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22.03.2006

10:37 Uhr

Konsolidierung der Stahlbranche

Corus und Evraz reden über Großfusion

VonMarkus Hennes und Felix Schönauer

Der britisch-niederländische Stahlkonzern Corus und der russische Konkurrent Evraz sprechen nach Informationen aus Branchenkreisen über einen Zusammenschluss. Durch die Fusion der weltweiten Nummer acht mit der Nummer 14 würde der drittgrößte Stahlkonzern der Welt entstehen.

DÜSSELDORF / LONDON. Damit würde die Konsolidierung innerhalb der Branche weiter angeheizt. Im Januar hatte der gemessen an der Produktion weltgrößte Stahlhersteller Mittal Steel ein Übernahmeangebot für die Nummer zwei, den luxemburgischen Konzern Arcelor, vorgelegt.

Bei Corus gab man sich am Dienstag schmallippig. „Wir können nur wiederholen, dass wir uns in einem frühen Stadium befinden, in dem wir uns Länder mit niedrigen Kosten und hohen Wachstumschancen anschauen. Dazu gehören Russland und China“, sagte ein Unternehmenssprecher. Dennoch legte die Aktie von Corus um mehr als 7,4 Prozent auf ein Sechsjahreshoch von gut 90 Pence zu. Auch die in London notierten Evraz-Anteile gewannen. Erst am Montag hatte die russische Tageszeitung „Wedemosti“ berichtet, der russische Milliardär Roman Abramovich solle im Auftrag des russischen Präsidenten Wladimir Putin einen Anteil von 25 Prozent an Evraz übernehmen, und anschließend die Konsolidierung der Stahlindustrie des Landes vorantreiben.

Analysten von JP Morgan bewerteten einen Zusammenschluss von Corus und Evraz als „strategisch passend“. Unklar ist im Moment allerdings noch, wer künftig in einem fusionierten Unternehmen das Sagen haben würde. Stahlexperte Hermann Reith von der BHF-Bank in Frankfurt favorisiert Evraz. Der größte russische Stahlproduzent sei auch wegen eigener Rohstoffvorkommen deutlich profitabler als Corus. Mit einer Börsenkapitalisierung von sieben Mrd. Euro ist Evraz derzeit 1,2 Mrd. Euro höher bewertet als Corus. Hinzu kommt, dass die Aktien des 1999 aus der Fusion von British Steel und der niederländischen Hoogovens entstandenen Konzerns breit gestreut seien, während Evraz mit Alexander Abramov einen verkaufswilligen Mehrheitseigener habe. Umgekehrt könnte sich Corus bei einer Übernahme von Evraz finanziell übernehmen, obwohl das Unternehmen gerade erst seine Aluminium-Walzwerke für 800 Mill. Euro verkauft hat. Die Kosten für die Schuldenaufnahme wären beträchtlich, und damit könnte auch Corus’ Investment-Grade-Rating in Gefahr geraten.

„Es gibt gute Gründe für eine weitere Konsolidierung in der Stahlindustrie“, sagte Corus-Chef Philippe Varin vor wenigen Tagen im Interview mit dem Handelsblatt. Offen ließ er jedoch, ob Corus dabei eine aktive oder passive Rolle einnehmen werde. „Heute ist man Konsolidierer und morgen wird man konsolidiert“, sagte er. Seine Strategie sei aber klar: Corus brauche Zugang zu Rohstoffen, müsse sich auf reifen Märkten differenzieren und seine kritische Masse deutlich erhöhen.

Evraz würde bei einem Zusammenschluss vom Produktions- und Prozess-Know-How von Corus profitieren und sich außerdem über die ehemalige Hoogovens Zugang zum westeuropäischen Markt verschaffen. Corus wiederum hätte Zugriff auf die im internationalen Vergleich äußerst günstige Rohstahlproduktion der Russen. Der größte deutschen Stahlhersteller Thyssen-Krupp dürfte den Vorgang gespannt verfolgen. Noch im Jahr 2004 hatte der Ruhrkonzern selbst ein Auge auf Hoogovens geworden. Damals steckte Corus tief in der Krise und drohte auseinander zu brechen.

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