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23.05.2014

14:52 Uhr

Konzernumbau

Siemens will 10.000 Stellen streichen

Gut zwei Wochen nachdem Vorstandschef Joe Kaeser seine Pläne für Siemens vorgestellt hat, werden Sparpläne bekannt. Viele Jobs stehen auf dem Spiel. Eine Auseinandersetzung mit dem Betriebsrat ist programmiert.

Aktionäre auf dem Weg zu einer Siemens-Hauptversammlung: Vorstandschef Kaeser hat dem Konzern eine neue Strategie verordnet – die offenbar Arbeitsplätze kosten wird. dpa

Aktionäre auf dem Weg zu einer Siemens-Hauptversammlung: Vorstandschef Kaeser hat dem Konzern eine neue Strategie verordnet – die offenbar Arbeitsplätze kosten wird.

MünchenDurch den Umbau des Siemens-Konzerns fallen rund 10.000 Arbeitsplätze weg, wie die Wirtschaftswoche unter Berufung auf Insider berichtet. Am härtesten dürfte es den weltweit größten Siemens-Standort in Erlangen treffen, von wo aus das Unternehmen sein Industrie- und Energiegeschäft sowie die Sparte der Medizintechnik steuert. Das Energiegeschäft soll künftig von den USA aus geführt werden.

Erst vor knapp einem Jahr hatte Siemens-Chef Joe Kaeser noch ein „Bekenntnis zum Standort Erlangen“ abgelegt. Für rund 500 Millionen Euro will der Konzern in der fränkischen Stadt einen Campus bauen.

Mit einem Jobabbau rechnet die IG Metall auch in der Konzernzentrale in München. Die Gespräche der Siemens-Leitung mit den Vertretern der Arbeitnehmer über den bevorstehenden Jobabbau im Konzern haben schon begonnen. Zu den Details wollte sich Siemens auf Anfrage der Wirtschaftswoche nicht äußern.

So krempelt Kaeser Siemens um

Größter Umbau seit Jahren

Erst Ruhe und Ordnung, dann der größte Umbau seit Jahren: Ab Mai 2014 packt Siemens-Chef Joe Kaeser überraschend viel an bei Deutschlands größtem Elektrokonzern. Von der Auflösung der Sektoren bis zum weiteren Vorstandsumbau - das Großreinemachen bei Siemens hat begonnen. Und ganz nebenbei traute sich Kaeser noch eine milliardenschwere Übernahme des französischen Industrierivalen Alstom zu und wagte sich dafür in ein Bietergefecht mit dem US-Rivalen General Electric (GE).

Was soll sich bei Siemens verändern?

Die von Kaesers Vorgänger Peter Löscher eingeführte Einteilung in die vier Sektoren Energie, Industrie, Medizintechnik und Infrastruktur & Städte sollte ab Oktober 2014 Geschichte sein, das Geschäft in neun statt bisher 16 Divisionen zusammengefasst werden. Für die Hörgeräte-Sparte, für die vor Jahren ein Verkauf platzte, plant Siemens einen Börsengang. Die restliche Medizintechnik bleibt zwar im Konzern - sollte aber ab Oktober eigenständig außerhalb der neun Divisionen geführt werden und damit unabhängig vom Organisationsaufbau des restlichen Konzerns. Hinzu kommt der Zukauf des Gasturbinen- und Kompressorengeschäfts vom Flugzeugtriebwerkhersteller Rolls-Royce.

Wen treffen die Veränderungen?

Siemens hatte per Sparprogramm 15.000 Stellen gestrichen. Betroffen vom weiteren Umbau sollten vor allem Arbeitsplätze in der Verwaltung sein. Im Zuge des Umbaus gab aber auch der bisher für den Energiesektor zuständige Vorstand Michael Süß seinen Posten an die Shell-Managerin Lisa Davis ab. Süß war 2013 zeitweise sogar als möglicher Nachfolger Löschers gehandelt worden, der nach zwei Gewinnwarnungen in kurzer Folge Ende Juli 2013 Jahres seinen Hut nehmen musste.

Was will Kaeser mit dem Umbau erreichen?

