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20.12.2012

18:07 Uhr

Kooperation GM/PSA

Der Peugopel ist beschlossene Sache

Seit Februar wurde gebrütet, wie die Kooperation zwischen GM, Opel und Peugeot mit Leben gefüllt werden soll. Jetzt ist die Entscheidung gefallen. Das deutsch-amerikanisch-französische Gemeinschaftsauto kommt.

Besucher im Opel-Werk in Eisenach. dpa

Besucher im Opel-Werk in Eisenach.

RüsselsheimDie beiden Autobauer General Motors und Peugeot haben ihre Allianz zur Sanierung des kriselnden Europageschäfts weiter eingegrenzt. Die amerikanische Opel-Mutter und der angeschlagene französische Konzern teilten am Donnerstag mit, sie hätten sich in ihren seit Februar laufenden Verhandlungen auf eine Zusammenarbeit bei drei Fahrzeugmodellen sowie im Einkauf geeinigt. Die Verträge seien nun unterzeichnet worden.

Vor zwei Monaten war noch von vier Modellen die Rede. Die Rüsselsheimer Marke mit dem Blitz und der französische Autobauer leiden besonders darunter, dass wegen der Schuldenkrise in Südeuropa kaum Neuwagen verkauft werden und schreiben rote Zahlen.

Die größten Autohersteller in Europa

Platz 10

Nissan - 239.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Im Vergleich zum Vorjahr büßen die Japaner Marktanteile ein. Die Zahl der Neuzulassungen schrumpfte um drei Prozent.

Platz 9

Toyota - 295.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Weltweit gehören die Japaner zu den größten Autokonzernen. In Europa stagnieren die Absätze allerdings. Im Vergleich zum Vorjahr wurden ein Prozent weniger Neuwagen verkauft.

Platz 8

Daimler - 349.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Der deutsche Premiumhersteller kann sich freuen: Als einziger Hersteller in der europäischen Top Ten verkauften die Stuttgarter mehr Autos als im Vorjahr. Die Verkäufe legten um ein Prozent zu.

Platz 7

BMW - 421.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Trotzdem kann BMW die Premiumkrone auch in Europa behaupten. Die Münchner verkauften zwar ein Prozent weniger Neuwagen als im Vorjahr - doch das ist immer noch besser als die Konkurrenz.

Platz 6

Fiat - 456.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Sorgenfalten von Fiat-Chef Sergio Marchionne dürften zunehmen. Mit einem Minus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr befinden sich die Italiener in einer der tiefsten Absatzkrisen der Unternehmensgeschichte.

Platz 5

Ford - 533.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch für den US-Autobauer, dessen größtes Werk in Europa nördlich von Köln liegt, sind die Verkäufe in Europa eingebrochen. 11 Prozent weniger Fahrzeuge wurden an den Mann gebracht.

Platz 4

General Motors - 573.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Zahlen sind besorgniserregend. So besorgniserregend, dass zuletzt auch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke gehen muss. In Europa brachen die Verkäufe des US-Riesen im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent ein.

Platz 3

Renault - 583.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Noch schlimmer trifft es den französischen Autoriesen Renault. Satte 17 Prozent weniger Autos konnten die Franzosen im ersten Halbjahr absetzen. Die Regierung denkt bereits über Staatshilfen für die angeschlagene heimische Autoindustrie nach.

Platz 2

Peugeot/Citroën - 827.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch der größte französische Autobauer klagt über Absatzprobleme und kündigte zuletzt an, 8000 Stellen streichen zu wollen. Im ersten Halbjahr schrumpften die Verkäufe um 14 Prozent.

Platz 1

Volkswagen - 1,66 Millionen Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Es ist einsam an der Spitze: Die Wolfsburger deklassieren die Konkurrenz um längen. Im schwierigen europäischen Massenmarkt verliert Volkswagen zwar ein Prozent - doch insgesamt nehmen die Marktanteile zu.

Ihre zuvor ebenfalls seit Monaten laufenden Gespräche über eine gemeinschaftliche Sanierung hatten Opel und Peugeot bereits im November auf Eis gelegt, weil sich die Finanzlage bei Peugeot verschlechterte und Frankreich als Gegenleistung für Staatsgarantien den Verzicht auf Massenentlassungen verlangte. Peugeot hatte 10.000 Stellen streichen und ein Werke nahe Paris dichtmachen wollen.

Gewerkschaften in Deutschland und Frankreich hatten befürchtet, dass die beiden Autobauer im Falle einer engeren Allianz noch tiefere Einschnitte vornehmen könnten als bisher schon geplant. Opel kündigte vor kurzem an, sein Werk in Bochum mit über 3000 Beschäftigten in vier Jahren zu schließen.

