Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.07.2013

09:57 Uhr

Konzern verordnet sich Umbau

Aus EADS wird Airbus

Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS wechselt ein knappes Jahr nach dem Scheitern der Fusion mit dem britischen Rüstungsgiganten BAE Systems den Namen. Nicht das Einzige, was derzeit umgekrempelt wird.

Jetzt ist es entschieden: Aus EADS wird Airbus. AFP

Jetzt ist es entschieden: Aus EADS wird Airbus.

MünchenEuropas größter Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS gibt sich einen neuen Namen und heißt künftig wie seine wichtigste Tochter Airbus. Zudem ordnet das Unternehmen sein schwächelndes Rüstungsgeschäft neu. Dafür werden die bisherige Raumfahrtsparte Astrium mit der Wehrtochter Cassidian und Airbus Military zum neuen Unternehmen Airbus Defence & Space zusammengelegt.

Angaben über Stelleneinsparungen durch die geplante Neuorganisation will EADS nicht machen. Die Pläne müssten vom Top-Management noch im Detail ausgearbeitet werden. Der Umbau sei eine Reaktion auf das veränderte Marktumfeld, das von stagnierenden oder sogar schrumpfenden Verteidigungsbudgets in der westlichen Welt geprägt ist, teilte EADS am Mittwoch mit. „Die strukturelle Veränderung ermöglicht einen optimierten Marktzugang, ermöglicht Kosten- und Marktsynergien und stärkt die allgemeine Wettbewerbsfähigkeit.“

Der Konzern ähnelt damit künftig verstärkt dem US-amerikanischen Rivalen Boeing. Dieser hat ebenfalls das Rüstungs- und Raumfahrtgeschäft in einem Bereich zusammengefasst (Boeing Defense, Space and Security). Daneben ist der zivile Flugzeugbau (Commercial Airplanes) das wichtigste Geschäft.

Die größten Bestellungen der A350 (Stand: Ende Mai 2013)

Hongkong Airlines

Hongkong Airlines und die amerikanische Cit-Leasing bestellten jeweils 15 der mittellangen Airbus-Maschinen des Typs A350-900. Die teuerste Variante des Jets steht mit rund 250 Millionen Euro in der Preisliste.

ILFC

Die ILFC aus Los Angeles bestellte sechs Exemplare des Kurzmodells A350-800 und 14 weitere Flugzeuge vom Typ A350-900.

US-Airways

US-Airways und die russische Aeroflot bestellten jeweils 18 Modelle des Typs A350-800 und vier Exemplare der etwas längeren A350-900.

United Airlines

United Airlines aus Chicago bestellten zunächst 25 Modelle der mittellangen A350-900, ebenso viele Flugzeuge, allerdings darunter auch fünf Exemplare der Langversion A350-1000 bestellte die Air Lease Corporation aus Los Angeles.

TAM Airlines

Die sechstgrößte Bestellung reichte mit einer Order über insgesamt 27 Modelle der Airbusmaschine A350-900 die Linie TAM aus Brasiliens einwohnerreichsten Stadt Sao Paulo ein.

Asiana Airlines

Insgesamt 30 Flugzeuge wollen sie bei Asiana Airlines in Seoul: Acht Kurzmodelle, also die A350-800, zwölf A350-900-Maschinen und zehn Langversionen vom Typ A350-1000.

Cathay Pacific

Rang vier in der Liste der größten Orders belegen Cathay Pacific. Die Airline aus der chinesischen Provinz Guangdon will 20 der A350-900-Modelle und 26 der Langversionen A350-1000.

Singapore Airlines

Auch Singapore Airlines geht in die Vollen: Die Fluggesellschaft bestellte 40 Modelle der A350-900 – mit der Option, die Order in A350-1000 umzuwandeln.

Emirates

Die Fluggesellschaft Emirates aus Dubai handelt, wie man es von Akteuren aus dem arabischen Emiraten gewohnt ist: In großen Dimensionen. Sie bestellt 50 Modelle der mittellangen Version A350-900 und zusätzlich 20 weitere Flugzeuge vom Typ A350-1000.

Qatar Airways

Unangefochtene Nummer eins bei den Orders ist Qatar Airways. Für 43 Modelle der A350-900 und 37 Modelle der Langversion A350-1000 haben die Funktionäre des im katarischen Doha sitzenden Unternehmens Bestellungen aufgegeben. Nach Listenpreisen würde Qatar 5,6 Milliarden Euro für die Maschinen zahlen.

