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14.09.2011

11:28 Uhr

Konzernumbau

EnBW braucht 800 Millionen Euro

Ökostrom-Unternehmen oder großes Stadtwerk: Durch Energiewende und die neue Landesregierung in Baden-Württemberg stehen dem Energieversorger EnBW große Veränderungen ins Haus. Dafür wird auch Kapital benötigt.

Die grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg möchte EnBW zu einem Ökostrom-Unternehmen umbauen. dapd

Die grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg möchte EnBW zu einem Ökostrom-Unternehmen umbauen.

StuttgartDer Umbau der EnBW zum Ökostrom-Unternehmen kostet das Land Baden-Württemberg und den Kommunalverband OEW rund 800 Millionen Euro. Mit dieser Summe könne man durchstarten, sagte eine mit den Planungen vertraute Person.

Weitere 1,5 Milliarden Euro sollen der EnBW bis Anfang 2014 der Verkauf von Minderheitsbeteiligungen etwa am Gas-Importeur VNG und die Öffnung von Tochtergesellschaften für weitere Aktionäre bringen. Rund 750 Millionen Euro hofft EnBW-Chef Hans-Peter Villis durch Einsparungen hereinzubekommen. Ein Drittel davon entfalle auf Personalkosten. Kündigungen sollen unternehmensnahen Kreisen zufolge aber in Verhandlungen mit dem Betriebsrat vermieden werden.

Die Diskussion mit der grün-roten Landesregierung über die Strategie sei in vollem Gange, sagte der Insider. Am 23. September soll sie im Aufsichtsrat der EnBW besprochen werden. In der Landesregierung gebe es Bestrebungen, die Energie Baden-Württemberg (EnBW) zu einer Art großem Stadtwerk umzubauen. Das bisher mehr als alle anderen deutschen Versorger vom Atomstrom abhängige Unternehmen selbst denkt an weitere Windparks in der Nordsee und Gas-Kraftwerke und will auch in Nachbarstaaten wie der Schweiz oder Tschechien aktiv bleiben. „Wir wissen, was wir wollen, aber wir sind finanziell gehemmt“, sagte der Insider.

Das Land war noch unter CDU-Ministerpräsident Stefan Mappus mit 46,5 Prozent bei der EnBW eingestiegen - vor dem Aus für die Atomenergie in Deutschland. Nach Mappus' Plan sollte eine Anleihe, die das Land für die Beteiligung aufgenommen hatte, mit Dividendenerlösen bedient werden.

Sein grüner Nachfolger Winfried Kretschmann muss jedoch darum bangen. Der von EnBW erhoffte Beitrag von 400 Millionen Euro zum Umbau des Konzerns könne auch durch einen Verzicht auf Ausschüttungen geleistet werden, hieß es in den Firmenkreisen. Für die nächsten zwei bis drei Jahre rechnet die EnBW wegen der Belastung aus dem Atomausstieg ohnehin mit sinkenden Gewinnen. Eine Kapitalerhöhung hatte Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) kürzlich abgelehnt. Die OEW, ein Zweckverband mehrerer Landkreise aus Oberschwaben, hat Insidern zufolge eine Kapitalspritze etwa in Form stiller Beteiligungen in Aussicht gestellt.

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