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In den jetzt unterzeichneten Verträgen vereinbarten die beiden Autobauer die Entwicklung gemeinsamer Vans für Opel, ihre britische Schwestermarke Vauxhall und für PSA Peugeot Citroen sowie eine gemeinsame Plattform für emissionsarme Kleinwagen. Zudem ist ein kleiner Familienwagen nach dem Beispiel des Opel-Meriva geplant. Die gemeinsame Entwicklung von Mittelklassewagen nach dem Vorbild des Opel-Insignia wurde aufgegeben. Die ersten Fahrzeuge sollen bis 2016 auf den Markt kommen.

Der gemeinsame Einkauf beschränkt sich auf Europa. Anfangs hatten GM und PSA geplant, den Einkauf von Material und Teilen weltweit im Volumen von insgesamt 125 Milliarden Dollar im Jahr zusammenzulegen.

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Unterdessen stutzt der Mutterkonzern einem Zeitungsbericht zufolge die Auslandsaktivitäten von Opel und übernimmt sechs Tochtergesellschaften selbst. Das Motorenwerk im ungarischen Szentgotthard, die Getriebefertigung im österreichischen Aspern, das Entwicklungszentrum im italienischen Turin, das Produktionswerk im polnischen Gliwice und Aktivitäten in Großbritannien und Russland gingen auf den Mutterkonzern über, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vorab aus ihrer Freitagausgabe unter Berufung auf Führungszirkel des Unternehmens.

Der Transfer sei Bedingung für die Fortführung eines Kredits über knapp 2,5 Milliarden Euro von GM an Opel gewesen. Ein Opel-Sprecher lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab. "Wir werden uns niemals zu internen Angelegenheiten äußern", sagte er.

Die Sanierungspläne von Opel

Der „Deutschland-Plan“

Das Opel-Management hatte seine Absichten für das Werk Bochum bereits im Juni in einem „Deutschland-Plan“ skizziert, der die Grundlage der Sanierung des verlustreichen Herstellers sein soll. Die Eckpunkte haben sich seitdem kaum verändert. Hier die wichtigsten Bestandteile.


Werk in Bochum schließt

Mit dem Verlegung der aktuellen Generation des Familien-Vans Zafira nach Rüsselsheim endet die Fahrzeugproduktion im Traditionswerk Bochum Ende 2014. Erhalten wird nur ein Warenverteilzentrum.

Bessere Auslastung für andere Werke

Die übrigen Opel-Werke könnten durch die Produktion für andere Automarken, etwa die Schwester Chevrolet, besser ausgelastet werden.

Hoffnung auf Nischenmodelle

Nischenmodelle wie der Mini-SUV Mokka oder der Kleinwagen Adam sollen zusätzlichen Absatz bringen.

Neue Märkte erschließen

Über den Mutterkonzern General Motors will Opel wachsende Auslandsmärkte wie Russland oder die Türkei besser erschließen.

Sparen dank Kooperation

In der Zusammenarbeit mit dem Partner PSA Peugeot Citroën will GM für Opel Spareffekte nutzen, etwa in der Konstruktion oder womöglich sogar beim Bau von Fahrzeugen.

Kommentare (26)

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Baier

20.12.2012, 09:27 Uhr

Opel musste sich dem Programmdiktat aus Detroit beugen. Peugeot ist durch eigene Fehler in die Krise gekommen, indem man z.B. aus Citroen eine bidere Allerweltsmarke machte. Jetzt muss man aufpassen, dass der neue nicht POPEL heisst.

Account gelöscht!

20.12.2012, 09:34 Uhr

Wenn sich zwei Kranke zusammentun, was kann da schon herauskommen.

Bei beiden Herstellern gibt es riesige Überkapazitäten und die Autos der beiden Hersteller zählen wahrlich nicht zu den Favoriten der Autokäufer.

Das ist wieder einmal so eine länderübergreifende Schnapsidee von GM und den Staats-Sozialisten in Frankreich.

Heribert_von_Spreti

20.12.2012, 10:24 Uhr

Liebe HB-Redaktion, Ihre Namensschöpfung "Peugopel" ist grauslig, und zeigt, dass Ihnen frankophones Gefühl völlig abgeht. Wenn schon ein Kombinationsnamen, dann wenigstens "Peugeopel" gesprochen "Peuschopel", das klingt doch gleich ein bisschen eleganter und geschmeidiger!

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