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02.04.2011

09:14 Uhr

Konsumgüterhersteller

Nachhaltigkeit ist effizientes Wirtschaften

VonChristoph Kapalschinski

Nachhaltigkeit ist für die Konsumhersteller alles andere als Altruismus. Fast immer steckt ein ökonomischer Nutzen hinter den Aktivitäten. Wie nachhaltig wirtschaftende Unternehmen Kosten senken und Lieferketten sichern.

Kasper Rorsted hat gut Lachen: Der Henkel-Konzern hat seine für 2012 gesetzten Ziele bereits 2010 erfüllt - und Wasser, Energie und Müll eingespart. Quelle: dpa

Kasper Rorsted hat gut Lachen: Der Henkel-Konzern hat seine für 2012 gesetzten Ziele bereits 2010 erfüllt - und Wasser, Energie und Müll eingespart.

Frankfurt, MünchenKaffee ist für Bauern eine unsichere Frucht. Ein Jahr tragen die Sträucher viele Bohnen, das Jahr darauf vernichtet mieses Wetter einen Großteil der Ernte. Ist das weltweite Angebot hoch, sinkt der Preis. Können die Bauern wenig liefern, steigt er. Für die Kaffeebauern wäre es hilfreich, wenn sie ihr Angebot steuern könnten. Damit würde ihr Geschäft verlässlicher, langfristig kalkulierbarer – oder anders gesagt: nachhaltiger.

Die Legende will, dass Nestlé in den 30er-Jahren auf Anfrage der brasilianischen Regierung auf die Idee kam, Kaffee gefrierzutrocknen und so länger halt- und handelbar zu machen. Nescafé, heute laut Nestlé die meistgetrunkene Kaffeemarke der Welt, sei so entstanden.

Heute sieht Nestlé in der Geschichte den Beleg dafür, dass Nachhaltigkeit zu den Wurzeln des Konzerns gehört. Dasselbe behaupten inzwischen fast alle Konsumgüterhersteller. Sie legen regelmäßig Nachhaltigkeitsberichte vor. Die darin enthaltenen Ziele unterscheiden sich deutlich. Einige setzen sich selbst konkret messbare Ziele, andere orientieren sich am Verhalten ihrer Kunden oder Zulieferer. Fast immer jedoch steckt dahinter ein ökonomischer Nutzen.

Das heißt im Klartext: Nachhaltigkeit ist für die Konsumhersteller alles andere als Altruismus. Sie senken damit Kosten oder sichern Lieferketten – sie rühmen sich also für etwas, das zu ihren ureigenen Aufgaben gehört und ihr Überleben sichert: effizientes Wirtschaften.

Ziel: Wasser, Energie, Müll einsparen

Kasper Rorsted, Chef des Düsseldorfer Persil-Produzenten Henkel, war zufrieden, als er die aktuelle Bilanz vorlegte. Die Ziele, die sich der Konzern für 2012 gesetzt hatte, wurden bereits 2010 übererfüllt. Dabei ging es vor allem um Einsparungen – beim Wasserverbrauch, bei der Energie, beim Abfall. „Nachhaltigkeit und Financial Performance gehen Hand in Hand“, so Rorsted. Kein Wunder: Seine Nachhaltigkeitsziele sparen Geld – bei der Wasserrechnung, Stromrechnung und Müllabfuhr. Daher lässt er im laufenden Jahr neue Vorgaben erarbeiten, die er 2012 verkünden will – noch vor Ausgabe neuer Finanzpläne.

„Ziele zum Ressourcenverbrauch sind wichtig, spiegeln aber auch pures Eigeninteresse wider: Sie reduzieren Kosten und Beschaffungsunsicherheiten“, sagt Jana Gebauer, Wissenschaftlerin am Institut für ökologische Wirtschaftsforschung, das regelmäßig Rankings von Nachhaltigkeitsberichten erstellt.

Auch Kraft Foods hat sich für 2011 Einsparziele bei Wasser, CO2, Energie und Müll gesetzt – und nach eigenen Berechnungen übertroffen. Solche Vorgaben haben einen Vorteil: Sie sind leicht quantifizierbar. „Nachhaltigkeitsziele sollten nachprüfbar sein“, sagt Christine Wenzl vom Bund für Umwelt und Naturschutz. Sie hat vor allem die ökologische Nachhaltigkeit im Blick.

Unternehmen geben sich aber auch wirtschaftliche und soziale Ziele bei der Nachhaltigkeit. Auch hier zählt der Geschäftserfolg.

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