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22.06.2014

08:22 Uhr

Kooperationsangebot

Alstom sagt „Ja“ zu General Electric

Der französische Traditionskonzern hat sich mit General Electric geeinigt. Zuvor hatten Verhandlungen des Staats mit Großaktionär Bouygues den Weg für die Zusammenarbeit geebnet. GE-Chef Immelt freut sich schon.

Die Alstom-Zentrale: Der französische Konzern hat sich mit GE geeinigt. ap

Die Alstom-Zentrale: Der französische Konzern hat sich mit GE geeinigt.

ParisDer französische Alstom-Konzern will das Kooperationsangebot des US-Konzerns General Electric (GE) annehmen. Das gab das Unternehmen am Samstag in Paris bekannt. Im Übernahmepoker um den Konzern hatte sich zuvor bereits die französische Regierung für das Angebot der Amerikaner ausgesprochen - und damit gegen die Offerten von Siemens und Mitsubishi Heavy Industries (MHI). GE-Chef Jeff Immelt, hat die Entscheidung des französischen Alstom-Konzerns für das GE-Angebot begrüßt. „Wir kommen nun zur nächsten Phase der Allianz mit Alstom“, sagte Immelt am Samstag. Es gehe jetzt darum, ein global wettbewerbsfähiges Unternehmen im Energie- und Netzbereich zu schaffen, sagte Immelt nach GE-Angaben.

Kurz zuvor wurde bekannt, dass sich der französische Staat und das Unternehmen Bouygues nach Informationen von Kennern des Dossiers am Samstag über den Verkauf von 20 Prozent Anteilen am Konzern Alstom handelseinig geworden sind. Das erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Abend in Paris. Der Verkauf der Alstom-Anteile von Bouygues an den französischen Staat war Bedingung dafür, dass Alstom wie geplant eine Allianz mit dem US-Konzern General Electric (GE) eingehen kann.

Die neuen Gebote von Siemens und GE

Angebote aufgestockt

Das Bündnis von Siemens und Mitsubishi Heavy Industries (MHI) und der konkurrierende US-Konzern General Electric (GE) haben ihre Angebote für den französischen Technologiekonzern Alstom aufgestockt. Eine Übersicht über die Pläne, die am Donnerstag und Freitag vorgestellt wurden.

Siemens/MHI – Sahnestück höher bewertet

Siemens kauft Alstom das Gasturbinengeschäft für 4,3 Milliarden Euro ab und zahlt damit 400 Millionen Euro mehr als anfangs geplant. Die Deutschen haben sich das Sahnestück aus dem Portfolio des französischen Konzerns nach eigenen Angaben noch einmal genauer angeschaut und bewerten es nun höher als bisher.

Höherer MHI-Anteil bei Energietechnik

MHI beteiligt sich mit 40 Prozent an weiteren Energietechnikgeschäften der Franzosen, nämlich Dampfturbinen- und Nukleartechnik, Wasserkraft und Netzausrüstung. Dafür zahlen die Japaner 3,9 Milliarden Euro. Die Aufstockung von 800 Millionen Euro über dem bisherigen Angebot begründen sie damit, dass man nun einen höheren Anteil anstrebe. Bisher hatten sie drei Einzelbeteiligungen zwischen 20 und 40 Prozent vorgesehen.

400 Millionen Euro Barmittel mehr

Mit der Barzahlung von zusammen 8,2 Milliarden Euro bewerten die Partner die Alstom-Energiesparte nun mit insgesamt 14,6 Milliarden Euro, 400 Millionen mehr als bisher. Unangetastet bei Alstom verbleiben die Sparte für Windkraft und weitere Erneuerbare Energien sowie zunächst auch der Zugbau.

Schnellere Bahnkooperation

Der ICE-Hersteller Siemens will eine Kooperation mit dem TGV-Produzenten Alstom nun schneller vorantreiben als bisher. Statt erst nach dem angestrebten Energietechnik-Deal über einen möglichen europäischen Primus im Bahntechnikgeschäft zu sprechen, bietet Siemens nun an, schon einmal ein Gemeinschaftsunternehmen für Mobilitätsmanagement und Signaltechnik in Angriff zu nehmen.

1000 neue Jobs

Die Konsortialpartner versprechen den Franzosen 1000 neue Jobs und weitere 1000 Ausbildungsplätze.

General Electric – Goldene Aktie für Frankreich

GE plant drei Gemeinschaftsunternehmen mit Alstom, an denen beide Firmen jeweils zur Hälfte beteiligt sein sollen: Die Netztechnik beider Konzerne soll zusammengelegt werden, außerdem steigt GE im Wind- und Wasserkraftgeschäft und im Nuklear- und Dampfturbinengeschäft der Franzosen ein. Um die französische Regierung zu beruhigen, soll sie bei dem geplanten Atomkraftausrüster eine Goldene Aktie mit Vetorecht erhalten und Patente der Sparte in einer staatlichen Gesellschaft verwalten. Bisher hatte GE das Energiegeschäft komplett übernehmen wollen.

Angebot für Energiesparte unverändert

Der US-Konzern bewertet die Alstom-Energiesparte nach wie vor mit 12,35 Milliarden Euro. GE machte die geplante Barzahlung an Alstom nicht publik, betonte aber, sie liege über dem nachgebesserten Angebot von Siemens und MHI.

Signaltechnik an Franzosen

In der Bahntechnik will GE ähnlich wie Siemens ein Bündnis mit Alstom schmieden. Unter anderem wollen die Amerikaner ihre Signaltechnik an die Franzosen verkaufen.

Gleiches Arbeitsplatzversprechen

GE verspricht Regierung und Gewerkschaften die Schaffung 1000 neuer Arbeitsplätze in Frankreich.

Der konkrete Kaufpreis für die Anteile an Alstom, die von Bouygues an den französischen Staat gehen, wurde zunächst nicht bekannt. Der Staat hatte ursprünglich 28 Euro pro Aktie geboten, was dem Kurs bei Börsenschluss am Freitag entsprach. Bouygues forderte dagegen 35 Euro. Der französische Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg hatte am Freitag angekündigt, dass Paris mit 20 Prozent bei Alstom einsteigen werde. Dafür werde der Staat zwei Drittel des 29,4-Prozent-Anteils von Bouygues kaufen.

Nach ihrer Niederlage im Übernahmekampf hakten Siemens und Mitsubishi Heavy Industries (MHI) das Kapitel Alstom ab. MHI bedauerte am Samstag in einer Stellungnahme die Entscheidung der französischen Regierung. Mitsubishi wolle jedoch auch weiterhin seine Beziehungen zu Frankreich und französischen Industriepartnern in der Zukunft entwickeln, erklärte der japanische Mischkonzern.

Bereits am späten Vorabend hatte Siemens „Verständnis für die nationalen Interessen der französischen Regierung zur Neuordnung von Alstom“ geäußert. Aus Sicht der IG Metall sollte der Elektrokonzern nun nach vorne schauen und sich auf seine Hausaufgaben konzentrieren. „Siemens hat die wirtschaftliche und finanzielle Kraft und eine qualifizierte und motivierte Belegschaft, um zuversichtlich in die Zukunft zu gehen“, erklärte die Gewerkschaft am Samstag.

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