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06.01.2010

11:09 Uhr

Kooperationen

Neue Businessmodelle für neue Stromnetze

VonAxel Postinett

Die Staaten erhöhen weltweit den Druck auf die Industrie, energieeffiziente Produkte zu entwickeln. Branchenfremde Unternehmen müssen sich zu ungewohnten Kooperationen zusammenfinden. Vernetzte Unterhaltungsgeräte, Haustechnik und Gebäudemanagement eröffnen Wachstumsfelder.

Umbruch auf dem Strommarkt: Auch branchenfremde Unternehmen arbeiten jetzt an Stromnetzen der Zukunft. ap

Umbruch auf dem Strommarkt: Auch branchenfremde Unternehmen arbeiten jetzt an Stromnetzen der Zukunft.

DÜSSELDORF. Stromsparen und die effiziente Nutzung von Energieressourcen sind die Topthemen für Energiewirtschaft, IT-Unternehmen und Elektronikhersteller in Europa und den USA. Neue Anbieter drängen in den Zukunftsmarkt, etwa die Deutsche Telekom, die nach Medieninformationen zusammen mit dem Energiekonzern ABB an Stromnetzen der Zukunft arbeiten will. Für Branchenkenner ein überfälliger und nicht gerade einfacher Prozess: "Telekomunternehmen und Energieversorger müssen ihre Geschäftsmodelle anpassen und neue, ungewohnte Kooperationen eingehen," sagt Peter Schulte, Geschäftsführer des Software- und Netzwerk-Dienstleisters Xantaro.

Kurt Scherf, Senior Analyst bei Parks Associates, fügt hinzu: "Vernetzte Unterhaltungsgeräte, Haustechnik und Gebäudemanagement werden 2010 neue Wachstumsfelder für die gesamte Industrie eröffnen." Energieeffizienz und vernetzte Technik werden Hauptschwerpunkte der am 7. Januar beginnenden Elektronikmesse CES in Las Vegas sein, auf der zahlreiche Unternehmen Lösungen präsentieren wollen.

Das Optimierungspotenzial ist enorm: Der durchschnittliche US-Haushalt hat nach Erhebungen des Branchenverbands Consumer Electronics Association, CEA, heute über 40 elektrische Geräte in Betrieb, von der Klimaanlage über Fernseher bis zum Toaster. All diese Geräte sollen langfristig digital an ein intelligentes Strom- und Hausnetz angebunden werden, globale Standards müssen entwickelt werden.

Staat macht Fortschritt per Gesetz Beine

Doch bei weitem nicht alles, was von der Industrie gerne als Innovation verkauft wird, ist auch freiwillig. Teilweise musste der Staat zu Zwangsmitteln greifen, um dem Fortschritt Beine zu machen. In Deutschland etwa hat erst die Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes zu einer Modernisierung der Strommessung geführt. Ab 2010 müssen bei Neubauten und grundlegenden Renovierungen sogenannte intelligente Stromzähler installiert werden. Darauf weist der Branchenverband Bitkom hin. Solche Zähler können von den Energieversorgern tagesaktuell ausgelesen und abgerechnet werden. Intelligente Zähler bringen außerdem mehr Transparenz in den individuellen Stromverbrauch. Bis 2016 sollen alle alten Stromzähler ausgetauscht sein.

Weltweit, schätzt die Researchfirma Pike Research aus Boulder/Colorado, werden sich die Investitionen in sogenannte Smart Grids - also intelligente Netze - von 2008 bis 2015 auf rund 200 Milliarden Dollar summieren. "Intelligente Stromzähler sind wirklich nur die Spitze des Eisbergs", sagt Pike-Analyst Clint Wheelock. "Die größten Investitionen werden in Netzinfrastruktur, intelligente Verteilerstationen und automatisierte Vertriebssysteme fließen." Die US-Regierung hat bereits im September 2009 erste Fördermittel von 3,4 Milliarden Dollar zur Stromnetz-Modernisierung zugesagt.

Experten wie Xantaro-Chef Schulte warnen in diesem Zusammenhang aber auch davor, alte Fehler zu wiederholen. Die erweiterte Datenerfassung im Haushalt schaffe neue Gefahrenpotenziale: "Die gewonnenen Nutzungsdaten bedürfen einer sehr sensiblen Handhabung - sonst sterben die Geschäftsmodelle wieder durch mangelndes Vertrauen der Kunden."

Die Konsumelektronikbranche sieht sich in Europa zudem verschärften Vorgaben der Ökodesign-Richtlinie der EU gegenüber. Ab 7. Januar darf der Stromverbrauch neuer Haushalts- und Bürogeräte im Bereitschaftsbetrieb (Stand-by-Modus) generell zwei Watt nicht überschreiten. Sind sie komplett ausgeschaltet, ziehen aber dennoch Strom aus der Steckdose, muss dieser Wert unter einem Watt liegen. Die nächsten Schritte sind schon festgelegt, teilt der Bitkom mit: Die Werte werden 2013 auf ein und 0,5 Watt abgesenkt.

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