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14.05.2012

16:22 Uhr

Korruption

Illegale MAN-Geschäfte hatten miese Margen

ExklusivDie Schmiergeldzahlungen des MAN-Konzerns haben nicht nur eine 150-Millionen-Euro-Strafe hinterlassen, sondern auch den Beigeschmack, dass sie sich nur für einen gerechnet haben: für den deutschen Staat.

Ein Lastwagen der Firma MAN. dpa

Ein Lastwagen der Firma MAN.

DüsseldorfDie illegalen Geschäfte bei MAN haben den Konzern nicht nur juristisch in arge Bedrängnis gebracht. Sie hatten einen gravierenden wirtschaftlichen Nachteil: sie rechneten sich nicht. „Die Margen bei den korrupten Geschäften waren unterdurchschnittlich, und das schon vor Abzug der Strafe von 150 Millionen Euro“, sagte Philip Matthey, der Compliance-Chef der MAN. „Hätte man sich ein bisschen mehr Mühe gegeben, um nachhaltiges Geschäft zu akquirieren, wären wir besser gefahren.“

MAN hatte Ende 2009 eine Geldbuße von 150 Millionen Euro durch die Münchener Justiz akzeptiert, weil bei den Tochterunternehmen MAN Nutzfahrzeuge AG und MAN Turbo AG zahlreiche Bestechungsgelder gezahlt wurden. Mit den Zahlungen sollte offenbar der Absatz von Lastwagen und anderen Fahrzeugen gefördert werden. MAN sprach von 80 Verdachtsfällen.

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Dass sich die Korruption gar nicht lohnte, verriet MAN-Compliance-Chef Matthey beim Wirtschaftskreis Compliance in Düsseldorf, einer von der Unternehmensberatung Alvarez & Marsal initiierten Veranstaltung. Deren Managing Director Jochen Benz lieferte den Teilnehmern noch einen anderen Grund, warum sie auf die Compliance, also die Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien in ihren Unternehmen, achten sollten. So seien etwa die Strafen bei Kartellverfahren in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren um das Fünffache gestiegen. Die verhängten Bußgelder brachten dem Staat allein zwischen 2006 und 2009 eine Milliarde Euro — und dies, obwohl die Bemessung des eigentlichen Schadens oft zweifelhaft sei.
Erhebliche Zweifel an der Compliance-Praxis meldete Verfassungsrechtler Rupert Scholz an. Er kritisierte, dass Unternehmen heute schon auf bloße Rundschreiben der Bundesanstalt für Finanzaufsicht hin ihre Systeme ändern müssten. „Das ist ein Sittenverfall“, sagte Scholz, der heute für die Kanzlei Gleiss Lutz arbeitet. „Wenn der Gesetzgeber es ernst meint, dann soll er ein Gesetz erlassen. Aber Kodizes und Rundschreiben bieten keine Rechtssicherheit.“

Von

iw

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