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10.05.2011

18:37 Uhr

Konzernumbau

Arbeitnehmer lassen bei Thyssen-Krupp Muskeln spielen

Die Arbeitnehmer von Thyssen-Krupp wollen den weitreichenden Umbau des Stahlkonzerns nicht einfach so zustimmen. Die Vertreter im Aufsichtsrat fordern Zugeständnisse - und drohen mit einem Scheitern der Pläne.

Beim Abstich wird der Himmel über dem Hüttenwerk Krupp Mannesmann in Duisburg von hellem Feuerschein erleuchtet. Quelle: dpa

Beim Abstich wird der Himmel über dem Hüttenwerk Krupp Mannesmann in Duisburg von hellem Feuerschein erleuchtet.

Düsseldorf/Frankfurt

Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat von ThyssenKrupp haben Vorstandschef Heinrich Hiesinger mit einer Ablehnung seiner milliardenschweren Umbaupläne gedroht. "Der Konzern will die Edelstahlsparte verkaufen. Ohne vorherige Zusagen werden die Arbeitnehmer nicht zustimmen", sagte ein Aufsichtsratsmitglied am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Die Arbeitnehmer würden die Pläne auf der Sitzung des Kontrollgremiums am Freitag nur billigen, wenn die Arbeitsplätze gesichert seien. ThyssenKrupp lehnte eine Stellungnahme dazu ab. Der Mischkonzern setzt traditionell auf ein Einvernehmen mit den mächtigen Arbeitnehmervertretern.

Am Dienstag setzten sich Vertreter des Betriebsrats und der IG Metall mit der Konzernführung zusammen. "Die Verhandlungen sind schwierig", verlautete aus Kreisen der Arbeitnehmervertreter. Beide Seiten seien sich in der ersten Runde noch nicht näher gekommen. "Wir wollen für die Zustimmung zu den Plänen am Freitag rasche Zusagen der Konzernführung haben." Bislang habe das Management keine belastbaren Zusagen zu den Forderungen gemacht.

Hiesinger hat angekündigt, Unternehmensbereiche mit einem Umsatz von insgesamt rund zehn Milliarden Euro zu verkaufen - etwa ein Viertel der gesamten Erlöse des Konzerns. Betroffen sind neben der Edelstahlsparte Geschäfte in der Zulieferung für die Automobilindustrie. Damit will der ehemalige Siemens-Manager die Verschuldung von knapp sechs Milliarden Euro senken und sich Spielraum für Investitionen in Wachstumsbereiche verschaffen. Von den Plänen sind etwa 35.000 der fast 180.000 Beschäftigten betroffen.

Die Arbeitnehmervertreter haben sich offen gegenüber den Überlegungen für einen Umbau gezeigt, drängen aber auf Zugeständnisse. "Sichere Standorte, sichere Arbeitsplätze, sicheres Einkommen", lautete die Forderung des Betriebsrats in der Sparte Stainless Global. "Die Eigenständigkeit der Stainless bietet Chancen, die wir nutzen wollen. Sie enthält Risiken, die wir begrenzen wollen", heißt es in einem Reuters vorliegenden Schreiben an die Beschäftigten. ThyssenKrupp hat offen gelassen, ob es die Edelstahlsparte verkauft oder an die Börse bringt. Der Betriebsrat fordert die "Schaffung eines neuen eigenständigen Unternehmens, das weltweit erfolgreich im Markt bestehen kann".

Zwar könnte der Aufsichtsrat mit der Stimme des Vorsitzenden Gerhard Cromme die Pläne Hiesingers auch gegen die Stimmen der Arbeitnehmervertreter durchsetzen. Dies wäre aber kein guter Start für Hiesinger, der Ende Januar die Nachfolge des langjährigen Konzernschefs Ekkehard Schulz angetreten hatte. In der Vergangenheit hatten Arbeitnehmervertreter und Arbeitgeber bei Umstrukturierungen stets eine gemeinsame Lösung angestrebt.

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