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17.04.2012

10:07 Uhr

Korruption und Schlägereien

Evonik erlebt in China ein Desaster

VonSönke Iwersen, Wolfgang Reuter

Exklusiv„Wir haben einen Saustall entdeckt, den wir nun so schnell wie möglich ausmisten“, sagt Evonik-Chef Klaus Engel über das China-Joint-Venture seines Konzerns. Der Spezialchemie-Konzern sucht nun ein Ende mit Schrecken.

Die Evonik-Zentrale in Essen. dpa

Die Evonik-Zentrale in Essen.

DüsseldorfEigentlich will Klaus Engel, der Evonik-Chef, vor allem eines: stabile Erträge und gute Nachrichten. Noch im ersten Halbjahr soll der Mischkonzern an die Börse gehen. Bis zu 15 Milliarden Euro könnte das Unternehmen, das wohl auf Anhieb den Sprung in den Dax schaffen würde, danach wert sein – wenn alles gutgeht.

Die Zahlen zumindest sind gut: 2011 stieg der Umsatz um neun Prozent auf 14,5 Milliarden Euro, der Konzerngewinn um 38 Prozent auf eine Milliarde Euro. Engel sprach vom besten Jahr aller Zeiten und sagte: „Evonik ist auf Kurs und blickt mit großer Zuversicht in die Zukunft.“

Dennoch plagen Engel Sorgen. Grund dafür ist der Entwurf eines Berichts der internen Revision, der dem Evonik-Vorstand vorliegt. Vorausgegangen war eine Untersuchung, die vor über einem Jahr begann – und über die Chief Compliance Officer Jörg Hoffmann sagt: „Das waren die härtesten Ermittlungen meines Berufslebens.“

Evoniks China Joint Venture

Anteile

Evonik Sanzheng Fine Chemicals ist ein Joint Venture zwischen Evonik und dem chinesischen Geschäftsmann Liu Z. in Nordchina. Evonik hält 65 Prozent, Liu Z. 35 Prozent.

Umsatz verdoppeln

Grundsätzlich wird das China-Geschäft nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Klaus Engel immer wichtiger, bis 2015 soll der Umsatz in Asien insgesamt auf vier Milliarden Euro verdoppelt werden.

Kein Vorzeigeobjekt

Das Joint Venture Evonik Sanzheng Fine Chemicals allerdings ist kein Vorzeigeobjekt. Nach zweistelligen Millioneninvestitionen ließ sich das Geschäft 2005 zunächst gut an, brach aber 2009 ein. Seither fallen nur noch Verluste an.

Das Papier beschäftigt sich mit einem Joint Venture von Evonik in China. Darin ist viel von „Bilanzmanipulation“, von „Betrug“ und von „unerklärlichen Zahlungen“ sowie von „Geschenken“ die Rede. Es geht – auch – um Korruption, und Engel gibt unumwunden zu: „Wir haben einen Saustall entdeckt, den wir nun so schnell wie möglich ausmisten.“

Der Fall reicht zurück ins Jahr 2005. Der damals selbstständige Chemiekonzern Degussa, heute ist er Teil von Evonik, verlor Marktanteile im Geschäft mit Cyanurchlorid. Die Chemikalie wird unter anderem für die Herstellung von Pestiziden benötigt. Aus Kostengründen wollte Degussa eine Produktion in China aufbauen und schloss deshalb ein Joint Venture mit dem chinesischen Geschäftsmann Liu Z. in Nordchina. Die Investition betrug 27 Millionen Euro.

Was die Deutschen nicht wussten: Ihr neues Unternehmen, Evonik Sanzheng Fine Chemicals Company Ltd., war marode. „Die Bilanzen wurden manipuliert“, hieß es schon 2003 in einem Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG über den chinesischen Teil des späteren Joint Ventures. Wichtige Sicherheitsvorkehrungen und behördliche Betriebsgenehmigungen fehlten. „Die Firma war technisch insolvent“, schrieb KPMG.

Das aber war laut einem Konzernsprecher noch nicht das eigentliche Problem – die Degussa wollte das Geschäft sanieren und ausbauen. Der Ruf des Partners sei zudem exzellent gewesen. Dachten die Degussa-Manager.

Kommentare (19)

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aruba

17.04.2012, 07:15 Uhr

Guten Tag,... Um einen Saustall zu entdecken;.... nun ja dazu brauchen wir nicht bis nach China zu gehen. Ja Ich bin dazu geneigt dass ein Blick um uns herum genuegt. Sollte dann noch ein Spiegel im Raum sein;.... um so Besser. Besten Dank

John.Canna

17.04.2012, 08:44 Uhr

...nun wir kennen die Problematik aus Russland, war auch ein Jointventure. Tätliche Angriffe, sogar Morddrohungen waren an der Tagesordnung...
Wir haben das Jointventure beenden müssen als man versucht hat über die korrupte Justiz in Russland Mitarbeiter zu verhaften.
China & Russland sind nicht in jedem Fall "Goldgruben" !

John Canna

Account gelöscht!

17.04.2012, 09:25 Uhr

Da stecken wir in einer wirklichen Zwickmühle. Auf der einen Seite die amerikanischen Cowboys, auf der anderen Seite die russisch-chinesischen Cowboys.
Bei den Russen würde ich meinen, die haben es nicht im Griff. Bei den Chinesen sehe ich die Strategie, sich eine Industrie aufbauen zu lassen, um dann die Aufbauhelfer zum Teufel schicken zu können. Und bei den Amerikanern sind es die Finanzmanager mit ihren legitimierten Methoden.
Auch wenn man die Cleverness der Chinesen bewundern kann, investieren würde ich dort nie. Denn China arbeitet einwandfrei gegen uns. Beispiel: Die Taliban erhalten Waffen aus China und Karsai gibt den Chinesen in seinem Doppelspiel Schürflizenzen.
Jetzt muß der Außenminister ein Machtwort piepen.

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