verliert an Schwung“, warnte Fuß. Die düsteren Konjunkturaussichten für Europa belasteten die Autobranche. „Denn wenn das Beschäftigungswachstum in Europa stockt und die Unternehmen weniger investieren, wird sich das unmittelbar auf die Pkw-Neuzulassungen auswirken.“

Die größten Gewinner im deutschen Automarkt

Platz 10

Dacia - Plus 7,5 Prozent - 48.907 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Die rumänische Billigtochter bleibt eine Erfolgsgeschichte für Renault und wächst in Europa weiterhin deutlich stärker als der Markt.

Quelle: Kraftfahrzeugbundesamt

Platz 9

Skoda - Plus 8,5 Prozent - 173.538 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Mittlerweile sind die Tschechen die erfolgreichste Importmarke in Deutschland. Neue Modelle wie der Fabia dürften den Absatz auch im kommenden Jahr ankurbeln.

Platz 8

Seat - Plus 11,7 Prozent - 91.192 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Das spanische Sorgenkind des VW-Konzerns fährt aus der Krise. Der neue Leon macht's möglich - und beschert ein sattes Absatzplus auf dem deutschen Markt.

Platz 7

Nissan - Plus 13,7 Prozent - 62.536 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Den Japanern ist zum Jahresende etwas die Puste ausgegangen. Insgesamt kann sich das Absatzplus im abgelaufenen Jahr aber sehen lassen. Neue Modelle wie der Pulsar sollen die Erfolgsgeschichte im kommenden Jahr wiederholen.

Platz 6

Mitsubishi - Plus 14,1 Prozent - 24.131 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Die Japaner haben mit dem Outlander PHEV einen der ersten SUVs mit Plug-in-Hybrid im Angebot. Insgesamt überzeugt die Modellpalette die Deutschen offenbar.

Platz 5

Volvo - Plus 16 Prozent - 31.919 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Die Schweden sind zurück. Mit Modellen wie dem SUV XC90 blasen die Skandinavier wieder zum Angriff. Besonders zum Jahresende legte der Absatz deutlich zu.

Platz 4

Mazda - Plus 16,7 Prozent - 52.491 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Kennen Sie noch die uncoolen Mazdas aus den 90ern? Die Autokäufer in Deutschland kennen sie nicht. Eine runderneuerte Modellpalette bringt Mazda unter den Gewinnern der Zulassungsstatistik weit nach vorne.

Platz 3

Porsche - Plus 17,1 Prozent - 24.365 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Der Sportwagenbauer aus Zuffenhausen setzt seine Erfolgsgeschichte ungebrochen fort. Besonders zum Jahresende legt Porsche deutlich zu. Dabei dürften Verkaufsschlager wie der Macan auch weiterhin für Absatz sorgen.

Platz 2

Land Rover - Plus 18,1 Prozent - 14.679 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Die noblen Briten können mit dem Evoque auch modern und klein. Das zahlt sich bei den Verkäufen aus. In Deutschland verkauft Land Rover fast doppelt so viele Autos wie Konkurrent Jeep.

Platz 1

Jeep - Plus 48,8 Prozent - 10.268 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Die SUV-Marke aus dem Hause Fiat/Chrysler wächst in Deutschland stärker als alle Konkurrenten. Das dürfte Fiat-Chef Marchionne freuen, für dessen Premiumstrategie die Marke eine Schlüsselrolle spielt. Besteller ist der Grand Cherokee.

In den 28 EU-Staaten ergab sich seit Januar ein Absatzplus von 6,1 Prozent auf 9,57 Millionen Fahrzeuge. Die beiden größten Einzelmärkte, Deutschland und Frankreich, erreichten einen moderaten Zuwachs. Die Neuzulassungen in Deutschland stiegen um 2,9 Prozent auf 2,28 Millionen Fahrzeuge, wobei die Nachfrage der gewerblichen Kunden großen Einfluss hat. In Frankreich lag das Plus bei 2,1 Prozent.

Profitiert von der Erholung in Europa, die jetzt abzubrechen droht, haben vor allem die französischen Hersteller, vor allem Renault mit seiner Billigwagen-Marke Dacia. Der Absatz stieg von Januar bis September um gut 15 Prozent. Nur halb so stark wuchsen die Neuzulassungen von Fahrzeugen aus dem Zwölf-Marken-Konzern Volkswagen. Die Premiumhersteller BMW und Daimler setzten 2,5 und 2,2 Prozent mehr Neuwagen ab. Unter den japanischen Herstellern konnte Nissan mit mehr als zehn Prozent viel stärker zulegen als der Weltmarktführer Toyota.

Von

rtr

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