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26.06.2012

12:45 Uhr

Korruptions-Vorwürfe gegen Formel 1-Chef

Ecclestone bringt Mercedes ins Schleudern

VonCarsten Herz, Sönke Iwersen, Axel Höpner

ExklusivDie Bestechungsvorwürfe gegen Bernie Ecclestone bringen Daimler in Not. Nach seinen eigenen Statuten darf der Konzern eigentlich keine Geschäfte mit korrupten Personen machen. Droht nun der Ausstieg aus der Formel 1?

Formel-1-Chef Bernie Ecclestone und Daimler-Chef Dieter Zetsche: Droht dem Rennsport-Team das Aus? picture alliance/dpa

Formel-1-Chef Bernie Ecclestone und Daimler-Chef Dieter Zetsche: Droht dem Rennsport-Team das Aus?

Frankfurt/DüsseldorfDas Geständnis war eindeutig: "Ich habe mich bestechen lassen", sagte der ehemalige BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky vergangene Woche vor dem Landgericht München - und belastet damit den Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone. 44 Millionen US-Dollar soll Ecclestone an Gribkowsky gezahlt haben, damit dieser die Formel-1-Anteile günstig an einen Finanzinvestor, der Ecclestone genehm war, verkaufte. Der Geschädigte war die Landesbank.

Die Folgen könnten weitreichend sein - auch für einen an den Schmiergeldzahlungen unbeteiligten Dritten: den Autokonzern Daimler.

In der Stuttgarter Zentrale herrscht helle Aufregung, so berichten Manager dem Handelsblatt. "Die Prüfung der Geschäftsbeziehung zu Ecclestone steht auf der Agenda der Compliance-Abteilung. Da jeder Generalvertreter weltweit auf Herz und Nieren geprüft wird, ist auch diese Überprüfung nur folgerichtig", so ein mit den Vorgängen Vertrauter.

Bernie Ecclestone: Der Weg zum Formel-1-Diktator

Bernie Ecclestone

Der Weg zum Formel-1-Diktator

Er hat die Formel 1 professionalisiert und zu einem Milliardengeschäft gemacht: Bernie Ecclestone achtet jeden Penny, schätzt Diktatoren wie Hitler und handelt selbst gerne wie ein Alleinherrscher.

Für Vorstandsmitglied Thomas Weber, als Forschungsvorstand auch zuständig für das Formel-1-Engagement, ist eine unkomfortable Lage entstanden. Denn sollte gegen Ecclestone wegen Bestechung Anklage erhoben werden, müsste sich Daimler nach Ansicht von Rechtsexperten aus dem Formel-1-Geschäft zurückziehen.

Die BayernLB und die Formel 1

Höhepunkt der New Economy

Es war der Höhepunkt der New Economy, als das Medienunternehmen EM.TV im Jahr 2000 bei der Formel 1 einstieg. Kurz zuvor hatte EM.TV um die Gebrüder Thomas und Florian Haffa in einem ähnlich spektakulären Deal die Rechte an der „Muppets Show“ erworben.

Kirch und Kredite bei der BayernLB

Mit im Boot bei der Formel 1 war auch damals schon Bernie Ecclestone, Zampano des PS-Spektakels, mit seiner Familienstiftung. Nur wenig später ging es mit EM.TV bergab. Die Kirch-Gruppe des damaligen Medienzaren Leo Kirch kam zu Hilfe, erhielt im Gegenzug den Anteil an dem Rennzirkus und stockte ihn noch auf. Dafür musste Kirch Kredite aufnehmen, unter anderem bei der BayernLB.

Gribkowsky wird Motorsport-Verantwortlicher

Die Kirch-Gruppe meldete dann 2002 Insolvenz an. Dadurch wurde die Landesbank aus München unerwartet zum Anteilseigner der Formel 1 und der damalige Risikovorstand Gerhard Gribkowsky zum Motorsport- Verantwortlichen. In der Folgezeit entwickelte sich ein Streit mit den Autokonzernen, denen die tonangebende - und profitable - Rolle Ecclestones und seiner Verbündeten ein Dorn im Auge war. Auch eine Übernahme der Formel 1 durch einen oder mehrere Hersteller oder eine Konkurrenzveranstaltung standen zur Debatte.

Anteilsverkauf an CVC

Vier Jahre später verkaufte Gribkowsky die BayernLB-Anteile an den Finanzinvestor CVC Capital Partners und die Wogen glätteten sich. Das Unternehmen zählt zu den weltweit größten der Private-Equity-Branche und hat europäische Wurzeln. Hauptsitze sind Luxemburg und London.

Ecclestone verkaufte

Der Finanzinvestor übernahm die Formel-1-Mehrheit durch den Erwerb der Anteile der BayernLB und von Ecclestone selbst beziehungsweise seiner Familie. Dies geschah indirekt über die neu gegründete CVC-Tochter Alpha Prema, an der Ecclestone wiederum auch selbst beteiligt ist. Der heute 82-Jährige blieb auch bei diesem Deal Chef der Formel 1. Gribkowsky rückte in den Aufsichtsrat von Alpha Prema.

In den strengen konzerneigenen Regeln für gute Unternehmensführung heißt es: "Daimler duldet keine unmoralischen oder korrupten Praktiken durch Mitarbeiter oder seitens der Geschäftspartner." Die Zahlung von rund 44 Millionen US-Dollar Bestechungsgeld dürfte eindeutig darunter fallen, sagen Experten wie Laurenz Schmitt, Partner bei der Anwaltskanzlei Linklaters: "Eine solche Situation ist prekär."

Offiziell gibt sich Daimler wortkarg. "Wir gehen Hinweisen auf Unregelmäßigkeiten in unserem Verantwortungsbereich umgehend nach", lautet der Kommentar einer Konzernsprecherin.

Kommentare (14)

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Murgtal

26.06.2012, 13:08 Uhr

Die Teilnahme an der Formel 1 war nach der wahrscheinlich in negativer Hinsicht durch nichts mehr zu überbietenden Vereinigung mit Chrysler der größte Fehler. Diesem Rennopa Schuhmacher das viele Geld hinterher zu werfen, sorgt nicht nur, aber ganz besonders bei den Daimler-Mitarbeitern für erheblichen Missmut!

Der_Mythos_Silberpfeil_verblasst

26.06.2012, 13:21 Uhr

Anspruch und Wirklichkeit sind wahrscheinlich auch bei Daimler zwei paar verschiedene Schuhe.
Gerade jetzt, wo man in der F1 langsam wieder auf die Erfolgsspur einzubiegen glaubt, wäre ein F1-Ausstieg für Daimler sicher bitter.
Andererseits sollte man sich aber an den eigenen hohen Unternemensanspruch und Ehrenkodex halten, denn sonst ist es mit der Glaubwürdigkeit nicht weit her.
Ebenso sollte man bei Daimler die immensen Kosten des F1 Engagements bedenken, welche im Konzern sicher sinnvoller und effizienter eingesetzt werden könnten.

Oliver_Schmalbach

26.06.2012, 13:27 Uhr

Meiner Meinung nach ist der Vorgang ein Witz, wenn man bedenkt, welch unmoralische Geschäftspraktiken die Beteiligung an EADS (Eurofighter) beinhaltet. Bestechung vs. Kriegswaffen, was wiegt schwerer? Anhand ihrer eigenen Vorgaben müssten Daimler auch hier handeln.

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