Chef des neuen Geschäftsbereichs Airbus Defence & Space mit etwa 45.000 Mitarbeitern wird der bisherige Cassidian-Leiter Bernhard Gerwert. Der Hauptsitz soll im Großraum München angesiedelt sein. Dass die Rüstungssparte ihren Sitz in Bayern bekommt, geht auf eine Forderung Deutschlands zurück. Durch den Umzug der EADS-Zentrale ins französische Toulouse hatte der Standort Ottobrunn zuletzt an Bedeutung verloren.

Konzernchef Thomas Enders setzt mit der Reorganisation und Umbenennung den Umbau des Konzerns fort, den er nach der gescheiterten Fusion mit dem britischen Rüstungsriesen BAE Systems begonnen hatte. „Unsere Verteidigungs- und Raumfahrtaktivitäten reorganisieren und fokussieren wir, um Kosten zu reduzieren, die Profitabilität zu steigern und unsere Marktposition zu verbessern“, kommentierte Enders am Mittwoch. „Was wir heute präsentieren, ist eine Evolution, keine Revolution. Es ist der nächste logische Schritt in der Entwicklung unseres Unternehmens.“

Mit der Fusion mit BAE Systems wollte Enders EADS ursprünglich auf neue und vor allem größere Füße stellen. Die Rüstungsparte sollte es mit der Verbindung einfacher haben, auf Märkten Fuß zu fassen, die dem Konzern bisher versperrt waren. Doch der Plan scheiterte am Widerstand aus Berlin. Danach bekam EADS eine neue Aktionärsstruktur, Deutschland stieg als Großaktionär ein, zugleich wurde der Staatseinfluss aber verringert.

Bevor die Veränderungen in vollem Umfang wirksam werden können, müssen nach EADS-Angaben mehrere regulatorische Voraussetzungen erfüllt sowie Konsultationen mit dem Betriebsrat und weitere Genehmigungsverfahren erfolgreich abgeschlossen werden. Auch die Hubschraubertochter Eurocopter bekommt eine neue Kennung und firmiert dann unter Airbus Helicopters.

Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2013 steigerte EADS sowohl Umsatz als auch Rentabilität. Getragen wurde diese Entwicklung vor allem vom zivilen Flugzeuggeschäft. Der Umsatz von EADS stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um sechs Prozent auf 26,3 Milliarden Euro. Das Konzernergebnis konnte um 31 Prozent auf 759 Millionen Euro verbessert werden.

Von

dpa

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

orakel

31.07.2013, 12:02 Uhr

Deutschland liefert das meiste der Technologie, und das ganze Geld, aber Frankreich bekommt die EADS Zentrale. Warum dieser Umzug vom bayrischen Ottobrunn nach Toulouse?

Ist doch verrückt. Kann doch nur bedeuten, daß die Franzosen härter und ausdauernder als die Deutschen verhandeln.Bisher haben sich die Franzosen jedenfalls immer durchgesetzt und erreicht, was sie wollten.
Bei der Kanzlerin mit ihrem "Freundschaftsverständnis"
gegenüber Frankreich freilich auch relativ leicht erreichbar.

LeBreton

01.08.2013, 09:44 Uhr

Französischer und Deutscher Puls
Wer jede Woche Nachrichten in beiden Sprachen verfolgt, stellt sehr schnell fest, dass wir in Deutschland extrem technologiefeindlich geworden sind.
Während in den französischen Nachrichten das neue Rafale Flugzeug oder der A 350 in Le Bourget ausführlich und mit Nationalstolz vorgestellt werden, sind in Deutschland allein die Begriffe - Eurofighter, Airbus Flugzeug A 350 etc. Synonyme für Zerstörung, Profitgier, Umweltzerstörung, Emissionen etc.
Fazit: Die guten Deutschen Ingenieure wandern nach Frankreich ab, weil sie dort nicht als personna non grata behandelt werden. Über kurz oder lang wird die gesamte EADS aufgelöst. Frankreich, Italien, England freuen sich schon heute über den Zuwachs. Nach Gen-Industrie, Atomindustrie, Solarindustrie das nächste Krematorium.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×