Weniger Bürokratie, schlankere und übersichtlichere Strukturen, eine straffere Führung und mehr Kundennähe dürften zu Kaesers wichtigsten Zielen gehören. Ausdrücklich will er den Konzern auf die Wachstumsfelder Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung ausrichten. Siemens braucht wieder Anschluss an Wettbewerber wie den US-Mischkonzern GE, dem die Münchner seit Jahren in Sachen Rendite hinterherhecheln. Auch in der Akquisitionspolitik will Kaeser nach Rückschlägen seines Vorgängers Löscher zeigen, dass er es besser kann. Vielversprechende Geschäftsfelder stärken und weniger Zukunftsträchtiges abstoßen, heißt dabei seine Devise. Und ganz nebenbei bringt der Umbau weitere Einsparungen: Bis zum Herbst 2016 sollen die Kosten um eine Milliarde Euro sinken.

Welche Rolle spielte der Poker um Alstom?

Beide Baustellen haben zunächst wenig miteinander zu tun. Die Pläne für den Umbau, den Kaeser dem Aufsichtsrat vorlegte, reiften spätestens seit dem Wechsel des früheren Finanzvorstands an die Spitze von Siemens. Wären die Münchner bei den Franzosen zum Zuge gekommen, hätte Kaeser wohl ein weiteres Mal größere Umbauarbeiten beginnen müssen.

Am Freitag hatten IG Metall und Betriebsrat von der Siemens-Führung gefordert, beim Umbau des Unternehmens ohne Entlassungen auszukommen. Auch dürfe die Veränderung von Strukturen nicht nur ein Sparprogramm sein. „Die Neuorganisation darf aber nicht lediglich ein weiteres Personalabbauprogramm als zentrales Ziel beinhalten“, sagte die neue Gesamtbetriebsratschefin Birgit Steinborn am Freitag anlässlich eines bundesweiten Aktionstages der Gewerkschaft. Nach Angaben der IG Metall beteiligten sich an rund 80 Standorten mehrere tausend Mitarbeiter.

Vor allem forderte Steinborn von Konzernchef Kaeser, auf Entlassungen zu verzichten. Gegen Pläne für eine straffere Struktur wehre man sich dagegen nicht. Schon seit längerem hätten die Arbeitnehmervertreter den Abbau von Prozessen und Bürokratie bei Siemens gefordert, sagte Steinborn. Mit dem Umbau will Kaeser Siemens schlanker und effizienter machen.

IG-Metall-Bundesvorstand Jürgen Kerner betonte, Siemens müsse mit allen Geschäften und allen Mitarbeitern sicher in die Zukunft geführt werden. „Die Beschäftigten dürfen nicht zur Manövriermasse wirtschaftlicher Macht und finanzgetriebener Interessen degradiert werden“, sagte Kerner, der auch im Aufsichtsrat von Siemens sitzt.

Kommentare (3)

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23.05.2014, 15:43 Uhr

Na ja - jetzt kommt dann die Zeitarbeit?
Ich kann mir einfach nicht vorstellen 10000 Stellen ohne weiteres zu streichen. Die Arbeit muss gemacht werden.
Schade - für Siemens Mitarbeiter und auch für die MA, die über die Leiharbeit reinkommen.
Da sollte schon Staat mit so eine Idee kommen - wenn Sie schon die MA kündigen dann dürfe sie über bestimmte Zeitraum (5 Jahre)keine Leiharbeiter einstellen...

Es ist schon eine Lösung mit Wirkung...

LG

Account gelöscht!

23.05.2014, 16:08 Uhr

Tja, wenn erst die großen Konzerne und Arbeitgeber sich aus Deutschland zurückziehen, ist's bald vorbei mit der Dauer Alimentierung eines politischen Wahnsinnsprojekts.

In den USA gibt's verfallene Stadtteile. In Deutschland auch. In Deutschland wird das nur der Political Correctness wegen verschwiegen.

Account gelöscht!

23.05.2014, 18:24 Uhr

Ich sehe das etwas anders. Wenn ich mir die 10k stellen im verhältnis zur gesamtmitarbeiterzahl sehe relativiert es sich wieder. Vor allem wenn man bedenkt wieviele AN sich durchschleppen lassen. Bei Bosch kenne ich recht viele AN, da könnte man sehr gut mal mit dem eisenbesen durch.

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