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08.05.2015

16:55 Uhr

Konzernumbau

Siemens streicht in Mülheim 950 Stellen

Siemens plant im Zuge des Konzernumbaus auch Stellenstreichungen. Allein am Mülheimer Werk sollen nach Schätzungen des Betriebsrates rund 950 Jobs wegfallen. Auch an anderen Standorten machen sich Beschäftigte Sorgen.

Siemens streicht tausende Arbeitsplätze

„Leider muss an den Mitarbeitern gespart werden"

Siemens streicht tausende Arbeitsplätze: „Leider muss an den Mitarbeitern gespart werden"

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Mülheim/ErlangenIm Mülheimer Siemens-Werk sollen nach Angaben des Betriebsrats im Zuge der Stellenabbau-Pläne des Konzerns insgesamt rund 950 Stellen gestrichen werden. Das teilte der Betriebsrat am Freitag nach einer Belegschaftsversammlung mit. Ein Siemens-Sprecher wollte die Zahl auf Anfrage nicht kommentieren und verwies auf noch ausstehende Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern. Mülheim dürfte nach Einschätzung aus Arbeitnehmerkreisen mit am stärksten von den Streichplänen betroffen sein. Die Pläne für weitere Standorte sollen in den kommenden Tagen folgen.

Die Siemens-Standorte in Erlangen und Nürnberg sind dagegen nach Angaben aus Betriebsratskreisen vom jüngsten Stellenabbau nicht so stark betroffen. In der Sparte Power und Gas soll es um weniger als 100 Stellen gehen, hieß es am Freitag. Bei den Maßnahmen seien vor allem die großen Werks-Standorte wie Mülheim im Fokus.

In dem Mülheimer Turbinen- und Generatorenwerk sind insgesamt 4800 Mitarbeiter beschäftigt. Von den Kürzungsplänen soll nach Angaben des Betriebsrats vor allem die Generatorenfertigung betroffen sein.

Was mal alles Siemens war

Ein Konzern im steten Wandel

Was hat Siemens nicht schon alles hergestellt. Telefone, Computer, Halbleiter oder Geldautomaten. Der Konzern, 1847 als Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske in Berlin gegründet, hat sich seither gründlich und stetig gewandelt. Geschäfte kamen hinzu, andere verschwanden. Die Liste prominenter Abgänge ist lang. Eine Auswahl früherer Siemens-Geschäfte.

Halbleiter

Die heftigen Turbulenzen auf dem Markt veranlasste Siemens, das Geschäft abzuspalten - der Halbleiterhersteller Infineon wurde 1999 an die Börse geschickt.

Telekommunikation

Zwar war Siemens als Telegraphen-Hersteller gegründet worden, doch der rasche Wandel auf dem Telefonmarkt überforderte den Konzern. Lange bevor Nokia den Anschluss an Apple auf dem Handymarkt verlor, musste Siemens Mobile trotz zunächst großer Erfolge einst Nokia ziehen lassen. Das Geschäft mit Mobiltelefonen gab Siemens 2005 an den BenQ-Konzern ab. Nur wenig später musste der die Produktion einstellen. Das Geschäft mit schnurlosen Telefonen für daheim verkaufte Siemens 2008 an Arques.

Netzwerke

Auch das Ausrüstungsgeschäft für Netzwerke trennte Siemens heraus und brachte das Geschäft 2007 in eine gemeinsame Firma mit Nokia unter dem Namen NSN ein.

Computer

Unter dem Namen Siemens Nixdorf baute Siemens einst nicht nur Geldautomaten, sondern auch Computer. Diesen Teil brachte Siemens in ein Joint Venture mit dem japanischen Hersteller Fujitsu ein und zog sich 2009 daraus zurück. Die Sparte mit Kassensystemen und Geldautomaten wurde zehn Jahre zuvor an Investoren verkauft und wurde 1999 als Wincor Nixdorf weiter geführt und an die Börse gebracht.

Auto

Wechselvoll ist auch die Geschichte, die Siemens als Autozulieferer erlebt hat. So hat der Konzern 2001 den Zulieferer VDO übernommen und mit dem eigenen Autogeschäft zusammengeführt. Nach einer Ein- und wieder Ausgliederung sollte VDO eigentlich an die Börse gebracht werden, ging aber dann 2007 im Wege eines Verkaufs an den Autozulieferer Continental.

Licht

Osram ist das jüngste Beispiel für ein Modell der Trennung. Das traditionsreiche Licht-Unternehmen gehörte lange zu Siemens. Angesichts milliardenschwerer Herausforderungen, etwa für die Entwicklung neuer Produkte nach dem Aus für die Glühbirne, wollte Siemens die Tochter mit einem Börsengang in die Freiheit entlassen - und dafür Milliarden einsammeln. Das klappte nicht, stattdessen buchte Siemens seinen Aktionären Osram-Aktien ins Depot, ein Börsengang light sozusagen. Seit 2013 ist Osram selbstständig.

Siemens hatte am Donnerstag bekanntgegeben, dass über den Abbau von insgesamt 9000 Arbeitsplätzen durch den Konzernumbau und wegen der Probleme im Energiegeschäft hinaus noch einmal 4500 Jobs wegfallen sollen, davon 2200 in Deutschland. Wie sich die Einschnitte auf die einzelnen Standorte verteilen, hatte Siemens-Chef Joe Kaeser vorerst offen gelassen.

Der NRW-IG Metall-Bezirksleiter Knut Giesler kündigte massiven Widerstand der Gewerkschaft gegen die Pläne an. Bereits in der kommenden Woche sei ein erstes Treffen zur Beratung über das weitere Vorgehen geplant. Giesler warf dem Siemens-Management vor, nur an der Schraube Personalkosten zu drehen, statt langfristig tragfähige, innovative Lösungsansätze für den Standort vorzulegen. „Die Beschäftigten sehen nicht ein, warum sie nun wieder diese Managementfehler ausbaden sollen“, sagte Giesler.

„Es gibt eigentlich keine Perspektive, wie und womit es weitergehen soll“, sagte der Mülheimer Betriebsratschef Pietro Bazzoli nach der Belegschaftsversammlung. „Man hat die Sorge, dass Mülheim eine Resterampe wird, die langfristig nicht überlebensfähig ist.“

„Wir haben Bauchschmerzen zu sagen: Das ist ein Schnitt, den man macht und der Rest ist gesund“, sagte der Betriebsratschef. Im Moment habe man das Gefühl, das sei der Einstieg in den Ausstieg.

Von

dpa

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