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20.04.2011

09:43 Uhr

Konzernstrategie

BP hat die Deepwater-Katastrophe noch lange nicht überwunden

VonKatharina Slodczyk

Heute vor einem Jahr explodierte die Ölplattform Deepwater Horizon. Dem Betreiber BP ist das Comeback noch lange nicht gelungen. Die Hoffnung liegen in Russland. BP-Chef Bob Dudley riskiert viel - zu viel.

Am 20. April 2010 begann die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko. Quelle: dpa

Am 20. April 2010 begann die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko.

LondonKein Unfall seit 1332 Tagen. Diese Zahl prangt auf einer grünen Tafel im Foyer der BP-Zentrale in der Londoner City. Sie soll Mitarbeiter und Besucher täglich daran erinnern, wie lange der letzte Zwischenfall zurückliegt, bei dem sich hier jemand bei der Arbeit verletzt hat.

Die Männer und Frauen, die Tag für Tag an diesem Schild vorbeihasten, haben dafür keinen Blick mehr übrig. "Die Sicherheit in der Zentrale ist nicht gerade unser Hauptproblem", schnauft ein Anzugträger am Montagmorgen. Seine Kollegin murmelt: "Wir hätten letztes Jahr neu mit dem Zählen der unfallfreien Tage anfangen sollen."

Dann müsste allerdings eine ganz andere Zahl auf der Tafel stehen: 365. Genau 365 Tage ist es her, dass eine Bohrinsel im Golf von Mexiko explodierte. Mehr als 100 Arbeiter hatten dort im Auftrag von BP nach neuen Ölvorkommen gesucht. Elf Menschen sind bei dem Unglück umgekommen. Drei Monate lang flossen täglich Tausende Liter Öl ungehindert ins Meer.

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Dudley hat einen Fehler gemacht

Seitdem ist bei BP nichts mehr, wie es einmal war. Für die Mitarbeiter hat eine neue Zeitrechnung mit einem frischen Gesicht an der Konzernspitze begonnen: Der Amerikaner Bob Dudley soll hinbekommen, was der Brite Tony Hayward nicht geschafft hat. BP muss endlich beweisen, dass die Sicherheit der Mitarbeiter und nicht die Sicherheit der Gewinne Vorrang hat. Parallel dazu braucht der Konzern eine Zukunftsperspektive, damit er wachsen und eigenständig bleiben kann.

Zunächst hat Dudley vieles richtig gemacht. Er hat BP verkleinert, Milliarden mit dem Verkauf von Öl- und Gasfeldern eingenommen und so ein Finanzpolster aufgebaut für die Folgekosten der Ölpest. Er hat den Konzern umgekrempelt, eine 500 Mann starke Abteilung gegründet, die das Einhalten verschärfter Sicherheitsregeln überwacht, neue Kriterien für Bonuszahlungen eingeführt: Nur wer erfolgreich Risiken ausschalte und die Sicherheit im Unternehmen erhöhe, soll künftig belohnt werden.

Zuletzt allerdings machte Dudley einen großen Fehler: Mit seinen Plänen, künftig mit dem Kreml-Konzern Rosneft zusammenzuarbeiten, hat er seine anderen russischen Partner gegen sich aufgebracht, die Oligarchenholding AAR. Gemeinsam mit BP betreibt diese die Ölgesellschaft TNK-BP.

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