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29.11.2012

11:39 Uhr

Konzernumbau

Siemens konzentriert sich aufs Kerngeschäft

Nächste Runde im großen Siemens-Umbau: Der Konzern erweitert mit einem Zukauf für 2,2 Milliarden Euro seinen Bereich Bahntechnik. Nach der Solarsparte soll nun auch ein weiterer Bereich aufgegeben werden.

Siemens-Chef Peter Löscher. Reuters

Siemens-Chef Peter Löscher.

MünchenDie Umstrukturierung bei Siemens geht weiter: Nachdem der Münchner Konzern vergangenen Monat seinen Ausstieg aus der Solarenergie bekannt gab, ist nun klar, wo die Zukunft hingeht. Siemens verstärkt seine Bahntechnik mit dem Zukauf der Bahntechniksparte des britischen Technologiekonzerns Invensys.

Invensys Rail erwirtschaftete laut Siemens in seinem im März 2012 zu Ende gegangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 775 Millionen Britischen Pfund (etwa 963 Millionen Euro). Die Sparte erzielte zudem ein operatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern von 116 Millionen Britischen Pfund, was einer Marge von 15 Prozent entspricht.

Gleichzeitig sucht Siemens einen Käufer für das Geschäft mit Gepäckabfertigung, Brief- und Paketsortierung. Laut eigenen Angaben ist der Konzern derzeit einer der führenden Anbieter von Postautomatisierungs-, Paket- und Gepäckabfertigungssystemen. Allerdings gebe es aufgrund des hohen Mechanikanteils nur wenige Synergien mit anderen Siemens-Divisionen, hieß es in einer Mitteilung. Es sei ein hoch spezialisiertes Nischengeschäft, in dem vornehmlich mittelständische Unternehmen tätig sind. In dem Bereich sind etwa 3600 Mitarbeiter beschäftigt.

Im Bereich Bahntechnik fühlt sich Siemens nun für die nächste Zeit gerüstet. "Wir planen keine weiteren Deals im Bereich Bahnautomatisierung", sagte der Chef des Siemens-Bereichs Infrastructure and Cities, Roland Busch, am Donnerstag in einer Telefonkonferenz.

Zwischenbilanz der Ära Löscher

Siemens 2007 und 2011 in Zahlen

Was hat Peter Löscher als Siemens-Vorstandschef bisher erreicht? Die wichtigsten Zahlen aus den Geschäftsberichten 2007 und 2011 im Vergleich.

Umsatz

Umsatz des gesamten Konzerns 2007: 72,5 Milliarden Euro

2011: 73,5 Milliarden Euro

Umsatz in Asien

Erlöse in Asien 2007: 10,9 Milliarden Euro

2011: 14,4 Milliarden Euro

Gewinn nach Steuern:

2007: 4,0 Milliarden Euro

2011: 6,3 Milliarden Euro

Dividende

Dividende je Aktie 2007: 1,60 Euro

2011: 3,00 Euro

Aktienkurs

Aktienkurs 2007 (Jahresdurchschnitt): 96,42 Euro

2011: 68,12 Euro

Börsenwert

Unternehmenswert an der Börse 2007: 88 Milliarden Euro

2011: 59,5 Milliarden Euro

Mitarbeiterzahl

Mitarbeiter im Siemenskonzern insgesamt 2007: 471.000

2011: 402.000

Hauptaktionäre

Hauptaktionäre 2011: Die Familie von Siemens hält sechs Prozent, der US-Vermögensverwalter Blackrock fünf Prozent.

Siemens erhofft sich mit dem Zukauf von Invensys Synergiepotenziale von mehr als 100 Millionen Euro, die bis 2018 vollständig realisiert sein sollen.

Für das kommende Geschäftsjahr 2013/2014 sind die Münchner optimistisch. Im Vergleich zum seit Oktober laufenden Geschäftsjahr 2012/2013 werde sich der Gewinn aus fortgeführten Geschäften stark verbessern, hieß es am Mittwochabend in einem Bericht des Konzerns an die US-Börsenaufsicht SEC. Der Umsatz dürfte moderat zulegen, wenn sich die Lage in den Märkten des Unternehmens wie erwartet aufhelle. Für das aktuelle Geschäftsjahr rechnet Siemens mit einem Gewinn aus fortgeführten Geschäften zwischen 4,5 und 5,0 Milliarden Euro. Darin enthalten sind Kosten von einer Milliarde Euro für das Sparprogramm.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

29.11.2012, 12:16 Uhr

Am Rande: Jede Firma hat seine 'Seele', seine individuelle Kultur. Dahinter verbirgt sich die Summe des Einbringens aller Mitarbeiter, die im Ganzen die 'Kultur' der Firma darstellen.

Dieses Einbringen eines jeden Mitarbeiters ist umso höher, je inniger ein jeder sich mit dem Unternehmen verbunden fühlt, identifizieren kann. Wenn ich IM HERZEN mit meiner Firma verbunden bin - was ein innerlicher Wunsch JEDEN MANNES ist - mobilisiere ich ein Extra-Engagement zum Wohle des Ganzen, hier also der Firma.

Jeder Verkauf, jede Namensänderung, jede Fusion gefährdet und zerstört dieses so wichtige Identifikationsgefühl. Es verbleibt ein entwurzeltes Gesamtbefinden, eine ideale Basis für 'Dienst nach Vorschrift'.

Beim Löscher fällt mir auf: ER ZERSTÖRT DIESES SO WERTVOLL GEWACHSENE 'WIR'-Gefühl, systematisch.

Er entwurzelt die Mitarbeiter, macht sie heimatlos, in Konsequenz also SINNLOS. Die perfekte Basis für resignatives Hinschlurfen ohne Mission, ohne Antriebskraft, eine auf schnödes Geld-Verdienen reduzierte Daseinsbewältigung für die Massen.



OttoKajetan

29.11.2012, 12:44 Uhr

Siemens konzentriert sich mal wieder auf das Kerngeschäft. Zum wievielten Mal denn in den letzten 20 Jahren? Das Problem an der ganzen Sache ist, dass leider niemand, nicht mal der Vorstand oder Herr Luscher selbst, genau weiss, was das Kerngeschäft von Siemens ist.
Wenn sich die Definition von Kern- und Nichtkerngeschäft nur darauf begründet, ob in einem Geschäftsfeld gerade eine positive Rendite erzielt wird, oder noch schlimmer, welche Einflüsterungen ahnungslose Jungberater absondern, wäre es vermutlich schlauer, den Vorstand zukünftig mit stark behaarten Käfigbewohnern aus dem Tierpark Hellabrunn zu besetzen. Nachdem der Vorstand trotz einer völlig überdimensionierten Vergütung nicht in der Lage ist, seine Kernaufgaben vernünftig und ohne externe Hilfe zu erledigen, ist beim Thema Vorstandvergütung alles was über die schmackhaften gelben Früchte hinausgeht, rausgeschmissenes Geld.
Und diese Erkenntnis ist ein Armutszeugnis für den einst hochgelobten Herrn Löscher.

Pinin

29.11.2012, 13:27 Uhr

Das ist ganz einfach "Management by Excel":

Der Chef hat keine Ahnung und keine Planung, nur eine große Excel-Tabelle und wenn Zahlen rot werden, dann wird der Bereich verkauft oder geschlossen.

Gut, dass es zu Zeiten der alten Siemens und halske noch kein Excel gab, sondern noch unternehmerischen Voraussicht. Aber das waren auch keine BWLer sondern Ingenieure ...

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