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27.01.2010

07:15 Uhr

Kostendisziplin

Dax-Konzerne sparen sich im Aufschwung gesund

VonUlf Sommer, Axel Höpner

ExklusivSiemens tritt trotz einer deutlichen Gewinnsteigerung weiter auf die Kostenbremse. Damit steht das Technologie-Unternehmen für einen allgemeinen Trend. Die meisten deutschen Großkonzerne verringern ihre Ausgaben, obwohl sich die Konjunktur erholt. Das lässt in diesem Jahr die Gewinne auch bei flauen Umsätzen wieder sprudeln.

Nicht nur Siemens-Chef Peter Löscher kündigte bei der Hauptversammlung einen Sparkurs an. Andere Dax-Konzerne wie SAP, Deutschen und Deutsche Post wollen laut Handelsblatt-Informationen ebenfalls auch im Aufschwung sparen. APN

Nicht nur Siemens-Chef Peter Löscher kündigte bei der Hauptversammlung einen Sparkurs an. Andere Dax-Konzerne wie SAP, Deutschen und Deutsche Post wollen laut Handelsblatt-Informationen ebenfalls auch im Aufschwung sparen.

DÜSSELDORF. Deutschlands Großkonzerne verschärfen trotz konjunktureller Erholung ihren Sparkurs. Allein die aktuellen Sparprogramme der 30 Dax-Konzerne belaufen sich nach Berechnungen des Handelsblatts auf mindestens 23 Mrd. Euro. Das entspricht rund 70 Prozent der Summe, die die Unternehmen Schätzungen zufolge im Jahr 2009 verdient haben. Am Dienstag kündigte auch der Siemens-Konzern auf seiner Hauptversammlung an, die Kosten weiter zu drücken. Obwohl das Unternehmen im ersten Geschäftsquartal einen überraschenden Gewinnanstieg erzielte, hält Vorstandschef Peter Löscher Personaleinschnitte in schwächeren Geschäftsfeldern für unvermeidbar. Die Siemens-Aktie legte am Dienstag über fünf Prozent zu.

Der Münchener Technologieriese stellte die Anhebung seiner Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr (zum 30. September) in Aussicht. Die Prognose stehe auf dem Prüfstand, sagte Löscher. Denn im ersten Vierteljahr erreichte Siemens gut ein Drittel des bisherigen Jahresziels von bis zu sechs Mrd. Euro. So kletterte das Ergebnis in den drei Kernsektoren Industrie, Energie- und Medizintechnik im Vergleich zum Vorjahr um elf Prozent auf 2,3 Mrd. Euro. Der Umsatz brach im selben Zeitraum um zwölf Prozent auf 17,4 Mrd. Euro ein. Siemens hatte bereits vor der Krise den Abbau von mehr als 17 000 Stellen vor allem in der Verwaltung angekündigt.

Wie das Handelsblatt aus Unternehmens- und Finanzkreisen erfuhr, dürften auch der Software-Konzern SAP, die Deutsche Telekom und die Deutsche Post bei der Präsentation ihrer Jahresergebnisse neue Sparprogramme verkünden. Ende 2008 hatte SAP erstmals in seiner Firmengeschichte ein Sparprogramm und den Abbau von 3 700 Stellen verkündet. Die Deutsche Post versprach mit ihrem 2008 gestarteten Programm "Index", bis Ende 2010 die indirekten Kosten um 15 Prozent oder eine Mrd. Euro zu senken. Dabei geht es unter anderem um Reise-, Marketing- und IT-Kosten. Dieses Ziel wurde bereits Ende 2009 erreicht.

Aufgrund der Kostendisziplin der Unternehmen rechnen Analysten nach Angaben des Finanzdatenspezialisten Factset damit, dass die Nettogewinne in diesem Jahr um mehr als 30 Prozent steigen - obwohl die Umsätze kaum anziehen. Ein Dutzend der 30 Dax-Konzerne dürfte sogar schon wieder so viel verdienen wie zu Rekordzeiten.

Mehr als die Hälfte aller Dax-Konzerne hatte bereits 2009 auf die Wirtschaftskrise mit umfangreichen Sparprogrammen reagiert. Viele Unternehmen haben ihre eigenen Vorgaben inzwischen erfüllt, oftmals sogar vorzeitig. So sparte die Telekom mit ihrem Programm "Save for Service" nach eigenen Angaben 5,4 Mrd. Euro ein. Das Ziel lag bei 4,7 Mrd. Euro.

Mit radikalen Kostensenkungen schafften es im Krisenjahr 2009 voraussichtlich fast alle Konzerne, trotz großer Umsatzeinbußen Gewinne zu erwirtschaften. Nur die Commerzbank, Daimler, Infineon, die Stahlkonzerne Salzgitter und Thyssen-Krupp sowie die Lufthansa machen Verluste. "Sparen versetzt die Konzerne in die Lage, ihre Margen zu halten, und bringt ihnen ein kräftiges Gewinnplus, sobald die Umsätze nur leicht zulegen", sagt Michael Köhler von der Landesbank Baden-Württemberg.

Kommentare (2)

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Jürgen

27.01.2010, 09:21 Uhr

Sparkurse gehen immer zu Lasten von Mitarbeitern = Menschen.
Siemensprodukte kaufen keine Siemensprodukte.
Menschen mit Geld kaufen Siemensprodukte.
Also : in Zukunft noch mehr "Aufschwung" durch Entlassungen.
Ein geniales Konzept - das macht nicht nur Siemens so.
Wofür braucht man Arbeit verrichtende Menschen ?
Hauptsache das Fiat-Money stimmt !

Wolfgang K.

27.01.2010, 10:06 Uhr

KEiNE Sparkurse gehen immer zu Lasten von Mitarbeitern = insolvenzauffanggesellschaften für sozialverträgliche Entlassungen = Menschen auf der Straße
Siemensprodukte kaufen keine Siemensprodukte, gott sei dank tun es Menschen mit Geld, sonst gäbe es keine Siemensprodukte und somit keinen Arbeitgeber Siemens.
in Zukunft noch mehr Aufschwung durch Menschen mit Geld, denn alle anderen Geiz ist geil individuen beschweren sich lieber Massentierhaltung, während Sie sich die billigen industrieeier in den Einkaufswagen legen.
Hoch lebe die Doppelmoral Deutschlands und unqualifizierte Pauschalargumentationen.

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